Wegberg: Heilpraktiker wegen versuchter sexueller Nötigung verurteilt

Alptraum in Wegberg : Heilpraktiker, Hypnotiseur, Sexualstraftäter

Ein 63-Jähriger aus Wegberg bot Hypnosetherapien an. Eine Patientin ahnte nicht, was sich während einer Sitzung im Herbst 2017 ereignete. Im Prozess kommen verstörende Details zur Sprache.

Als Frau F. am Nachmittag des 22. September 2017 aus der Praxis ihres Heilpraktikers ging und ihr Handy aus der Tasche gekramt hatte, hörte sie sich die Tonaufnahme an, die sie zuvor in der Praxis gemacht hatte. Wahrscheinlich ahnte sie nichts Böses, als sie die Wiedergabetaste drückte, doch was sie in den folgenden Minuten zu hören bekam, entsetzte sie so dermaßen, dass sie sich mitten auf einer Straße in Wegberg erbrach. Von dem Schock, den sie damals erlitt, hat sie sich bis heute nicht vollständig erholt.

Fast auf den Tag zwei Jahre später sitzt ihr damaliger Heilpraktiker, Herr K., 63 Jahre alt, verheiratet, Vater einer Tochter, am Donnerstagvormittag auf der Anklagebank in Saal 1.02 des Amtsgerichtes Erkelenz, in wenigen Minuten beginnt sein Prozess. Die Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft wirft K. vor, in seiner Praxis in Wegberg versucht zu haben, Frau K. an diesem 22. September 2017 sexuell zu nötigen.

Der tief beschämte Angeklagte

Zwei Kamerateams und einige Journalisten sind gekommen, an Amtsgerichten ist solch ein Medienaufkommen sonst eher selten. Alle wollen wissen, was genau sich damals in K.s Praxis zugetragen hat, der Fall ist ungewöhnlich. Doch dass dies öffentlich wird, will K. verhindern. Sein Unbehagen darüber, dass sich überhaupt jemand für die Sache interessiert, ist ihm deutlich anzumerken. K. wirkt im Gerichtssaal tief beschämt.

Der folgende Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, K.s Anwalt Rainer Pohlen überzeugt Richter Stefan Meuters davon, dass der Prozess Dinge „aus dem höchstpersönlichen Lebensbereich“ seines Mandanten tangiert, die niemanden etwas angehen, schon gar nicht die Presse. Außer den Prozessbeteiligten und dem Richter dürfen nur der Protokollführer und Pohlens Praktikantin im Gerichtssaal bleiben.

Aus der Anklageschrift geht hervor, dass Frau F. schon länger Patientin bei Heilpraktiker K. war. Mit Hilfe einer Hypnosetherapie versuchte sie, psychische Spannungen zu lösen. Frau F. war zu dieser Zeit mit einem Mann befreundet, der generell eifersüchtig war, der aber im Besonderen Vorbehalte gegen Heilpraktiker K. und die Hypnosetherapie hatte. „Wer weiß, was der mit Dir macht“, soll ihr Freund sinngemäß gesagt haben. Um ihn davon zu überzeugen, dass alles ganz harmlos ist, fertigte Frau F. von der Sitzung am 22. September 2017 eine Tonaufnahme, ohne dem Heilpraktiker davon etwas zu sagen.

Die Verhandlung dauert 37 Minuten

37 Minuten lang verhandelt Richter Meuters den Fall, dann ruft er die Öffentlichkeit in Gestalt der Journalisten wieder in den Saal. Das Urteil wird verkündet. Meuters stellt fest, dass K. der tief hypnotisierten Frau F. damals einzureden versuchte, sie beide seien „internationale Pornostars“, die für einen Film üben müssten.

Der Heilpraktiker forderte seine Patientin auf, sie solle „ihm den Penis wichsen“, sagt Richter Meuters, „die Beine breit machen“, damit er sie im Intimbereich streicheln könne. Ihr Gesäß habe er anfassen wollen. Allerdings habe sich die hypnotisierte Frau F. geweigert und K. erklärt, sie habe „keinen Bock“. Der Heilpraktiker soll Frau F. noch tiefer hypnotisiert haben, doch auch dies führte K. nicht zum Erfolg. Als die Sitzung zu Ende war, holte K. Frau F. aus der Hypnose. Sie ahnte nicht, was kurz zuvor passiert war.

Der Richter sagt, er habe sich „nicht vorstellen können, dass jemand so tief hypnotisiert werden kann“. Meuters spricht von einem „unglaublichen großen Vertrauensmissbrauch“, den K. begangen hat. „Das wiegt schwer.“

„Sozial geächtet“

Weil die Polizei bei der Durchsuchung von K.s Haus, in dem auch seine Praxis ist, am 30. November 2017 unter anderem 40 Gramm Haschisch und 49 Gramm Marihuana fand, verurteilt Meuters Herrn K. wegen versuchter sexueller Nötigung und Drogenbesitzes zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, die er für drei Jahre zur Bewährung aussetzt. Zusätzlich muss K. 600 Euro in sechs Raten an eine karitative Einrichtung zahlen.

Das ist insofern erwähnenswert, als der zuständige Landrat des Kreises Recklinghausen K. am 15. Februar 2018 seine Heilpraktikerzulassung entzog. Mittlerweile arbeitet K. als Tier-Heilpraktiker und kommt, wie Richter Meuters sagt, „mehr schlecht als recht“ über die Runden.

K. selbst erklärte vorher, er verdiene etwa 1000 Euro im Monat, brutto. Meuters hält K. zu Gute, dass er ein Geständnis abgelegt hat und Frau F. Geld überwiesen hat. Wie viel, sagt er nicht. K.s Anwalt erklärt, K. sei mittlerweile „sozial geächtet“. Es sei „schwierig, Freunden, Bekannten und Nachbarn zu erklären“, was damals in seiner Praxis passierte.

Weil natürlich der Verdacht nahe lag, dass K. nicht nur einmal versucht haben könnte, Frau F. oder auch andere Hypnosepatientinnen sexuell zu nötigen, stellte die Polizei damals weitere Ermittlungen an. Doch Beweise für weiteres Fehlverhalten von Herrn K. ließen sich nicht finden. Es blieb bei dem einen Fall, der nun abgeurteilt ist.

Frau F. blieb dem Prozess am Donnerstag fern, obwohl sie als Zeugin geladen war. Ihre Anwältin erklärt, es gehe ihr nicht gut, sie sei froh, wenn der Prozess vorüber und Herr K. endlich verurteilt sei.