Spanner in Aachener Schwimmbad: Warum schaut die Polizei nicht ins Handy?

Spanner in Aachener Schwimmbad : Warum schaut die Polizei nicht ins Handy?

Eine Frau zieht sich nach dem Schwimmen in der Südhalle um. Dann sieht sie ein Handy unter einer Trennwand, das sie offenbar filmt. Die Polizei stellt das Handy sicher, zögert aber, die Daten auszulesen. Warum?

Eine 39 Jahre alte Frau ist am Dienstagabend in der Aachener Südhalle in ihrer Umkleidekabine offenbar gefilmt worden. Das teilte die Aachener Polizei am Mittwoch mit. Während die Frau sich umzog, habe sie unter der Trennwand zur benachbarten Umkleidekabine ein Handy entdeckt, das offenbar Aufnahmen von ihr machte.

Sie verständigte eine Freundin, die sich ebenfalls in der Südhalle befand, ging mit ihr zur Nachbarkabine, klopfte an die Tür und bat, diese zu öffnen. Ein 36 Jahre alter Mann aus Eschweiler öffnete seine Kabinentür und sagte, er habe sich lediglich umgezogen. Er bestritt, Aufnahmen von der 39-Jährigen gemacht zu haben. Die beiden Frauen kommen aus Aachen.

Die hinzugerufene Polizei beschlagnahmte das Handy des Mannes gegen dessen Willen und leitete ein Ermittlungsverfahren wegen „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen“ ein, Paragraf 201a Strafgesetzbuch. Der Straftatbestand ist mit einer Haftstrafe von bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bedroht.

Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte die Polizei am Mittwochvormittag, das Handy des Mannes sei bislang noch nicht ausgewertet worden. Ob er Bildaufnahmen von der Frau gemacht hat oder nicht, stehe noch nicht fest. Obwohl der Mann mit der Beschlagnahmung nicht einverstanden gewesen sei, habe er den Beamten in der Südhalle die Pinnummer seines Handys mitgegeben.

Das führt dazu, dass die Polizei nicht sicher ist, ob sie ohne Weiteres in das Handy des Mannes schauen darf. In Absprache mit der Staatsanwaltschaft Aachen wird daher geprüft, ob ein richterlicher Beschluss erforderlich sein könnte, um die Handydaten des Mannes auszuwerten.

In jedem Fall wäre dies der sicherere Weg; denn wenn die Polizei ohne Rückversicherung ins Handy schaut und ein Gericht während des unter Umständen folgenden Strafverfahrens feststellen würde, dass die Polizei ihre Grenzen überschritten hätte, würde das Handy des mutmaßlichen Spanners unter Umständen als Beweismittel nicht mehr zugelassen. Da es kein anderes Beweismittel als das Handy gibt, würde der 36-Jährige sehr wahrscheinlich nicht verurteilt werden können.

(gego)
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