Düsseldorf: Wehrhahn-Bombenanschlag: Staatsanwalt hält Angeklagten für überführt

Düsseldorf : Wehrhahn-Bombenanschlag: Staatsanwalt hält Angeklagten für überführt

Der Angeklagte im Prozess um den Bombenanschlag am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn hat sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft selbst verraten. Er habe mehrfach Wissen offenbart, dass nur der Täter gehabt habe, sagte Staatsanwalt Ralf Herrenbrück am Montag in einer vom Gericht angeregten Zwischenbilanz.

So habe er bereits eine halbe Stunde nach dem Anschlag in einem Telefonat bekundet, dass er befürchte, verhaftet zu werden.

Zu dem Zeitpunkt sei noch nicht einmal klar gewesen, dass es sich um ein Verbrechen gehandelt habe. Außer dem Attentäter habe zu diesem Zeitpunkt niemand befürchten müssen, unter Verdacht zu geraten.

Außerdem habe der Angeklagte einem Journalisten in einem mitgeschnittenen Telefonat berichtet, am Tatort habe zur Tatzeit eine schwarze Limousine geparkt. Außer ihm sei dies nur einem Anwohner aufgefallen und durch Fotos belegbar. Dies belege, dass er zur kritischen Zeit am Tatort gewesen sein müsse.

Der Angeklagte habe zudem mehrfach nachweislich die Unwahrheit gesagt und sich in Widersprüche verwickelt. Sämtliche seiner Alibi-Versionen seien inzwischen widerlegt. Außerdem habe er die Tat einem Mithäftling gestanden. Er erfülle alle Voraussetzungen, der Attentäter zu sein.

Auch die Nebenkläger zeigten sich von der Schuld des 51-Jährigen überzeugt: „Für die Nebenklage steht zweifellos fest, dass der Angeklagte der Täter ist”, sagte einer der Anwälte. Er habe die Tat auch dadurch vorbereitet, dass er falsche Fährten gelegt habe. Der Angeklagte habe sogar noch schriftlich ein Schweißgerät als gestohlen gemeldet und behaupte nun, nicht schweißen zu können.

Dagegen sah Verteidiger Olaf Heuvens den Tatnachweis nach der bisherigen Beweisaufnahme als nicht erbracht. Es seien beim Angeklagten nicht einmal ansatzweise die Fähigkeiten zum Bau einer solchen Bombe ermittelt worden. Seine Ausländerfeindlichkeit sei zwar nicht zu bestreiten, aber übliches Stammtisch-Niveau. Dass Zeugen ihn im Nachhinein belastet hätten, habe jeweils nachvollziehbare Gründe - von der persönlichen Rache bis zur in Aussicht gestellten hohen Belohnung.

Dem Angeklagten mit Kontakten zur rechten Szene wird zwölffacher Mordversuch aus Fremdenhass vorgeworfen. Er bestreitet die Tat. Bei dem Bombenanschlag waren am 27. Juli 2000 zehn Menschen aus einer zwölfköpfigen Gruppe verletzt worden, einige von ihnen lebensgefährlich. Ein ungeborenes Baby starb im Mutterleib. Bei den Opfern handelt es sich um Zuwanderer aus Osteuropa.

(dpa)
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