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Wassenberg: Geldautomat gesprengt

Explosive Serie : Schon der 96. Automat gesprengt

Geldautomat in Wassenberg gesprengt

Unbekannte Täter haben in der Nacht zu Montag in Wassenberg zugeschlagen. Schon fast 100 Automaten sind in diesem Jahr gesprengt worden. Tintenpatronen, die die Beute unbrauchbar machen, empfiehlt das LKA nicht.

Es ist am Montagmorgen gegen 2.45 Uhr, als ein Knall Anwohner der Graf-Gerhard-Straße in Wassenberg aus dem Schlaf reißt. Polizei und Feuerwehr eilen zum Tatort im Zentrum des Städtchens im Kreis Heinsberg, wo sich ein Bild der Zerstörung bietet. Die Glasfassade der Volksbankfiliale ist zerstört, die Innenräume sind verraucht, die Deckenkonstruktion über dem Geldautomaten ist beschädigt, der Automat selber – gesprengt.

Womit die Volksbank Mönchengladbach, zu der die Wassenberger Niederlassung gehört, vorübergehend eine Filiale weniger hat. Und eine ohnehin lange Liste im Düsseldorfer Landeskriminalamt (LKA) länger geworden ist. Exakt 95 gesprengte Geldautomaten in ganz Nordrhein-Westfalen waren darauf Ende vergangener Woche verzeichnet, fast schon so viele wie im gesamten Vorjahr, als man insgesamt 106 Fälle zählte. Ein besorgniserregender Rekordkurs.

Das LKA hat die explosive Serie zum Anlass genommen, aktuelle Handlungsempfehlungen an die Geldinstitute zu verschicken. Und diverse Banken nahmen daraufhin Geldautomaten vom Netz. Die Täter kommen nach Erkenntnissen der Ermittler oft aus den Niederlanden und gehen völlig skrupellos vor.

An diesem Montagmorgen in Wassenberg wird bei der 96. Geldautomatensprengung im Jahr 2020 in NRW niemand verletzt. Eine ältere Dame, die über der Filiale wohnt, wird evakuiert. Ob tatsächlich bei der Explosion die Gefahr bestand, dass die Frau hätte verletzt werden können, möchte Holger Röthling, Leiter der Wassenberger Feuerwehr, nicht bewerten. Zunächst belüften die Einsatzkräfte die verrauchte Filiale, danach macht die Kripo sich ein erstes Bild.

Näheres können Ermittlern und Volksbank nicht sagen. Nur so viel: „Es hat einen erheblichen Sachschaden gegeben“, erklärt Volksbankvorstand Josef Brück auf Anfrage. Und fügt hinzu, dass die Täter kein Geld entwenden konnten, also letztlich scheiterten. „Aber das ist nur ein schwacher Trost“, seufzt er.

Durch die Explosion wurde das Gebäude erheblich beschädigt. Foto: Uwe Heldens

Ein Stückchen weiter, in Düsseldorf, sagt LKA-Sprecher Frank Scheulen, dass man bisher „viel Glück gehabt“ habe. Damit meint er, dass es bisher nur einige wenige Leichtverletzte gegeben habe. Mit der Empfehlung wolle man die Geld­institute „zur Risikoanalyse befähigen“, sagt er. Und dabei habe es „oberste Priorität, Gefahr für Leib und Leben abzuwehren“. Insbesondere Geldautomaten an den Außenfassaden von Wohngebäuden gelten als riskant. Dort ist die Gefahr am größten, dass Anwohner zu Schaden kommen.

Aber auch zum Schutz von Geldautomaten in Vorräumen von Filialen wie dem aktuell gesprengten in Wassenberg gibt es Empfehlungen des LKA. Bloß redet man da­rüber im Detail nicht gerne. Scheulen erwähnt lediglich Vernebelungsanlagen oder automatische Weiterschaltungen an Wachzentralen. Und bestätigt auf Anfrage, dass Tintenpatronen, die das Bargeld markieren und unbrauchbar machen können, nicht zu den aktuellen LKA-Empfehlungen zählen. „Das war noch nie das einzige von uns präferierte Mittel“, sagt er zu dem Vorgehen, dass in manch anderen Staaten vorgeschrieben ist.

Auch Volksbankvorstand Josef Brück hüllt sich in Schweigen, was konkrete Schutzmaßnahmen angeht. „Wir nutzen diese Möglichkeiten, aber zu einzelnen Standorten möchte ich mich nicht äußern“, sagt er. Warum, ist klar: Keiner will Tätern Tipps geben. Zumal die Volksbank Mönchengladbach ein gebranntes Kind ist. Zwei Mal wurden in Mönchengladbach-Hardt gleich an der Autobahn in die Niederlande in diesem Jahr Geldautomaten gesprengt.

Ob die Täter diesmal auch aus den Niederlanden kamen? Vom Tatort in Wassenberg sind es zur Grenze nur 5,9 Kilometer. Augenzeugen sprechen von zwei Tätern, die in einem dunklen Auto in Richtung Landesstraße 117 gefahren seien. Mehr haben sie nicht gesehen, die Polizei weiß nicht, wohin die Täter dann fuhren. Vieles ist ungewiss, nur eines scheint sicher: Die 96. Geldautomatensprengung in NRW wird nicht die letzte gewesen sein.

Nachdem die Zahl der Sprengungen während der Coronavirus-Pandemie noch einmal angestiegen war, empfahl das Landeskriminalamt unlängst den Banken und Sparkassen, Geldautomaten mit bestimmten Merkmalen außer Betrieb zu nehmen.

(red/pol)