Vorlesung Eckart von Hirschhausen: Mehr Humanität in der Humanmedizin

Sondervorlesung von Eckart von Hirschhausen : Ein humorvolles Plädoyer für mehr Menschlichkeit in der Medizin

Wenn Hunderte Medizinstudenten mit roten Clownsnasen in einer Vorlesung sitzen und das Gelächter bis auf den Flur zu hören ist, dann kann Eckart von Hirschhausen nicht weit sein. Mal provokant, mal emotional, aber immer pointiert warb er am Dienstagabend bei den angehenden Ärzten im neuen Medizin-Hörsaal an der Forckenbeckstraße in Aachen für „mehr Humanität in der Humanmedizin“.

Die Veranstaltung zugunsten seiner Stiftung „Humor hilft Heilen“ fand auf Einladung der Medizinischen Fakultät und der Fachschaft Medizin statt.

„Ich bin hier, um euch wachzurütteln und euch daran zu erinnern, warum ihr euch mal dazu entschieden habt, Ärzte zu werden“, sagte von Hirschhausen. Jeder im Hörsaal solle sich seiner Vorbilder und inspirierenden medizinischen Erlebnisse bewusst werden und sich diese immer wieder ins Gedächtnis rufen. „Werdet zu einem guten Vorbild für andere. Seid selbst das Medikament.“

Mit vielen interaktiven Einschüben forderte der Fernsehmoderator, Komiker und studierte Mediziner die Zuhörer zum Mitmachen auf. Einmal sollte jeder in einer Murmelrunde dem Sitznachbarn etwas über das Schlüsselerlebnis erzählen, das zur Studienwahl geführt hat, ein anderes Mal wurde geübt, aus voller Überzeugung „Ich weiß es nicht“ zu sagen – auf Augenhöhe.

„Seht die Welt aus den Augen des Patienten. Lasst euch auf ihn ein“, forderte von Hirschhausen. Denn manchmal brauche der Kranke nur jemanden, der ihn in den Arm nimmt und pustet. Viele verordneten Medikamente und durchgeführten Operationen seien unnötig. Manchmal helfe Bewegung, Zuwendung und Verständnis. „Schon Hippokrates wusste: Das Wohl des Kranken ist das höchste Gut. Doch dieser Gedanke tritt heute oft hinter wirtschaftlichen Interessen zurück.“ Und manchmal scheitere es auch einfach an der Kommunikation zwischen Arzt und Patient. „Der Arzt sagt nicht, dass der Patient eigentlich nichts braucht, weil der sonst denken könnte, dass er ein schlechter Arzt ist. Und der Patient sagt nicht, dass er eigentlich nur eine Krankschreibung haben möchte.“

Zur Europawahl gehen

Doch neben solchen Wünschen für die Mediziner von morgen nutzte Eckart von Hirschhausen den Abend auch für politische Botschaften. So machte er mit einem kleinen Spiel darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, sich impfen zu lassen, um mit unsolidarischem Verhalten Menschen nicht zu gefährden, die sich nicht impfen lassen können. Er forderte außerdem alle Zuhörer dazu auf, zur Europawahl zu gehen, um den Populisten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Und er berichtete von seinem Treffen mit der Schimpansenforscherin und Umweltaktivistin Jane Goodall und rief dazu auf, sich für den Klimaschutz einzusetzen. „Engagiert euch sozial, denn dabei lernt ihr euch besser kennen, baut neue Fähigkeiten auf und lernt viel über Menschen. All das ist bestes Training um zu verstehen, wie andere ticken“, sagte Hirschhausen.

Für David Senft, Organisator der Veranstaltung und Mitglied der Fachschaft Medizin, ist ein solches Engagement selbstverständlich. Zusammen mit Eckart von Hirschhausen stellten er und weitere Studenten und Lehrkräfte bereits vor zwei Jahren den Kurs „Mit Humor in Berührung – transparente Kommunikation, Improvisation und Humor als Mittel im Klinikalltag“ im Medizinstudium auf die Beine. „Ich freue mich, dass diese besondere Vorlesung jetzt schon zum zweiten Mal stattfinden konnte“, sagte er.

Dass die Vortragsinhalte nicht nur für die Medizinstudenten inspirierend waren, sondern selbst für erfahrene Ärzte, machte Studiendekan Professor Markus Tingart im Anschluss deutlich: „Da waren auch einige Denkanstöße für alte Hasen wie mich dabei“, sagte er schmunzelnd. „Wir sind im Team nicht schlecht darin, auch mal zusammen zu lachen und eine gute Diskussionskultur zu pflegen, aber im Umgang mit den Patienten schleifen sich mit der Zeit Routinen ein, die man vielleicht nochmal überdenken sollte“, sagte er.

Und so hatte Eckart von Hirschhausen zum Schluss eigentlich nur die eine Bitte: „Wenn jeder von euch eine kleine Anregung mitnimmt, wie er seine Gespräche authentischer, humorvoller und patientenorientierter führt, dann haben wir einen großen Schritt hin zu einer humanen Humanmedizin getan.“

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