Köln: Wahl am Sonntag: Kölns neuer Oberbürgermeister

Köln: Wahl am Sonntag: Kölns neuer Oberbürgermeister

Am Sonntag dürfen endlich auch die Kölner ihren neuen Oberbürgermeister wählen — wenn nicht auf dem neuen Stimmzettel doch noch ein Fehler gefunden wird. Sollte es zu einer Stichwahl kommen, findet diese am 8. November statt.

Sieben Kandidaten wollen dem jetzigen OB Jürgen Roters (SPD) nachfolgen. Deutschlandweit am bekanntesten ist wohl der Kriminalbiologe Mark Benecke. Große Chancen auf den Oberbürgermeisterposten hat der Mann, der für die Satirepartei Partei antritt, aber nicht.

Verkehrsinfrastruktur

Die aussichtsreichsten Kandidaten sind Jochen Ott (SPD) und die parteilose Henriette Reker. Laut einer repräsentativen Infratest-Umfrage im Auftrag des WDR lag Reker Anfang September in der Wählergunst vorne. Demnach kam die unabhängige, von CDU, FDP und Grünen und der Wählergruppe Deine Freunde unterstützte Kandidatin auf 51 Prozent der Stimmen. SPD-Mann Jochen Ott bekam 36 Prozent.

Die Wochen vor der Wahl waren keine guten für die Stadt und die Kandidaten. Wegen der Wahlzettelpanne mussten Ott und Reker noch einen Monat länger Wahlkampf machen. Das zehre an den Nerven, hatte Ott gesagt. Trotzdem sprachen sich beide Kandidaten für eine Verschiebung des Wahltermins vom 13. September auf den 18. Oktober aus.

Was war passiert? Eine Prüfung der Bezirksregierung Köln hatte ergeben, dass der Stimmzettel unabhängige Bewerber gegenüber den parteigebundenen Kandidaten benachteiligt, weil der Name der Kandidaten im Verhältnis zu den Parteinamen viel zu klein abgedruckt sei. Die Stadt Köln musste für rund 812.000 Wahlberechtigten neue Wahlzettel drucken.

Köln hatte sich zuletzt nicht nur mit der Wahlzettelpanne, sondern auch mit dem Operndebakel nicht gerade als Vorzeigestadt präsentiert. Klüngel und Baustellen machen für viele Kölner die eigene Stadt aus — abgesehen vom Dom und dem FC. Ein bisschen weniger Chaos würde der Stadt guttun. Das sehen auch Reker und Ott so, die beide durchaus sympathisch und angriffslustig sind.

In einem Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ sagte Ott: „Für mich ist das (größte Problem, d. Red.) der Zustand der Verkehrsinfrastruktur, auch die Situation mit der Oper ist schwierig. Und natürlich der U-Bahn-Bau.“ Reker sah demnach „die Dauerbaustellen und der Verkehr, Dreck und Verschmutzung und dass Anträge so lange dauern“ als größtes Problem an. Ott nennt als seine wichtigste Themen den sozialen Ausgleich, den Wohnungsbau, die Familienförderung und die Bildungspolitik. Reker setzt vor allem auf Integration und auf die Stärkung des Wirtschafts- und Kulturstandortes. Zudem will sie die Verwaltung effizienter machen.

In einer nicht-repräsentativen Umfrage hatten Bürger einen Vorteil darin gesehen, dass Reker unabhängig ist. Die 58-jährige Juristin kommt aus der Verwaltung, seit 2010 ist sie Sozialdezernentin in Köln. Sie könnte die erste Oberbürgermeisterin werden. Der 41-jährige Ott ist seit Jahren als Lehrer beurlaubt. Er ist Landtagsabgeordneter und NRW-SPD-Parteivize. Nach der Neuauszählung eines Bezirks der Kommunalwahl im Mai verlor Ott seinen Sitz im Kölner Rat.

„Es geht nun darum, welches Profil den Bürgern in der finanziell schwierigen Situation und bei den anstehenden großen Herausforderungen am geeignetsten erscheint“, sagt Ott. Er hoffe, dass nach der OB-Wahl schnell ein solides Regierungsbündnis in der größten NRW-Stadt zustande komme. Denn am Sonntag entscheidet sich nicht nur, wer OB wird. Mit dem verlorenen SPD-Sitz im Rat hat Rot-Grün zurzeit keine Mehrheit.

Es sei nicht leicht, Bündnisse zu finden, sagt Ott. Doch selbst wenn er gewinnen sollte, hätte Rot-Grün mit 44 Stimmen im Rat keine Mehrheit. Für den Fall, dass Reker gewinnt, gibt es zwischen ihren Unterstützern — CDU, Grünen und FDP — keine Vereinbarungen über eine politische Zusammenarbeit. Und so bleibt es in Köln auch spannend, selbst wenn am Sonntag schon ein neuer OB feststeht.