Aachen/Jülich: Weniger Bettenabbau als im NRW-Schnitt

Aachen/Jülich: Weniger Bettenabbau als im NRW-Schnitt

Wie dramatisch ist die Situation der Krankenhäuser in der Region tatsächlich? Elmar Wagenbach, Vorsitzender der Diözesangemeinschaft katholischer Krankenhäuser im Bistum Aachen, gehört zu jenen, die sich nicht scheuen, über den Ernst der Lage zu sprechen.

„Wir müssen uns überlegen, wie die Versorgung in den nächsten Jahren aussieht. Seit Jahren weisen wir auf eine Situation hin, die sich jetzt abzeichnet“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Schließung der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe an einem Jülicher Krankenhaus bewegt dort die Öffentlichkeit. Hier weist Wagenbach jedoch auf klare demografische Veränderungen hin - und die setzten bereits mit dem „Pillenknick“ nach 1968 ein. Weniger Frauen, die weniger Kinder bekommen - das hat irgendwann Folgen. „Eine Abteilung, die nicht mindestens 700 bis 800 Geburten im Jahr hat, arbeitet nicht wirtschaftlich“, betont er.

„Immerhin ist eine 24-Stunden-Versorgung an 365 Tagen im Jahr notwendig.“ Mit der Bezirksregierung NRW hat die Diözesangemeinschaft kürzlich den Krankenhausplan 2015 verhandelt. Feststeht: Der Betten-Abbau wird zehn Prozent betragen. „Für unsere Region sieht es im Vergleich zu anderen gar nicht so schlimm aus“, versichert Wagenbach, der dazu auffordert, einen Blick zurückzuwerfen. „20 Jahre Krankenhausdeckelung durch das Gesundheitswesen, das bleibt nicht ohne Folgen.“ Vorwürfen, dass heute Patienten operiert werden, die früher keine Chance hatten, begegnet er kritisch: „Natürlich wirkt sich medizinischer Fortschritt aus, und das ist gut. Und jetzt will man die Medizin rationalisieren?“ Seiner Meinung nach wird den Ärzten ein unlösbarer Konflikt zugemutet: „Einerseits soll alles für den Patienten getan werden, andererseits soll der Geldmangel im Gesundheitssystem beachtet werden.“ Und die Mitarbeiterschaft? Gleichfalls Bevölkerungsdichte einer Region spiele eine Rollen. „Da lassen sich nicht einfach mehr Patienten generieren. Kleine Krankenhäuser haben es daher sehr viel schwerer als große Häuser, allein hinsichtlich der Grundstrukturkosten.“

Hier hat Rolf-Leonhard Haugrund, Vorstandsvorsitzender der Katholischen Stiftung Marienhospital, langjährige Erfahrungen. Im Gegensatz zu anderen Häusern schreibt das Aachener Marienhospital schwarze Zahlen. Haugrund: „Wir haben uns sehr frühzeitig darauf vorbereitet.“ Doch Haugrund kennt das Problem-Potenzial sehr gut. „Es sind nicht nur die Personalkosten, sondern es geht auch um steigende Energiekosten und um die Haftpflichtprämien der Krankenhäuser, die in manchen Fällen um 100 Prozent erhöht wurden.“ Da könne eine Summe von 350.000 Euro durchaus auf 700.000 Euro ansteigen.

Nach Lösungen sucht man mit Hochdruckunter anderem bei der Caritas Trägergesellschaft West (ctw), in deren Verantwortung sich das betroffene Jülicher Krankenhaus befindet. „Die Situation in Jülich hat uns bereits seit Jahren beschäftigt“, versichert Pressesprecher Kaya Erdem. Hier setzt man nun verstärkt auf Synergieeffekte im Krankenhausverbund. Den Versorgungsauftrag sieht die Caritas Trägergesellschaft West regional durchaus erfüllt: „Das Kinderzentrum Düren-Birkesdorf steht zur Verfügung. Dort werden nun schon bald mehr Patientinnen und Patienten erwartet.“

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