Aachen: Wechsel an der Spitze des regionalen Rotary-Distrikts

Aachen: Wechsel an der Spitze des regionalen Rotary-Distrikts

Max Kerner hatte noch nicht viele Sätze gesprochen am Samstagvormittag, da begannen die Menschen im Saal gleich loszulachen. Kerner, emeritierter Professor für Geschichte und ein talentierter Rhetoriker, war der Festredner bei der Konferenz des Rotary-Distrikts, die in Aachen stattfand.

Er war also ans Pult getreten, hatte ein wenig über das Verhältnis Karls des Großen zu den Bayern philosophiert und kam nun zur Begrüßung der Amtsträger im Publikum. Aber Kerner sagte einfach: „Liebe Titel“, da gab‘s ziemliches Gelächter.

Gut 150 Menschen saßen im Saal, vor allem Vertreter der Ro­tary-Clubs im Distrikt. So eine Disktriktkonferenz kann man nach Angaben eines Sprechers mit einer Jahreshauptversammlung vergleichen. Ein Distrikt ist dabei die über den Clubs liegende Organisationsebene der Rotarier, die sich als Zusammenschluss von Menschen mit wohltätigen Zielen verstehen. In Aachen versammelte sich der Distrikt 1810, der anzusiedeln ist zwischen Aachen, Trier, Koblenz, Montabaur, dem Siegerland, Wuppertal und Leverkusen und zählt 2500 Mitglieder.

Dass die Konferenz in Aachen stattfand, lag nicht etwa an der am Freitag in Aachen beginnenden Heiligtumsfahrt oder dem auf 2014 datierten 1200. Todestag Karls des Großen; es lag daran, dass der Vorsitzende des Distrikts, der sogenannte Governor, Walter Maaßen, aus Aachen kommt und am 30. Juni aus seinem Amt scheidet. Denn für den Distrikt-Vorsitz gilt eine einjährige Amtszeit, und Maaßen ist das Amt 2013 angetreten. Sein Nachfolger wird Klaus von Schnakenburg aus Bonn. Der Moderator der Veranstaltung, Volker Stich, zeigte sich nicht traurig über diese Entwicklung, über Maaßen sagte er: „Wir möchten ihn gerne zurück haben“, auch da schmunzelte das Publikum.

Über „Karls Erbe. Spurensuche in Vergangenheit und Gegenwart“ sprach Historiker Kerner. Dabei fragte er, ob Karl der Große und sein Erbe Gültigkeit für die Zukunft besitzen. Für Aachen gelte dies ohne Frage, sagte Kerner und erinnerte an die Route Charlemagne und den Karlspreis. In Europa habe Karl der Große über die Verbreitung des Christentums eine „gemeinsame Kultur entworfen“ — wenngleich dies mitunter gewaltsam geschehen sei. Heute indes sei ein „offenes Europa“ gefragt, in dem die „Passion für den anderen“ als Ideal gelten solle.

Grußworte sprachen Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp, zuvorderst über die anstehenden Karls-Ausstellungen in Aachen sowie den entstehenden Campus am Rande der Stadt, und der Abgesandte des Rotary-Weltpräsidenten, Johannes Koehler. Die Domsingschule Aachen begleitete die Veranstaltung musikalisch.

(cg)