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250.000 Menschen bei Demo: Weiße Tauben und drei Mal „Kölle Alaaf“ für den Frieden

250.000 Menschen bei Demo : Weiße Tauben und drei Mal „Kölle Alaaf“ für den Frieden

Statt Rosenmontagszug gibt es eine Friedensdemo in der Karnevalshochburg Köln. Die Resonanz ist überwältigend: Nach Schätzung des Festkomitees kommen mindestens 250.000 Menschen – mit oder ohne Kostüm, aber alle gegen den Krieg.

Kostümierte mit blau-gelben Flaggen, „Alaaf“- und „Stoppt Putin“-Rufe, Schunkeln zu Friedensliedern: In Köln sind am Rosenmontag Zehntausende Menschen durch die Stadt gezogen - aber nicht zum traditionellen Karnevalszug, sondern zu einer riesigen Friedensdemonstration. Das Festkomitee Kölner Karneval hatte dazu aufgerufen, „bunt und laut“ gegen den Krieg in der Ukraine zu protestieren.

Berta schiebt ihren zweijährigen Sohn Gabriel im Buggy vor sich her. Eigentlich wollte sie heute bei einer Freundin ein bisschen Karneval feiern, hat sich dann aber kurzfristig umentschieden. „Das hier ist wichtig, da musste ich einfach hingehen“, sagt die junge Mutter.

„Man kann ja nicht viel tun, aber wenigstens kann man zeigen, dass man gegen den Krieg ist“, meint Peter Hillebrand. Zusammen mit Elfi Kluthke ist er schon eine Stunde vor Beginn der Demo zum Startpunkt an der Severinstorburg gekommen. Beide tragen Clownskostüme mit einer Friedenstaube auf dem Rücken: „Die habe ich gestern noch schnell drauf genäht“, sagt Kluthke.

Das Festkomitee lässt echte weiße Tauben in die Luft steigen. In ohrenbetäubender Lautstärke brüllt die Menge drei Mal „Kölle Alaaf“ auf den Frieden in Europa. Es sind Gänsehautmomente bei der Auftakt-Kundgebung. Ein weiterer folgt, als Brings ihr Antikriegs-Lied „Liebe gewinnt“ anstimmen – es ist fast wie eine Hymne, denn die Band hatte das Musikvideo im Vorfeld mit russischen Untertiteln versehen.

Viele Teilnehmer tragen Schilder mit Aufschriften wie „Freiheit für die Ukraine“ oder „Putin Go Home“. Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn ruft die zentrale Botschaft von der Bühne: „Herr Putin, stoppen Sie diesen Wahnsinn, stoppen Sie diesen Krieg!“ Dafür erhält er tosenden Applaus, genau wie Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos), als sie sagt: „Ich empfinde grenzenlose Bewunderung für all die mutigen Russinnen und Russen, die bereits seit Freitag auf die Straßen ihres Landes gehen.“

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), der ebenfalls dabei ist, würdigt die Demo als „Riesenleistung des organisierten Karnevals“. Das Festkomitee hatte sie innerhalb kürzester Zeit auf die Beine gestellt. Nachdem der Rosenmontagszug wegen der Coronavirus-Pandemie zum zweiten Mal abgesagt worden war, wollten die Karnevalisten als kleinen Ersatz einen „Zoch“ mit Persiflagewagen im Stadion veranstalten. Doch als an Weiberfastnacht der russische Angriff auf die Ukraine begann, entschieden sie noch am selben Tag: Das können wir so nicht machen.

Stattdessen also eine Friedensdemo, unterstützt von zahlreichen Gruppen und Organisationen, etwa dem 1. FC Köln, Parteien, Verbänden und Gewerkschaften. Nach Schätzung des Festkomitees sind etwa 250.000 Menschen dabei. Die Zahl sei in Absprache mit der Polizei ermittelt worden. Manche kommen mit Kostüm und manche ohne. Als einziger Wagen rollt ein blutiges Motiv zum Thema Ukraine mit: Es zeigt eine russische Fahne, die die Friedenstaube aufspießt.

Die anderen Persiflagewagen sind auf verschiedenen Plätzen in der Innenstadt ausgestellt. Darunter sind zwei weitere Wagen zu Putin, aber auch Motive zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche, zum Klimawandel und zum Streit der Unionsparteien im Bundestagswahlkampf.

Doch bis der schier endlose Demo-Zug die teilweise entlang der Strecke ausgestellten Wagen passiert, dauert es. Die riesige Menge kommt einfach nicht voran, denn aus der Gegenrichtung strömen derart viele Menschen heran, dass die Severinstraße verstopft und der Zug blockiert ist. Die „Blauen Funken“, die die Demonstration eigentlich anführen sollen, sind irgendwo in der Mitte des Gedränges vorübergehend steckengeblieben.

Die Enge ist ungewohnt. Und so manchem wird zwischendurch etwas unwohl zumute, denn schließlich ist Corona noch nicht vorbei. Für die Teilnehmer gilt Maskenpflicht – fast alle halten sich daran.

(dpa)