1. Region

Heimbach: Wasser-Info-Zentrum Eifel: Alles plätschert, rauscht und fließt

Heimbach : Wasser-Info-Zentrum Eifel: Alles plätschert, rauscht und fließt

Wer die Vergangenheit nicht kennt, der kann die Zukunft nicht planen“, sagt Erich Schmidt und fasst so mit einem Satz treffend zusammen, welchen Sinn es für die Gesellschaft macht, gerade heute Museen zu betreiben. „Wer wie der Islamische Staat die Vergangenheit zerstört, der zerstört auch die Zukunft.“

Für den Diplom-Geografen, der in dem Eifel-städtchen Heimbach seit gut 15 Jahren ein ganz besonderes Museum leitet, ist deshalb klar wie Hechtsuppe, was der morgige Internationale Museumstag bedeutet: „Das ist ein Weckruf, dass man bei der Unterhaltung der Museen auf keinen Fall Gelder kürzen darf.“ Und: Das diesjährige Motto „Museum. Gesellschaft. Zukunft“ hat für sein Haus eine ganz besondere Bedeutung.

In der alten Volksschule

Ein Museum, das gar nicht „Museum“ heißt — das ist heute das Wasser-Info-Zentrum Eifel in Heimbach. Und entstanden ist es eigentlich nur deshalb, weil kein Mensch wusste, was man mit dem Gebäude der alten Volksschule, die 1990 für immer geschlossen wurde, anfangen sollte. Jahrelang stand es leer, vorübergehend zog die Volkshochschule ein, oder Asylbewerber wurden hier untergebracht. Bis der damalige Bürgermeister Hans Günther Pütz die Idee in die Welt setzte, den Bau als eine Info-Einrichtung zum Thema Wasser zu nutzen. Das Projekt war geboren — an einem Ort, der wie kaum ein anderer so passend naheliegt: an der Wasserwelt der Eifel mit ihren Talsperren und der durch Heimbach hindurchfließenden Rur.

Bis heute haben gut 1000 Schulklassen das Wasser-Info-Zentrum Eifel besucht, seit dem 30. April 2003, dem Tag der Eröffnung, insgesamt mehr als 75.000 Menschen, schätzt Erich Schmidt. Doch bis zur Einweihung galt für ihn erst mal eines: „Klinken putzen!“ Und das drei Jahre lang. „Es mussten zunächst Sponsoren gefunden werden.“ Schließlich gab es am Anfang nicht ein einziges Exponat. Und ein Konzept ist auch nicht von allein vom Himmel gefallen. Aber die Stadt Heimbach hatte 1999 genau den richtigen Mann zur richtigen Stunde gefunden: „Ich bin als Wasser-Schmidt bekannt“, sagt der Geograf lachend, der auch Siedlungswasserwirtschaft studiert, zeitweise in Afrika Wasserprojekte vorangetrieben und später bei der Eifel-Agentur e.V. der Kreise Aachen, Düren und Euskirchen wasserbezogene Erholungskonzepte erarbeitet hat.

Und so leistete er über drei Jahre hinweg Überzeugungsarbeit — zum Beispiel bei dem Wasserverband Eifel-Rur, den Wasserwerken der Interessengemeinschaft Nordeifel, dem Forschungszentrum Jülich, dem Staatlichen Umweltamt Aachen, der Firma RWE, der Sparkasse Düren, den Stadtwerken Mechernich, den Firmen Hoesch-Badewannen in Kreuzau, Pleuger-Pumpen in Hamburg, Menk-Beton in Monheim und so weiter. Sie alle und der örtliche Förderverein lieferten für die Ausstattung des Wasser-Info-Zentrums Vitrinen, Exponate und Modelle. Erich Schmidt führte uns jetzt durch das Haus.

