Weisweiler wird Standort für Projekt zur Erforschung der Geothermie

Wärme, die aus der Tiefe kommt: Weisweiler wird zum Standort für Geothermie-Projekt

Es soll richtig in die Tiefe gehen. Zunächst auf 1500 Meter, später vielleicht sogar auf mehr als 3000 Meter. Dorthin, wo in Erdschichten rund hundert Grad heißes Wasser lagert. Entstehen soll das Loch auf dem Kraftwerksgelände des RWE in Weisweiler. Der Bohrbeginn ist für August 2020 geplant.

Es geht um ein internationales Projekt zur Erforschung der Geothermie. Einfacher ausgedrückt: In Weisweiler soll erkundet werden, ob nach Ende der Braunkohleverstromung die Region mit Energie aus Erdwärme versorgt werden kann. Die geologischen Voraussetzungen dafür sind offenbar äußert günstig. „In den verkarsteten und tief liegenden Kalksteinvorkommen der Inde-Mulde sind die Erdwärmemengen sehr hoch, ähnlich gut sieht es in Westeuropa nur in der Region München und im Pariser Becken aus“, sagt Martin Salamon vom Geologischen Dienst NRW, einem von 18 Partnern, die an dem Projekt namens „DGE-Rollout“ beteiligt sind. „Wir wollen in den kommenden vier Jahren erkunden, ob sich das große Potenzial auch wirtschaftlich rechnet.“

Wärme für Aachen

Sollte das der Fall sein, wird in Weisweiler ein neues Kraftwerk entstehen. Die Produktionsanlage, eine sogenannte Hydrothermale Dublette, funktioniert nach folgendem Prinzip: Über einen Strang wird Thermalwasser gefördert. Kommt es aus einer Tiefe von zweitau­send Metern, liegt seine Temperatur bei rund 70 Grad. Wird es aus dreitausend Metern nach oben geholt, ist es sogar mehr als hundert Grad heiß.

Über Tage findet dann ein Wärmetausch statt. Anschließend wird das Wasser durch ein zweites Bohrloch wieder in den Untergrund gepumpt. Die gewonnene Energie soll in das Fernwärmenetz Aachens eingespeist werden. Bisher basierte dessen Versorgung auf Braunkohle. Die Umstellung auf die klimafreundlich und nachhaltig gewonnene geothermische Energie soll spätestens 2030 abgeschlossen sein. Angedacht ist, mit ihr nicht nur die bisherigen 2000 Kunden in der Stadt zu versorgen, sondern auch Haushalte und Unternehmen in der gesamten Region.

Die Kosten für das Forschungsprojekt betragen rund 19 Millionen Euro. Finanziert wird es zu einem großen Teil von der Europäischen Union. Unterstützung kommt unter anderem aber auch vom Land Nordrhein-Westfalen. Dessen Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart wurde am Freitag bei der Projekt-Präsentation in Weisweiler grundsätzlich: „Wir wollen in den kommenden Jahren die Erneuerbaren Energien in ihrer ganzen Vielfalt ausbauen.“ Das Rheinische Revier solle dabei zu einer Modellregion werden. „Tiefengeothermie bietet die Chance, Wärme klimaneutral zu erzeugen“, erklärte der FDP-Politiker. Sie könne dazu beitragen, dass der Ausstieg aus der Braunkohle gelingt, weil sie einen „wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit“ leiste.

„Baustein der Energiewende“

Auch Lars Kulik zeigte sich optimistisch. „Energieversorgung mit Thermalwasser kann für unsere Region ein technologisch neuer Baustein der Energiewende sein“, erklärte der RWE-Vorstand. „Unser traditionsreicher Energiestandort Weisweiler erfüllt alle Voraussetzungen, um dieses innovative Vorhaben umzusetzen.“ Man werde sich in das Projekt mit einer hervorragenden Infrastruktur und der fundierten Expertise vieler Mitarbeiter in Energiefragen, Geologie und Bohrwesen einbringen.

(jozi)
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