Wassenberger Schlemmermarkt geht noch bis Sonntag, 11. August

Schlemmermarkt in Wassenberg : Schlendern und Schlemmen am Roßtor

Semmelknödel, Carpaccio, Rossberger Landbier: Noch bis Sonntag läuft der Wassenberger Schlemmermarkt im historischen Zentrum der Stadt. Dort kann man Häppchen auf Sterneniveau im Vorbeigehen genießen.

Ein Meter heimische Tapas, Austern, Carpaccio von der Ochsenbrust, hausgemachte Semmelknödel und dazu ein Rossberger Landbier. Und zum Nachtisch Dreierlei von Steffis Mousse. Das Menu wäre, wenn man beim Nachtisch angekommen ist, schon fast wieder „abgearbeitet“, denn auf dem Wassenberger Schlemmermarkt speist man in Etappen.

Hier eine kleine Köstlichkeit an einem der Stände auf der Gourmetmeile vor dem mittelalterlichen Stadttor, dem Roßtor, dann schlendert man entspannt durch den Torbogen auf den Roßtorplatz, der von historischer Bausubtanz geprägt ist, und schaut, was es sonst noch so zu schnabulieren gibt.

Ein netter Brunnen plätschert. Viele Menschen sind auf dem Markt unterwegs – und genießen. Die Atmosphäre sei sehr angenehm entspannt, sagt ein Aachener Ehepaar. „Ganz toll ist das hier, sehr empfehlenswert“, sagt der Mann. Das Paar hat gleich neben dem Brunnen beim Landhaus Brender einen Tisch bekommen.

Steffi und Hans Brender waren Anfang der 90er Jahre die Ideengeber und Treiber hinter der Idee, einen Schlemmermarkt zu veranstalten. In diesem Jahr zum 27. Mal bieten nun noch bis Sonntag im Zentrum der Stadt Wassenberg an 23 Ständen regionale Anbieter kulinarische Spezialitäten feil und vermitteln einen guten Überblick über das, was es derzeit im deutsch-niederländischen Grenzgebiet Feines zu essen gibt.

Das Aachener Ehepaar hat Wassenberg bei einer Radtour kennengelernt und schätzt das historische Ambiente. Sie hat sich für Wildfang-Garnelen im Kartoffelnest mit Sweet-Chili-Sauce entschieden. Er hatte sich schon vor dem Tor einen Spießbraten gegönnt. Die Portionen sind so zugeschnitten, dass der Gast nicht nach einer Station Schlemmermarkt satt ist und nur noch mit den Augen naschen mag.

Gleich neben der Bühne auf dem Roßtorplatz, wo Ex-Fußballprofi Christoph Metzelder zur Eröffnung des 27. Schlemmermarktes am Donnerstagabend die Goldene Schlemmerente verliehen bekam, hat die Burgstuben Residenz aus Heinsberg-Randerath ihre Zelte aufgeschlagen. Das junge Team um Sternekoch Alexander Wulf und Sommelier Ronny Schreiber hat hausgemachte Semmelknödel auf der Speisekarte.

Besondere Geschmäcker: Der „Salzmäään“, Johannes Bard, bietet auf dem Schlemmermarkt in Wassenberg Salze mit selbstgezüchteten Kräutern an. Foto: Dettmar Fischer

Das klingt jetzt nicht direkt nach gehobener Sterneküche, aber wer Semmelknödel noch von zuhause zubereitet kennt, wird den Unterschied erkennen. Mit einer Sauce aus Pilzen, Kokos und Zitrone, dazu etwas Parmesan wird aus der Hausmannskost etwas ganz Feines. Reiner „Calli“ Calmund, der die Laudatio auf Metzelder hielt und ihn gleich zum idealen DFB-Präsidenten hochjubelte, dabei wunderbar die Kulinarik mit der zweitschönsten Sache auf der Welt, dem Fußball, verband, schwört auf den Seeteufel, zubereitet von Sternekoch Alexander Wulf: „Ein Gedicht, besser jeht et nich!“

Noch so manch anderes „Gedicht“ gibt es auf dem Wassenberger Schlemmermarkt zu entdecken. Und wie die Semmelknödel der Burgstuben Residenz sieht manches, was sich als ein Gedicht entpuppt, auf der Speisekarte schon mal wie Fast Food aus. „Fisch & Chips“ oder ein Hot Dog mit Hummer statt Würstchen sind durchaus gourmettauglich, wenn die Zubereitung mit Können, Liebe und guten Produkten erfolgt ist. Mit Champagner am Stand der Besenbar oder Austern beim Restaurant La Diligance aus dem niederländischen Herkenbosch sind auch die Gourmet-Standards auf dem Markt präsent.

Junge deutsche Spitzenküche

Otto Gourmet ist mit seinem neuen, silbern glänzenden Food-Truck angereist. Die drei Brüder aus Heinsberg sind mit ihren Fleischprodukten Lieferant vieler Sternerestaurants, stehen für die junge deutsche Spitzenküche und sind „Callis“ erste Wahl bei der Beköstigung seiner Geburtstagsgäste. Argentinisches Dieter Meier Beef (genau der Meier vom legendären Elektropop-Duo Yello) haben die Ottos auf der Karte stehen und nach dem Motto „Wir können nicht nur Fleisch“ ein Krustentierbisque.

Es gibt übrigens eine Speisekarte, in der die Kreationen aller 23 Stationen des 27. Wassenberger Schlemmermarktes aufgeführt sind. Ob man die Lektüre dieses Faltblattes dem Marktbesucher empfehlen sollte, lässt sich schwer sagen, zu verlockend sind die Angebote. Da könnte die Auswahl leicht zur Qual werden. Vielleicht einfach mal über den Markt schlendern und schauen, was Auge und Nase spontan auswählen im mittelalterlichen Ambiente des Wassenberger Schlemmermarktes.

(defi)