Stolberg: Wenn das Kamel den Zebrastreifen quert

Stolberg: Wenn das Kamel den Zebrastreifen quert

Eigentlich ist das weiße Pony Lizzard der Publikumsliebling im Zirkus Aladin. Wenn es als Einhorn die Manege betritt, seien die Besucher verzückt, sagt Sascha Bügler. Er ist Chef des Familienunternehmens, das seit Montag um zwei Stars reicher ist: Ivan und Milow.

Die beiden Kamele begeisterten am Montag aber nicht mit atemberaubenden Kunststücken, sondern wurden durch einen nächtlichen Ausflug in die Stolberger Innenstadt bundesweit bekannt.

Kamele eines Zirkus in Stolberg freigelassen. Foto: Sonja Essers

Rund 2,5 Kilometer legten die 900 Kilo schweren Tiere von ihrer aktuellen Behausung im Stolberger Stadtteil Donnerberg zurück, bis sie an einem südwestlich gelegenen Steinbruch schließlich eingefangen werden konnten. Dort hatten Ivan und Milow vorschriftsmäßig den Zebrastreifen genutzt, um auf die andere Straßenseite zu gelangen. Das kuriose Bild führte zu dutzenden Anrufen bei der Polizei. Verletzt wurde niemand. Der Fall stellt Familie Bügler und auch die Polizei vor ein Rätsel. Denn: Wie Ivan und Milow ausbüxen konnten, ist noch nicht geklärt.

Sascha Bügler erhebt nun schwere Vorwürfe: „Es muss jemand das Tor geöffnet und die Tiere rausgelassen haben. Wir vermuten, dass das Tierschützer waren“, sagt er. Nach der Rückkehr von Ivan und Milow hatte er festgestellt, dass die Riegel am Tor des Kamel-Geheges verschwunden waren. Außerdem sei die Familie erst vor wenigen Monaten in Bad Neuenahr Opfer eines ähnliches Vorfalls geworden. Auch dort hätten Unbekannte versucht, Tiere zu befreien. Damals sei kein Tier weggelaufen.

Am Sonntagabend hatte die Familie nach ihrem Gastspiel in Linnich ihre Zelte in Stolberg an der Hastenrather Straße aufgeschlagen und die Tiere — darunter Lamas, Pferde, Ponys, Meerschweinchen und Hasen — in ihren Gehegen untergebracht. Dass ein Fehler beim Aufbau dazu geführt haben könnte, dass die Tiere ausbüxen konnten, schloss Bügler aus. „Von mir aus können Leute vor dem Zirkus demonstrieren. Das macht mir nichts. Aber man kann doch keine Tiere freilassen. Wenn die vor ein Auto gelaufen wären, hätte niemand überlebt.“

Der Aachener Polizei und dem Amt für Verbraucherschutz, Tierschutz und Veterinärwesen der Städteregion sind derartige Vorgehensweisen von vermeintlichen Tierschützern nicht bekannt. Dieser Fall sei der einzige seiner Art in der Region, war sich Detlef Funken, Pressesprecher der Städteregion Aachen, sicher.

Ivan und Milow ließ die Aufregung kalt. Nachdem sie von einer Tierärztin durchgecheckt wurden, steht den bevorstehenden Vorführungen nichts mehr im Weg.

Bliebe nur eine Frage offen: Warum nutzten die Kamele den Zebrastreifen? „Im Straßenverkehr kennen sie sich eigentlich nicht aus“, sagt Bügler. „Aber dafür bin ich mir sicher, dass sie ab jetzt die Stars in unserer Manege sein werden.“

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