Ein Quantencomputer für die Region?: Warum der Standort ideal wäre

Ein Quantencomputer für die Region? : Warum der Standort ideal wäre

Das US-Unternehmen IBM will zusammen mit der Fraunhofer-Gesellschaft einen Quantencomputer in Deutschland bauen. Der Ort sei noch unbekannt, heißt es. Im Interview mit Katharina Menne erklärt Hendrik Bluhm, Professor für Quantentechnologie an der RWTH, warum die Region ideal dafür wäre.

Herr Bluhm, die Forschung zu Quantencomputern an der RWTH Aachen und im Forschungszentrum Jülich ist sehr stark. Wie wahrscheinlich ist es, dass das von IBM und der Fraunhofer-Gesellschaft geplante System in die Region kommt?

Hendrik Bluhm: Es würde in der Tat sehr gut zu anderen Projekten in Aachen und Jülich passen, ein solches System hier anzusiedeln. Es gibt bereits eine europäische Initiative namens „OpenSuperQ“, am Standort Jülich ein Quantensystem aufzubauen, und eine Kooperation des Jülich Supercomputing Centers mit Google. Weiterhin existiert das ebenfalls auf die Grundlagen von Quantencomputing fokussierte Exzellenzcluster „ML4Q“ von Uni Köln, Uni Bonn, RWTH und FZJ sowie viele weitere entsprechende Forschungsaktivitäten. Es wäre naheliegend und würde sicher zu starken Synergien führen, dies mit der Initiative von Fraunhofer zu verknüpfen.

Die Zusammenarbeit des Forschungszentrums mit Google ist bereits bekannt. Hat Sie die Ankündigung der Kooperation von IBM mit Fraunhofer überrascht?

Bluhm: Dass auch Fraunhofer sich neuerdings für Quantencomputer interessiert, ist bekannt. In der konkreten Form, wie es nun offensichtlich verkündet wurde, hat es mich schon überrascht.

Es heißt, die Bundesregierung wolle in den kommenden zwei Jahren 650 Millionen Euro in die Erforschung von Quantentechnologien investieren …

Bluhm: Ja, das stimmt. Und vieles davon fließt bereits hierher. Ein nicht ganz unbedeutender Anteil kommt dem Aufbau der Quantencomputing-Aktivitäten in Jülich zu Gute. Leider wurde aber in typisch deutsch anmutender Zögerlichkeit eine das  gesamte Forschungsgebiet ansprechende Projektförderung wieder auf Eis gelegt – offiziell weil das Budget des Bundesforschungsministeriums gekürzt wurde, jedoch spielten wohl auch Zweifel an der Existenz geeigneter Industriepartner in Deutschland eine Rolle. Die großen IT-Konzerne sitzen in der Tat fast alle in den USA, und IBM und Google sind zusammen mit D-Wave die großen Vorreiter im Bereich der Hardware-Entwicklung für Quantencomputer, wenngleich bis zur Anwendungsreife noch viel zu tun ist. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass das das Thema In den USA seit Jahren strategisch gefördert wird. Die Bundesregierung ist da gerade erst aufgewacht und wir haben jetzt einiges aufzuholen. Wir sind jedoch aktuell dabei, eine Kooperation mit dem deutschen Halbleiterhersteller Infineon aufzubauen und stoßen dort auf reges Interesse. Das macht Hoffnung.

Das ganze Prinzip „Quantencomputer“ ist für viele Menschen ein Buch mit sieben Siegeln. Wie erklären Sie der Gesellschaft, warum Steuergelder dort trotzdem gut investiert sind?

Bluhm: Quantencomputer versprechen, Probleme von hoher wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz lösen zu können. Es geht dabei um Arzneimittelforschung, Prozessoptimierung und Düngemittelproduktion. Es ist wichtig, das Wissen und die Forschung hier voranzutreiben und hier zu halten, um auf Dauer einen neuen Industriezweig zu etablieren. Damit werden Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen. Außerdem schaffen Quantentechnologien einen Mehrwert für bereits bestehende Unternehmen wie Bayer oder BASF. Die Bundesregierung sollte ein sehr großes Interesse daran haben, die Quantentechnologien voranzubringen. Und wir hier in Aachen und Jülich haben auf jeden Fall die Ambition, uns auf Forschungsseite nicht das Wasser abgraben zu lassen.

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