Würselen: Wehmut in Würselen: Aus der Traum von der Kanzlerstadt

Würselen : Wehmut in Würselen: Aus der Traum von der Kanzlerstadt

Kanzlerstadt zu werden, diese Hoffnung gab es mal in Würselen. Daraus wird nun nichts. Die Niederlage von Martin Schulz (SPD) wurde in seiner Heimatstadt nicht weit von Aachen am Sonntagabend auf einer großen Leinwand im Rathaus übertragen. Weniger als 30 Leute sind gekommen. Als Schulz im Fernsehen zu sehen ist, schauen alle gebannt hin. Zumindest ein wenig ist der Schulz-Effekt hier in Würselen noch zu spüren.

Als einen „Mann aus Würselen, ja, aus Würselen, meiner Heimat, aus einfachen Verhältnissen” hatte sich Schulz im Wahlkampf präsentiert. Würselen, dieses Wort fehlte wohl in keiner Schulz-Rede. In der Stadt bei Aachen stand er als Jugendlicher als Linksverteidiger auf dem Fußballplatz, dort besiegte er einst seine Alkohol-Sucht, gründete 1982 eine eigene Buchhandlung. In Würselen war er elf Jahre lang Bürgermeister.

So stolz wie Schulz auf sein Heimatstädtchen ist, so stolz sind seine Freunde von früher auf ihren Martin. „Wir sind wahrscheinlich so stolz wie niemand anders”, sagte Stephanie Küppers, der Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins in Würselen, kurz vor der Wahl. Stolz ist man am Wahlabend auch noch. Aber auch ein bisschen wehmütig, dass er nun doch nicht Kanzler wird.

„Er hätte die Region hier voran gebracht”, ist Bürgermeister Arno Nelles sicher. Gerne hätte er es gesehen, dass sein Würselen Kanzlerstadt wird. „Das hätte ich mir gewünscht”, sagt er. Ein anderer Beobachter der Auszählung sieht das anders. Kanzlerstadt Würselen? „Das haben wir jetzt oft genug gehört”, sagt er.

Die meisten Menschen in der Stadt stehen aber hinter Schulz. Knapp 50 Prozent holt die SPD zum Teil in Würselen. Wie er die Menschen begeistert hat, für Neueintritte gesorgt hat, daran erinnert man sich bei der heimischen SPD noch. „Er hat gekämpft”, sagt Eva Maria Voigt-Küppers, die NRW-Landtagsabgeordnete für Würselen. Sie ist im selben Jahr wie Schulz in die SPD eingetreten. „Er ist ein Macher”, weiß sie.Und sie glaubt nach wie vor an ihn. In Berlin könne Schulz auch in der Opposition etwas bewirken.

Fakt ist: Die SPD hat in der Nachkriegszeit noch nie so schlecht abgeschnitten wie 2017 unter Schulz. Trotzdem: Warm anziehen muss sich der Ex-Bürgermeister nicht, wenn er wieder in die Heimat kommt. „Wir sind stolz auf Martin Schulz. Hier wird er immer seine Heimat haben”, sagt Arno Nelles - der Bürgermeister der Fast-Kanzlerstadt.

(dpa)
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