Aachen: Weihnachtsmärkte setzen auf Sicherheit

Aachen : Weihnachtsmärkte setzen auf Sicherheit

Der Alarmton ist durchdringend, Rotlicht blinkt, in kaum sechs Sekunden sind die beiden massiven Poller oder „Pilomaten“ aus der Versenkung hochgefahren und sperren die Zufahrt zum Aachener Markt an der Ecke Judengasse/Jakobstraße: „Es sind die aktuell stärksten, die es gibt. Sie halten einem Achttonner stand, selbst dann, wenn er mit 80 Stundenkilometern auffahren würde“, sagt Tell Spittel, Technischer Leiter der Erfurter Firma, die in Aachen das versenkbare Sicherheitssystem installiert hat.

Pünktlich zur Eröffnung des Weihnachtsmarkts hat die Stadt den ersten Baustein eines konsequenten Sicherheitssystems geschaffen, das mit einem Kostenaufwand von 300.000 Euros in Zukunft noch drei weitere Zufahrten zu jenem Bereich absichert, wo Großveranstaltung Menschenmengen anlocken.

Die Städte in der Region setzen in der Weihnachtszeit auf Sicherheit: In Aachen gibt es „Pilomaten“ in Aachen, in Düren Betonklötze im XL-Lego-Design. Foto: Ingo Latotzki

Der Terroranschlag 2016 auf einen Berliner Weihnachtsmarkt, wo ein Lastwagen zwischen Menschen raste und zwölf Tote forderte, sowie der Anschlag von Barcelona im August dieses Jahres sind allgegenwärtig. Ein Erlass von NRW-Innenminister Herbert Reul hatte die Kommunen aufgefordert, ihre Sicherungsmaßnahmen zu überprüfen.

Die jüngsten Ermittlungen gegen sechs Syrer, die möglicherweise einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Essen geplant haben sollen, beweisen, dass die terroristische Gefährdung weiterhin besteht.

Betont unaufgeregt, aber mit erstaunlichem Tempo hat man es in Aachen geschafft, die Maßnahmen für mehr Sicherheit in nur drei Monaten umzusetzen. Warum der zeitliche Kraftakt? „Es gibt viele Veranstaltungen, aber keine dauert so lange wie der Weihnachtsmarkt“, gibt Ordnungsamtschef Detlev Föhlke zu bedenken. Und Stadtkämmerin Annekathrin Grehling fügt hinzu. „Es geht hier um größtmögliche Sicherheit, absolute gibt es nicht.“

Auch in Düren sorgt man für mehr Sicherheit. 114 Betonblöcke werden rund um das Rathaus den Weihnachtsmarkt umgeben. Mobile Sperren durch Kleinlaster und eine erhöhte Präsenz von Polizeibeamten und Mitarbeitern des Ordnungsamtes sind vorgesehen. In Heinsberg werden zahlreiche Blumenkübel als Sperren aufgebaut. Nach Schließung des Weihnachtsmarkts bleibt dort das Gelände jeweils bis zum nächsten Morgen blockiert. Erhöht wird die Zahl des Sicherheitspersonals, das sich zwischen den Marktbesuchern bewegt. „Die Menschen sollen sich sicher fühlen, aber wir dürfen sie nicht abschrecken“, meint Manfred Piana, Geschäftsführer des Märkte- und Aktionskreises City, der in Aachen den Weihnachtsmarkt veranstaltet.

Und die Bürger? „Wir sind sehr froh, dass man für Sicherheit sorgt. Die Orte, wo Anschläge stattfanden, sind ja nicht so weit entfernt“, sagt Czeslaw Jedrzjczyk (63) aus Breslau, der mit seiner Frau wegen des Weihnachtsmarkts nach Aachen gekommen ist. Auch Miguel Tommasi (22) ist dieser Meinung. „Schlimm genug, dass es so ist, aber Angst macht es mir nicht, wen ich die Absperrung sehe“, sagt er. Charlotte Nagel (71), die in der Nähe wohnt, meint: „Die Poller sind besser als Betonklötze, ein bisschen wie Kunst.“

Das Sicherheitsbedürfnis ist groß. Für Notfälle hat die Feuerwehr einen Schlüssel, der dafür sorgt, dass sich die Poller senken. „Wir sind es gewohnt, Hindernisse zu überwinden“, sagt Bernd Geßmann von der Feuerwehr Aachen und Helmut Lennartz von der Polizeidirektion bestätigt: „Die Möglichkeiten der Sicherung sind gut.“