Als besonders segensreich sollte sich erweisen, dass sich ein heimatverbundener Heimbacher Unternehmer für das Projekt „Alte Schule“ einsetzte: Karl H. Krischer. Der Saftfabrikant rief 1997 die gemeinnützige Karl H. Krischer-Stiftung ins Leben — zur Förderung von Kunst und Kultur, Erziehung und Geschichte in der Heimat. Ohne die Mittel dieser Stiftung und die Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen hätte das Wasser-Museum nicht realisiert werden können. Aber warum heißt es nicht auch Wasser-Museum? Erich Schmidt erklärt es so: „Ende der 90er dachte man, mit neuen Ideen und neuen Namen erfolgreicher zu sein als mit einem alten Begriff wie ‚Museum‘.“

Vor dem Haus plätschert der „Begrüßungsbrunnen“ — zusammengebaut aus gestiftetem Metallgewebe der Dürener Firma Kufferath. Gleich nebenan strömt ein Wasserlauf durch das gemauerte „Bett“ eines Wassergartens. Im Untergeschoss der ehemaligen Schule sind zwei „Wasserklassen“ eingerichtet. Hier können die Schüler in einem hölzernen Bottich der Fabrik Zülpich Papier selbst Papier schöpfen oder an einer originalen Mosaiktafel der Stadtwerke Mechernich erfahren, wie die Wasserversorgung einer Stadt oder am elektrischen Mosaikfließschema des Klärwerks Lammersdorf beobachten, wie eine Kläranlage funktioniert.

Strudelwurm aus der Rur

Kleinlebewesen wie der Flohkrebs oder der Strudelwurm, den die Schüler mit Küchensieben aus der nebenan fließenden Rur gefischt haben, können sie unter die Stereolupe nehmen und mit Hilfe von Tafeln bestimmen. „In Heimbach haben wir in der Rur die Reinheitsstufe zwei“, erklärt Erich Schmidt. Also nicht die höchste Stufe eins. Indikator für die Stufe zwei ist das Vorkommen der Köcherfliegenlarve. Die Steinfliegenlarve würde das reinere Wasser anzeigen.

Schmidt: „Hier geht es um Fragen wie: Was bedeuten die Tiere im Wasser? Wozu brauchen wir reines Wasser? Umweltbildung ist für uns ein wichtiger Auftrag.“ Der moderne Anbau der Schule, der auch den Eingangsbereich beherbergt, ist neu entstanden. Weil das ganze Gebäude im Hang steht, führen eine Treppe und ein Aufzug zum eigentlichen Ausstellungsbereich hinauf. Eine gläserne Wasserleitung unter der Decke und an den Wänden der einzelnen Räume führt den Besucher durch die Ausstellung.

Das allererste Exponat ist ein phänomenales Objekt des Wiener Wasserkünstlers Gerhard Zsambok: „Aqua Mystica“. Ein Wasserstahl fließt, von einem Lämpchen beleuchtet, von einem oberen Becken durch ein Loch plätscher- und lautlos in ein unteres Becken, und wirkt wie ein Glasstab. Erstaunlich! Schmidt: „Hier werden die Gruppen warm- und bereitgemacht für die Reise durch die Wasserwelt, die einfach Spaß macht.“

Anfassen und selbst einschalten — das ist bei fast allen Objekten nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Starobjekt im Bereich „Natur und Umwelt“ ist ein Eifelreliefmodell, das die ganze Eifel zeigt, die sich hier in ihrem Profil „erfühlen“ lässt. Dazu gehört ein Computer mit Touchscreen-Bildschirm und einem Video-Beamer zur Projektion der Inhalte auf die Relief-Oberfläche.

Damit sind Infos zur Geologie, mit Niederschlag, Abfluss, Entstehung der Oberflächengestalt oder Fluss-Systeme sowie zur Wasserwirtschaft abrufbar. Hier offenbart sich übrigens ein Vorurteil, dass Aachen ein Regenloch ist, ganz klar als Irrtum: Aachen liegt mit 900 Litern pro Quadratmeter Regen im Jahr nur knapp über dem Bundesdurchschnitt von 880 Litern. Das tatsächliche Regenloch liegt zwischen Eupen, Schleiden und Prüm mit 1600 Litern pro Jahr.

