Journalist abgestürzt: Vorwürfe nach tödlichem Unfall im Hambacher Forst

Journalist abgestürzt : Vorwürfe nach tödlichem Unfall im Hambacher Forst

Nach dem Unfalltod eines Mannes im Hambacher Forst gehen Forderungen und Schuldzuweisungen hin und her. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) warf einigen Waldbesetzern vor, die Unterbrechung der Räumungsarbeiten für den Bau neuer Baumhäuser zu nutzen.

Er forderte die Aktivisten am Donnerstag auf, die Häuser stattdessen zu verlassen. Eine Sprecherin der Waldbesetzer lehnte das ab.

Derweil macht die Düsseldorfer Firma Gerken Furore. Auf ihrer Internetseite hatte sie noch vor dem tödlichen Vorfall angekündigt, ihre Arbeitsbühnen aus dem Forst zurückzuziehen. Diese waren zur Räumung der Baumhäuser eingesetzt worden.

Journalist stirbt bei Sturz aus großer Höhe im Hambacher Forst

„Wir möchten hier noch einmal betonen, dass die Geräte von uns nur vermietet waren und wir von unserem Kunden (unser Kunde ist nicht die Polizei) in keinster Weise im Vorfeld darüber informiert wurden, wofür er die Arbeitsbühnen einsetzen wird“, heißt es in der Stellungnahme.

Eine Sprecherin der Stadt Kerpen erklärte, dass die RWE Power AG als Eigentümer des Geländes und als Verwaltungshelfer die Hebebühnen gemietet habe. Nun muss sich RWE nach einem neuen Verleiher umsehen. Auch deshalb bleibt fraglich, ob und wann der Räumungseinsatz weitergeht. RWE war am Abend für eine Stellungnahme in dieser Sache nicht zu erreichen.

Auch für die Landesregierung sei noch offen, wann es weitergehe, sagte Reul. „Einige Aktivisten oder Gewalttäter benutzen dieses Moratorium, um neue Häuser zu bauen und – was ich noch schlimmer finde – Rettungswege mit Barrikaden wieder zuzusperren“, kritisierte er. Eine Polizeisprecherin vor Ort bestätigte, dass Wege blockiert worden seien.

Der Blogger aus Leverkusen war am Mittwoch durch die Bretter einer Hängebrücke zwischen zwei Baumhäusern gebrochen und 15 Meter tief gestürzt. Die Staatsanwaltschaft Aachen geht von einem Unfall aus. RWE-Chef Rolf Martin Schmitz wies darauf hin, dass der Unfall nach Angaben der Polizei „keine Folge polizeilicher Maßnahmen“ gewesen sei.

Polizeisprecher erläutert tödlichen Unfall im Hambacher Forst

Die Waldbesetzer sprachen dagegen von „Lüge“ und „Falschmeldungen“. „Diese Räumung hat seit morgens hier stattgefunden, und dieser Unfall ist eindeutig in diese Gesamtsituation einzubetten und nicht als unabhängiger Vorfall davon zu sehen“, betonte eine Sprecherin der Besetzer. „Ohne diese Polizeimaßnahme wäre der Mensch gar nicht oben auf dem Baumhaus gewesen.“

Mit Kerzen trauerten Waldschutz-Aktivisten am Donnerstag an der Unfallstelle im Hambacher Forst. Foto: dpa/Oliver Berg
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