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„Die Prioritäten verschieben sich“: Warum Hardy Krüger Junior sich für Klimaopfer stark macht

„Die Prioritäten verschieben sich“ : Warum Hardy Krüger Junior sich für Klimaopfer stark macht

Der Schauspieler Hardy Krüger Junior unterstützt die Unicef-Aktion „Hilfe für die Klimaopfer“ in Mosambik. Seine Erfahrungen in der Krisenregion haben den Blick auf das eigene Leben verändert.

Durch seine Rollen in der ARD-Serie „Gegen den Wind“, in „Asterix und Obelix gegen Cäsar“ sowie im Geschichtsepos „Stauffenberg“ war Hardy Krüger Junior schon bekannt, als er von 2006 bis 2013 als Förster Stefan Leitner ins „Forsthaus Falkenau“ zog. Kreativ tobt er sich noch auf vielen weiteren Baustellen aus. Als Fotograf hat er sich längst einen Namen gemacht. Als Schriftsteller brachte er vergangenes Jahr seinen Debüt-Roman heraus („Der leise Ruf des Schmetterlings“). Als gelernter Koch verwöhnt er Gaumen und kann als ausgebildeter Bartender die passenden Cocktails servieren. Jüngst eröffnete der 51-Jährige seine Ausstellung „Lost Paradise“ in der Wiener Hofburg.

 „Ich habe es nie gemocht, in Schubladen gesteckt zu werden“, sagt er. Geprägt ist sein Leben von der Kindheit in Tansania, dem Besuch der Internationalen Schule in Deutschland, dem Schauspielunterricht in Los Angeles und „einem sehr behüteten“ Aufwachsen, bis sich die Eltern trennten. 

Der Kontakt zu Vater Hardy Senior (91), der in den USA lebt, ist abgebrochen. Seine eigene „Großfamilie“ blüht und gedeiht jedoch: Aus den ersten beiden Ehen kommen jeweils zwei eigene Kinder sowie eine Adoptivtochter, aus dritter Ehe mit PR-Agentin Alice Rößler stoßen deren drei Kinder sowie ein Stiefsohn zur Krügerschen Patchworkfamilie.

Die von Zyklonen verwüsteten Elendsviertel in Ostafrika, die er kürzlich als Unicef-Pate besucht hat, lassen ihn das Leben in Deutschland umso mehr schätzen. Bei der Gala des Kinderhilfswerkes im Crown-Plaza in Neuss berichtet Krüger über seine Reise nach Mosambik – klimaanfälligstes Territorium Afrikas und aktuelles Unicef-Projektland unserer Zeitung.

 „Die Zusammenarbeit mit Unicef und das Erleben derart extremer Not haben meine Prioritäten im Leben verschoben“, sagt Krüger, dessen Vorbild der britische Schauspieler und ehemalige Unicef-Botschafter Sir Peter Ustinov ist. Er habe ihm geraten: „Du musst in deinem Beruf immer besser werden. Und damit immer bekannter. Dann hören dir die Leute zu – und das braucht Unicef.“ Längst hängen die Menschen an seinen Lippen, wenn Krüger von seinen Erlebnissen in der Welt berichtet.

 Seine jüngste Reise nach Mosambik nutzt er auch dafür, unsere Leser für Spenden zu gewinnen. Besonders fasziniert habe ihn, „wie viel Hoffnung sich die Menschen dort trotz aller Probleme erhalten haben“. Fakt aber sei: „Das Land strauchelt, immer wieder ist die Landwirtschaft von den Zyklonen und Extrem-Dürren betroffen.“ Umso mehr hadert er damit, „dass die Industriestaaten Afrika nicht in Augenhöhe“ begegnen, sondern mit ihren eigenen Arbeitskräften die Rohstoffe abschöpfen – wie China allen voran.

Spannungsfeld

Zu den eindringlichsten Momenten seiner Reise zählen die Besuche in Unicef-Gesundheitsstationen, in denen viele Kinder sehr still gewesen seien. „Wenn Kinder nicht schreien, ist die Situation ernst“, sagt er. Dann aber zu erfahren, „wie wir in einem solchen Fall wirklich etwas verändern können“ sei für ihn „eine großartige Motivation“.

Krüger denkt dabei an die kleinen Tüten mit proteinhaltiger Erdnusspaste, die im Unicef-Kampf gegen Kindersterblichkeit bereits sehr erfolgreich waren: „Es ist einfach fantastisch zu erleben, wie ein Kind mit therapeutischer Milch und der Paste ins Leben zurück geholt werden kann.“ 30 Cent koste ein Tütchen.

Krüger erzählt von dem Spannungsfeld, in das er sich mit jeder Reise begibt. Auf dem Rückflug aus dem Land mit verschmutztem Wasser, Zerstörung und Überlebenskampf wird er als erstes gefragt, ob er Champagner oder frischen Orangensaft wolle. Zurück in Deutschland sieht er die Menschen in einer „Wohlstandsdepression“.

„Noch nie war die Kommunikation einfacher, trotzdem werden viele Menschen immer einsamer“, sagt er. Dann geht sein Grübeln in ein entspanntes Lächeln über – offenbar erinnert er sich an eine Reiseszene. „Oft geht es gar nicht nur um Geld. Oft geht es nur um eine Umarmung.“