Das jahrelange „Klinkenputzen“ hat sich gelohnt: Ein Reliefmodell des Verlaufs der Rur von der Quelle bis zur Mündung aus dem Jahr 1968 bekam Schmidt vom Staatlichen Umweltamt Aachen. Dort stand es in der Tiefgarage und nahm den Parkplatz für ein Auto weg. Und noch ein absolutes Highlight: das Talsperrenmodell des Rursees, das der Wasserverband Eifel-Rur eigens für die Ausstellung anfertigen ließ, gefüllt mit echtem Wasser. Über einzelne Schalter kann der Besucher nicht nur das Frühjahrshochwasser oder die sommerliche Trockenheit simulieren, sondern auch ganz Heimbach mal eben überfluten. Wenn das keinen Spaß macht! Im Übrigen ist das System einer Talsperrenanlage in seiner Komplexheit wunderschön erfahrbar.

Gläsernes Turbinenmodell

Mit Wasser kann man bekanntermaßen Strom erzeugen. Aber wie genau das funktioniert, das veranschaulicht ein Turbinenmodell, das man — keine Frage — selbst in Gang setzen kann. Das Objekt wurde zu Versuchszwecken in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts hergestellt und durch die Lehrlingswerkstatt von RWE-Energie in Bernkastel-Kues zum gläsern ummantelten und somit „einsehbaren“ Exponat umgebaut. An der Stelle sei verraten, dass man sich für das Wasser-Info-Zentrum Eifel ein wenig Zeit nehmen sollte: Allein der Schnelldurchgang dauert eine Stunde.

Dabei erfährt man an einer Anlage des Forschungszentrums Jülich auch, wie reinstes Wasser hergestellt wird, das so gut wie keine Ionen mehr enthält und weitaus reiner ist als destilliertes Wasser. Und bei den Führungen hört man aufregende Dinge etwa, dass Reinstwasser für den Menschen giftig ist: Durch das völlige Fehlen von gelösten Stoffen versucht das Reinstwasser, die Konzentrationsunterschiede auszugleichen und diffundiert derart stark in die Zellen, dass die irgendwann platzen.

Wasser und Spielen — auch das Thema hat eine eigene Abteilung bekommen. Schönstes Stück: das Modell eines Wasserrads mit angeschlossenem Hammerwerk. Gebaut wurde es vom Opa eines Mitarbeiters des Wasserbands Eifel-Rur. Hier beginnt denn auch eine Etage höher der eigentliche museale Teil des Wasser-Info-Zentrums: mit originalen Teilen römischer Wasserleitungen, Fossilien und hübschen Spielzeug-Leihgaben aus dem Freilichtmuseum Kommern.

Wasser und Waschen — auch ein Thema, hinter dem sich buchstäblich Geschichte verbirgt. Eine uralte Waschmaschine von 1927 mit Handschwengelpumpe gehört zu den Prunkstücken. Wasser und Kirche ist ein Kapitel für sich, ebenso wie Wasser und Körperpflege. Eine runde Sprudelbadewanne „Dreamscape“ aus Acryl der Firma Hoesch aus Kreuzau, entworfen von dem französischen Designer Philippe Starck, ist hier das Prachtstück.

„Museum. Gesellschaft. Zukunft.“ — beim Heimbacher Wasser-Info-Zentrum liegt dieses Motto allein mit dem Gegenstand des Museums und dem Nachhaltigkeits-Aspekt derart klar auf der Hand und ist verzahnt mit den Veranstaltungen dieses anerkannten außerschulischen Lernortses, als sei es das Referenzmodell für den diesjährigen Museumstag.

Zum Schluss der Rundreise durch die Wasserwelt, in der natürlich auch Barsche, Aale und andere Lebewesen aus der Rur in Aquarien zu beobachten sind, gibt es ein Glas Wasser an der Aqua-Bar.

Was heißt Wasser? Herrliches, wohlschmeckendes Nass aus der Perlenbachtalsperre, aufbereitet in einer der modernsten Anlagen Europas. Erich Schmidt, seit Juli 2014 auch Fachbereichsleiter Planen und Bauen der Stadt Heimbach, kauft jedenfalls seit Jahren kein Mineralwasser in Flaschen, er trinkt nur Wasser aus der Leitung. „Das ist viel besser.“