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„Tote Buxe“: Weiberfastnacht erstmals ohne Straßenkarneval

„Tote Buxe“ : Weiberfastnacht erstmals ohne Straßenkarneval

An Weiberfastnacht beginnt normalerweise der Straßenkarneval – doch an diesem Donnerstag blieb alles ruhig. Ganz vereinzelt wurde laut Polizei mal ein Kostümierter gesichtet. „So wie man nachts Rotwild im Wald sieht.“

Erstmals seit vielen Jahrzehnten haben die Karnevalshochburgen am Donnerstag eine Weiberfastnacht ohne närrisches Treiben auf den Straßen erlebt. In der Kölner Altstadt, wo sonst an Weiberfastnacht Hunderttausende feiern, war aufgrund der Coronavirus-Pandemie kaum jemand zu sehen. „Es waren keine Jecken unterwegs, es waren keine Kostümierten unterwegs“, sagte der Kölner Karnevalsprinz Sven I. „Ein sehr ungewohntes Bild für Weiberfastnacht.“

„Normalerweise wären in diesen Stunden Hunderttausende in Nordrhein-Westfalen unterwegs“, sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) im Düsseldorfer Landtag. Die Erinnerung daran, wie es sonst gewesen sei, mache klar, „in welcher ernsten Zeit wir sind“.

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker appellierte an alle Jecken, dieses Jahr zu Hause zu bleiben. Es sei für die Stadt leider „ein Tag wie jeder andere“, schrieb die parteilose Politikerin bei Twitter. Auch der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) bat: „Bitte bleiben Sie in den nächsten Tagen - wie schon am 11.11. - vernünftig.“

Die Appelle fielen offenbar auf fruchtbaren Boden: Die Städte blieben leer wie an einem Sonntagmorgen - und das trotz strahlenden Sonnenscheins. Die Polizei meldete weitestgehende Ruhe. Man habe im Zusammenhang mit Karneval „null“ zu berichten, sagte ein Sprecher der Polizei Köln. Ein Polizeisprecher in Düsseldorf erklärte, es sei einfach nichts los: „Es ist tote Buxe.“ Ganz vereinzelt habe man mal einen Kostümierten gesichtet: „So wie man nachts Rotwild im Wald sieht.“

 Zwei verkleidete Mitarbeiterinnen stürmen eine Live-Schalte des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Stephan Keller (CDU) an Weiberfastnacht und schneiden ihm die Krawatte ab.
Zwei verkleidete Mitarbeiterinnen stürmen eine Live-Schalte des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Stephan Keller (CDU) an Weiberfastnacht und schneiden ihm die Krawatte ab. Foto: dpa/Landeshauptstadt Düsseldorf

Immerhin gab es einen närrischen Überfall auf den Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU): Zwei verkleidete Närrinnen mit Mundschutz sprengten eine Live-Schalte mit dem WDR und schnitten ihm vor laufender Kamera die Krawatte ab. Die Aktion war dem Vernehmen nach mit dem Sender abgesprochen - Keller wusste von nichts.

In der Kölner Lanxess-Arena lief am Donnerstag den ganzen Tag über eine Karnevalsshow, bei der Spenden für notleidende Karnevalskünstler, Bühnenarbeiter und Techniker gesammelt wurden. Sie stehen durch die abgesagte Saison vielfach am Rande des Ruins. BAP-Sänger Wolfgang Niedecken sagte: „Leute, wir müssen zusammenhalten!“ Auch Armin Laschet rief zum Spenden auf.

Nach Einschätzung des Kölner Festkomitee-Präsidenten Christoph Kuckelkorn könnte der Karneval in gereinigter Form aus der Pandemie hervorgehen. „Ich glaube, dass sich der Karneval insgesamt verändern wird“, sagte Kuckelkorn der Deutschen Presse-Agentur. „Viele Vereine haben sich auf den Kern ihres Wirkens besonnen, das ist eine ganz intensive Auseinandersetzung mit dem Brauchtum. Das wird dazu führen, dass sich viele Vereine auch ein Stück weit neu ausrichten werden.“

(dpa)