Internationaler Kongress der Akustiker: Wenn Lärm zur Zerreißprobe wird und krank macht

Internationaler Kongress der Akustiker : Wenn Lärm zur Zerreißprobe wird und krank macht

Der Internationale Kongress der Akustiker tagt diese Woche in Aachen. Mit dabei sind auch zwei Professoren der RWTH.

Den Lärm hörbar machen. Das klingt erstmal irrwitzig. Aber was man sich darunter vorstellen kann, ist momentan im Eurogress in Aachen zu erleben. Seit Montag tagt hier die „International Congress on Acoustics“ (ICA), die weltweit größte Akustik-Konferenz. Wissenschaftler vieler verschiedener Bereiche – das kann die Medizin sein, die Physik, der Maschinenbau, die Nachrichtentechnik oder die Architektur – kommen hier zusammen, um zu forschen.

Eines der vielen Themen, welches in der Gesellschaft immer mehr Gehör findet, ist auch hier essenziell: der Umweltlärm. „Lärm ist erst einmal unerwünschter Schall“ erklärt Michael Vorländer, Professor am Institut für Technische Akustik an der RWTH Aachen. „Ein Vogelzwitschern am Morgen und das Geigeüben der geliebten Tochter können auch Lärm sein, werden aber nicht als solcher wahrgenommen“, während die Baustelle vor der Tür und der Lärm aus einer Gaststätte zur wahren Zerreißprobe werden können.

„Ein Vogelzwitschern am Morgen kann auch Lärm sein“, sagt Michael Vorländer, Professor am Institut für Technische Akustik. Foto: Carlotta Vorbrüggen

Lärm stresst und das ist wissenschaftlich bewiesen. „Schließlich können wir die Ohren nicht verschließen“ versinnbildlicht Vorländer. Das führt dazu, dass wir unbewusst auch im Schlaf Lärm wahrnehmen. Folgen sind neben schlechterem Schlaf die vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen, eine verminderte Leistungsfähigkeit bis hin zu psychosomatischen Problemen.

Und genau hier setzt die Forschung an. „Unser Ziel ist es, Lärm naturgetreu wiederzugeben, um mit den Aufnahmen verschiedene Tests durchführen zu können“ stellt Janina Fels, auch Professorin für Technische Akustik an der RWTH, eines ihrer vielen Projekte vor. Ein Beispiel hierfür sind die Schulen. „Wir sind vor Ort und nehmen Messungen im Klassenzimmer vor, um den Lärm, dem die Kinder dort ausgesetzt sind, aufzuzeichnen“, sagt Janina Fels. Nun kann an Hand der Aufzeichnungen untersucht werden, inwiefern der Lärm die Kinder ablenkt.

Forscht unter anderem dazu, wie Lärm Kinder in der Schule beeinträchtigt: Janina Fels, Professorin für Akustik. Foto: Carlotta Vorbrüggen

Dafür lösen Kinder Aufgaben, während sie über Kopfhörer den aufgenommenen Lärm aus dem Klassenzimmer eingespielt bekommen. Dabei wird mit Hilfe der Akustik versucht, den Lärm so zu optimieren, dass sich das Kind besser konzentrieren kann. Die Ergebnisse können dann später im Klassenzimmer durch Baumaßnahmen oder eine Umstrukturierung des Mobiliars angewandt werden.

„Ziel ist es herauszufinden, was die Kinder wirklich ablenkt“ erläutert Fels ihr Studie. Natürlich lässt sich das genauso übertragen auf Restaurants, Büros oder Krankenhäuser. Lärm und seine Auswirkungen auf die Gesundheit sind ein wichtiges Thema, das zeigt die ICA in Aachen.

Weitere Informationen zu der Tagung gibt es unter www.ica2019.org.

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