Köln/Düren: Von Schmidt über Köln nach Hollywood

Köln/Düren: Von Schmidt über Köln nach Hollywood

Am 11. Februar 2016 wird in Berlin wieder der rote Teppich ausgerollt. Wenn die Berlinale als eines der weltweit bedeutendsten Filmfestivals ruft, lassen sich die Stars und Sternchen der internationalen Filmbranche bekanntlich nicht zweimal bitten.

George Clooney, Angelina Jolie oder Leonardo DiCaprio gehören inzwischen zu den Stammgästen der Filmfestspiele. Im kommenden Jahr werden sie sich vermutlich wieder im Berliner Blitzlicht sonnen. Mitten drin ist dann auch die gebürtige Aachenerin Pia Stutzenstein.

Die 26-Jährige ist Schauspielerin. Natürlich Schauspielerin, müsste man mit Blick auf ihre Geschichte sagen. Geboren in Aachen und aufgewachsen in Nideggen-Schmidt, entdeckte die junge Frau schon früh ihre Leidenschaft für die Schauspielerei. In einer Theater-AG am Monschauer Gymnasium hatte alles angefangen, mittlerweile wohnt Pia Stutzenstein in Köln. An der dortigen Theaterakademie studiert sie im achten Semester Schauspiel. „Bei meinen ersten Gehversuchen auf der Bühne hatte ich damals schnell gemerkt: Hey, das funktioniert gut. Ich wusste sofort, das ist mein Traum“, sagt sie.

Ihren Traum, den lebt sie. Pia Stutzenstein ist das, was andere eine akribische Arbeiterin nennen. Schon nach dem Abitur folgten diverse Engagements auf kleineren Theaterbühnen. Seit die 26-Jährige in Köln lebt, ist sie auf dem besten Weg, die Fernsehwelt zu erobern. 2013 spielte sie unter anderem ein halbes Jahr lang in der RTL-Soap „Unter uns“ mit.

Auch in der Serie „Alles was zählt“ war sie zu sehen. Zudem gehört sie zum vierköpfigen Ensemble der Webvideo-Plattform „Comedy Rocket“, einer Produktion der RTL-Mediengruppe. Mit ihrer Rolle in der deutsch-spanischen Produktion „The olive tree“, die im kommenden Jahr auf der Berlinale ihre Premiere feiert, hat Pia für ein weiteres Highlight in ihrer noch jungen Schauspielkarriere gesorgt. „Das ist für mich etwas ganz Besonderes. Ich freue mich riesig darüber“, sagt sie.

Es scheint, als laufe alles nach Plan bei der jungen Frau aus der Eifel. Doch der Schein trügt. Das weiß der Beobachter bei näherem Hinsehen. Und das weiß nicht zuletzt auch Pia Stutzenstein. „Die Schauspielbranche ist hart“, sagt sie. „Du musst schon sehr bekannt sein, um richtig gutes Geld verdienen zu können.“

Ohne Agentur geht es kaum

Im Januar wird Pia ihr vier Jahre langes Studium voraussichtlich abschließen. Nur, was folgt danach? Die nackten Zahlen sind erschreckend: „Nur drei Prozent der Absolventen einer Schauspielschule können später auch dauerhaft von ihrer Tätigkeit leben“, sagt Pia. Hinzu kommt: Jobangebote gibt es nicht wie Sand am Meer. „Es gibt viele Faktoren, die stimmen müssen“, sagt sie. „Du musst gut sein. Und zwar verdammt gut. Und: Du musst die richtigen Leute kennen. Anders geht es nicht.“

An den notwendigen Kontakten mangelt es bei der jungen Frau zwar nicht. Seit ein paar Jahren ist sie in einer Agentur für Schauspieler. Nur so bestehe die Chance, überhaupt vermittelt zu werden, sagt sie. „Kaum ein Schauspiel-Casting in Deutschland wird öffentlich ausgeschrieben. Allein die Agenturen erhalten diese Infos“, erklärt sie. Und trotzdem ist es nicht so, als kontaktiere sie täglich ein Regisseur oder Drehbuchautor mit einem interessanten Angebot. Wählerisch zu sein, kann sich die 26-Jährige nicht leisten. „Ich drehe sehr oft Kurzfilme. Aber das mache ich ebenso oft ohne Bezahlung. Wenn du dich später irgendwo bewirbst, musst du etwas vorweisen können. Und dazu gehören eben auch unentgeltliche Jobs.“

Trotz der enorm hohen Konkurrenzsituation in der Filmbranche und der eher durchwachsenen Aussichten macht die 26-Jährige keine Anstalten, den Kopf in den Sand zu stecken. Im Gegenteil: Pia hat ein Dauerlächeln im Gesicht. Ihr Optimismus, ihre Zuversicht: Sie sind greifbar. „Ich glaube daran, dass sich am Ende die Qualität eines Schauspielers durchsetzen wird“, sagt sie.

Dieses Mal ist sie vorbereitet

Dass sie diese Qualität besitzt, dass will Pia schon bald auf der möglichst ganz großen Bühne unter Beweis stellen. „Es gibt da diesen Traum“, sagt sie. „Ich will nach Hollywood.“

Es ist ein Satz, der vermutlich jedem aufstrebenden Jungschauspieler über die Lippen geht. Doch Pia Stutzenstein meint jede dieser Silben ernst. Mehr noch: Sie will schon bald dafür sorgen, dass aus dem Traum auch Realität wird. „Nach meinem Studium kann natürlich noch viel passieren. Aber ich möchte eines Tages nach Los Angeles gehen. Das habe ich mir fest vorgenommen“, sagt sie. „Ich kenne den einen oder anderen Agenten in den USA. Und da dort im Gegensatz zu Deutschland die Castings für Schauspieler öffentlich sind, werde ich es versuchen. Wenn man etwas will, dann muss man alles dafür tun.“

Über die Schwierigkeit, in den USA als aufstrebende Schauspielerin auf sich aufmerksam zu machen, ist sich Pia bewusst. „Ich weiß, was mich dort erwartet. Ich bin auf jeden Fall vorbereitet.“ Vorbereitet auf die große Herausforderung, sich in einer Stadt zu beweisen, in der so ziemlich jeder nach der großen Karriere lechzt. Zumindest für den Fall, eines Tages einmal auf den roten Teppichen der hiesigen Filmbranche zu laufen, kann Pia schon bald proben. Im nächsten Jahr. Auf der Berlinale.

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