Birgel: Walter Drees aus Birgel hat die Unruhen in Ägypten live erlebt

Birgel: Walter Drees aus Birgel hat die Unruhen in Ägypten live erlebt

Tage der Umwälzungen in Ägypten - vielleicht eine beginnende Revolution? Walter Drees aus Birgel hat die Anfänge hautnah miterlebt. Mit dem WDR-Rundfunkchor war er vergangene Woche auf Tournee im Nilstaat.

Der Auftakt zur Konzertreise begann in Kairo. Eine Begegnungstour sollte es werden. Chordirektor Rupert Huber hatte für diese Reise das Werk „Gottes Liebe” komponiert, das sich für ein friedliches Miteinander der Religionen einsetzt. Begleitet wurde der Chor von muslimischen Sufi-Musikern und dem koptischen Madih-Ensemble.

Überraschend für die deutschen Gäste waren die Sicherheitsvorkehrungen für den Aufenthalt und vor dem Konzert. Als offizielle Gäste wurden sie von der Staatssicherheit und der Polizei auf Schritt und Tritt begleitet. Vor dem ersten Konzert-Ton wurde das Opernhaus mit Metalldetektoren und Spürhunden durchsucht, die Besucher mussten sich erheblichen Kontrollen unterziehen. Noch war alles ruhig in der Hauptstadt, doch man spürte schon „das Brodeln”, beschreibt der freie Mitarbeiter des Chores die Situation. Schon am nächsten Konzertort, in Alexandria, holte dann die Realität die Künstler ein. Terrorwarnungen galten für die Stadt.

Ausgangssperre und Tränengas

Bei der Rückkehr nach Kairo zeigte sich ein verändertes Bild. Ausgangssperre, tränengasgeschwängerte Luft, in der Stadt waren Schüsse zu hören. Der Nil trennte die Künstler von den Massenkundgebungen gegen das Mubarak-Regime. „Wir waren Zuschauer - und doch mittendrin”, formulierte es Walter Drees. Noch überwog das Sicherheitsgefühl.

„Wir waren ständig auf dem Laufenden, was in Kairo passiert”, schildert der Tenor. Und Ironie des Schicksals: „Wir wurden von der Staatssicherheit eskortiert, gegen die sich das Volk in Kairo und an anderen Orten auflehnte.” Aus Solidarität aber zu den Gewaltopfern der Demonstrationen sagten die Veranstalter das letzte Konzert in Menya ab. „Wir können doch nicht von Gottes Liebe singen, wenn Menschen getötet oder zusammengeknüppelt werden”, trug Walter Drees die Entscheidung mit. Eine Rückkehr nach Kairo wurde ebenso unmöglich, da der Flughafen zeitweise gesperrt war. Eine kleine Odyssee folgte, mit zehn Stunden „gespenstischer” Busfahrt durch die Wüste von Minya nach Hurghada. Den Verantwortlichen war es im letzten Augenblick gelungen, von dort die Rückreise zu organisieren.

Waffen statt Instrumente

„Mit unseren Herzen sind wir bei unseren ägyptischen Musikerfreunden geblieben”, sagt Chormanagerin Patricia Just. Und Drees fügt hinzu: „Letzte Woche hatten sie nur Instrumente in der Hand, jetzt sind sie bewaffnet, um sich, ihre Familien und ihr Hab und Gut gegen potenzielle Vergewaltiger oder Plünderer zu schützen.”