Revierkonferenz: Was Bergleute und Investoren verbindet

Revierkonferenz: Was Bergleute und Investoren verbindet

Bei der Revierkonferenz in Inden erklären Finanzexperten, was potenzielle Anleger beim Strukturwandel erwarten.

Am Besten hatte wieder mal Matthias Dürbaum zugehört, der die Revierkonferenz der Bergbaugewerkschaft IG BCE mit einem Satz zusammenfasste, der so im Laufe der Menschheitsgeschichte wahrscheinlich noch nicht oft gefallen ist. Dürbaum, 31 Jahre alt und Betriebsratsvorsitzender der RWE-Beschäftigten im Tagebau Hambach, sagte: „Ich habe gelernt, dass Arbeit und Kapital eines gemeinsam haben. Beide brauchen Sicherheit und Planbarkeit.“

Und so weit es die Vorträge betrifft, die am Donnerstag in Inden/Altdorf zu hören waren, insbesondere die von Großinvestoren, Aktienanalysten und Gewerkschaftsvertretern, muss man sagen: Überraschender, aber auch treffender lässt sich die Veranstaltung nicht zusammenfassen.

Vor sechs Wochen hatte die IG BCE eine Revierkonferenz im Braunkohlerevier Lausitz abgehalten, dort war es um Möglichkeiten des bevorstehenden Strukturwandels gegangen, und darum ging es auch am Donnerstag in Inden, allerdings um die Möglichkeiten für das Rheinische Revier. Beide Reviere sind von ihren Voraussetzungen nicht oder nur schwer miteinander zu vergleichen.

Seit Jahren wird die Zeit nach der Braunkohle in verschiedenen Foren, auf verschiedenen Ebenen von verschiedenen Beteiligten und Unbeteiligten immer wieder thematisiert. In Sonntagsreden wird von großen Chancen und kleinen Problemen geredet, aber wirklich konkrete Ideen gibt es bislang nur wenige. Deswegen war die Idee, bei Finanzexperten die Voraussetzungen eines gelingenden Strukturwandels abzufragen, gut und originell.

Investoren sind nachtragend

Martin Huth von der Beteiligungsgesellschaft Triton, die davon lebt, sich in mittelständische Unternehmen einzukaufen, um sie später gewinnbringend an die Börse bringen, skizzierte anhand weniger Beispiele, welch großes Wertschöpfungsgeflecht mit dem Braunkohleabbau im Rheinischen Revier verbunden ist. Das gilt nicht nur für die viel zitierten Zuliefer- und Partnerfirmen, die für RWE tätig sind, sondern auch für viele Mittelständler und Konzerne, die in jeweils sehr unterschiedlicher Weise auf die Braunkohle angewiesen sind. Wenn diese Unternehmen abwandern, weil der Standort NRW oder Deutschland ihren Anforderungen nicht mehr genügt, „gehen Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Know-how verloren. Und das kommt auch nicht mehr zurück“, sagte Huth.

Christopher Kuplent, Markt- und Aktienanalyst der Investmentbank Merrill Lynch, berichtete von einem von Shell dominierten Konsortium, das für 27 Milliarden Euro ein Gasfeld in Kanada entwickele, obwohl es in Russland, Mosambik und Papa-Neuguinea bei vergleichbarem Rohstoffangebot erheblich günstiger gewesen wäre. Aber: In Kanada sei aufgrund stabiler politischer Verhältnisse die Planbarkeit am größten. Berechenbare Standortfaktoren seien viel wichtigere Investitionsentscheidungen als geringe Steuerabgaben oder Subventionsversprechen. Kuplent vermied, die deutsche Politik zu kritisieren, bemerkte aber, dass Investoren abrupte politische Kurswechsel wie etwa die Atomwende nach der Fukushima-Katastrophe nicht vergessen würden.

Einzelne Bergleute äußerten in der abschließenden Diskussion, dass Vertrauen in Politik und Rechtsstaat verloren gegangen sei, Stichwort Hambacher Forst. Dürbaum, der Betriebsrat, sagte: „Auch beim Strukturwandel geht es um Vertrauen. Und das hat bei uns Beschäftigten in der letzten Zeit verdammt gelitten.“

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