Caracas/Geilenkirchen: Von Räubern erschossen: Trauer um Christoph Kleuters

Caracas/Geilenkirchen: Von Räubern erschossen: Trauer um Christoph Kleuters

Der aus Geilenkirchen stammende Geschäftsmann Christoph Kleuters ist in Venezuela von Kriminellen erschossen worden. Kleuters war in der Region bekannt als Geschäftsführer des Erkelenzer Maschinenbauers Aker Wirth und aktiv bei der IHK im Raum Heinsberg. Im Kreis Heinsberg äußerten sich Weggefährten des 56-Jährigen schockiert über seinen Tod.

Nach Medienberichten stieg Kleuters gegen 15.30 Uhr Ortszeit vor dem Fünf-Sterne-Hotel Eurobuilding im Osten der Hauptstadt Caracas aus seiner gepanzerten Limousine. Erst wenige Stunden zuvor war der Geilenkirchener auf dem Flughafen von Maiquetía eingetroffen. Nach Angaben des Bürgermeisters des Stadtbezirks Baruta, Gerardo Blyde, griffen plötzlich zwei Männer auf Motorrädern Kleuters, seinen Leibwächter und den Fahrer an, als letzterer das Gepäck aus dem Kofferraum holte.

Members of the Venezuelan Scientific Police check the bullet impacts at the main gate of the Eurobuilding hotel, in Caracas, Venezuela, 18 June 2014. Two men died, one of them a German citizen and the other an allegedl thief, after a shooting in this hotel, according to official reports. Foto: dpa

Es kam vor der Hotellobby zu einem Schusswechsel, bei dem der 56-Jährige, der Leibwächter und einer der Angreifer von Kugeln getroffen wurden.

Der in Caracas getötete Geilenkirchener Geschäftsmann Christoph Kleuters. Foto: Archiv

Kleuters starb Stunden später in einem Krankenhaus an seinen Verletzungen. Auch einer der Räuber wurde tödlich verletzt. Der zweite Angreifer habe den Fahrer und den deutschen Geschäftsmann mit je zwei Kugeln getroffen, ehe er entkommen sei. Zum Zustand des Fahrers wurde zunächst nichts bekannt.

Möglicherweise hatten die Kriminellen den Deutschen bereits bei seiner Ankunft am Flughafen observiert, um ihn dann in einem geeigneten Moment zu berauben. Das Auswärtige Amt bestätigte am Freitag in Berlin den Tod des Geschäftsmannes. Nach Medienberichten war Kleuters, der seit 1998 in Erkelenz eine Investmentfirma namens KCI Kleuters Christoph Investment betrieb, auf Einladung einer venezoelanischen Ölgesellschaft im Land, um über die Finanzierung einer Ölanlage zu verhandeln.

Kleuters, mit vollem Namen Christophorus-Wilhelm Kleuters, war von 1999 bis 2012 geschäftsführender Gesellschafter des Erkelenzer Traditionsunternehmens Aker Wirth. Auch bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen engagierte sich der 56-Jährige, unter anderem als Vorsitzender des Regionalausschusses Heinsberg. Überregional bekannt wurde er im Jahr auch 2008 durch die Teilnahme an der Fernsehshow „Geheime Helfer“ auf Sat.1.

Im Kreis Heinsberg löste sein Tod Bestürzung aus. „Diese Nachricht aus Venezuela ist erschreckend und schockierend für alle, die mit Christoph Kleuters zusammengearbeitet haben, aber schlimmer natürlich noch für die Familie“, sagte der Präsident der Industrie- und Handelskammer Aachen, Bert Wirtz aus Heinsberg, am Freitag auf Anfrage.

Wirtz würdigte Kleuters als „außergewöhnliche Unternehmerpersönlichkeit“. Mit Blick auf Aker Solutions (vormals Aker Wirth/Wirth Maschinen- und Bohrgerätefabrik) in Erkelenz sagte Bert Wirtz, dass es seinerzeit gelungen sei, ein in Schieflage geratenes Unternehmen wieder flott zu machen, sei maßgeblich Christoph Kleuters‘ Engagement als Gesellschafter und Geschäftsführer zu verdanken gewesen. Dafür sei ihm „alle Achtung zu zollen“.

Bestürzung und Fassungslosigkeit herrschte auch in Geilenkirchen, der Heimatstadt von Christoph Kleuters. Der im Stadtteil Waurichen lebende 56-Jährige war dort aktiv im Vereinsleben eingebunden. Viele Ehrungen waren ihm deswegen zuteil geworden. So gehörte er der ältesten Karnevalsgesellschaft im Stadtgebiet, der KG „Lott se loope“ Immenwauweiler (einer Abkürzung von Immendorf, Waurichen, Apweiler) und der St. Hubertus Schützengesellschaft Waurichen an. Kleuters erhielt auch 2009 mit dem „Nacksenorden“ die nur einmal im Jahr vergebene höchste karnevalistische Auszeichnung in der Stadt.

Der Bundesmeister des Schützenbezirksverbandes Geilenkirchen, Josef Kouchen, zeigte sich zutiefst betroffen. „Christoph Kleuters war ein Schützenbruder durch und durch. Er trat immer für die Ideale Glaube, Sitte, Heimat ein“, sagt Kouchen zum Tode des Schützenbruders.

„Unglaublich betroffen“ zeigte sich auch Dr. Joachim Steiner, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg. Nicht nur als IHK-Regionalausschuss-Vorsitzender, sondern auch im Wirtschaftsbeirat des Kreises Heinsberg sei Christoph Kleuters sehr engagiert und eine der treibenden Kräfte für die Unternehmerschaft gewesen.

Zu Aker/Wirth sagte Steiner: „Ich habe große Zweifel, ob wir heute in Erkelenz noch die Arbeitsplätze hätten, wenn es ihn nicht gegeben hätte.“ Christoph Kleuters sei damals, zusammen mit anderen, „einen mutigen Weg“ gegangen.

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro erklärte unterdessen, die Behörden seien den Tätern bereits hart auf den Fersen. Es gäbe schon erste Erkenntnisse zur Identität der Täter.

Venezuela gilt als Kriminalitätshochburg. Nach Angaben der unabhängigen Beobachtungsstelle für Gewalt (OVV) wurden dort im vergangenen Jahr mehr als 24.000 Menschen getötet. Die Regierung gibt eine niedrigere Mordrate an. Doch selbst nach ihren Daten liegt Venezuela noch vor Mexiko, Kolumbien und Brasilien.

Das Auswärtige Amt warnt auf seiner Webseite, dass es in jüngster Zeit insbesondere in den Städten zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Schießereien gekommen sei. Reisenden wird empfohlen „höchste Vorsicht walten zu lassen“.

Erst im Februar war ein deutscher Tourist auf der zu Venezuela gehörenden Karibikinsel Margarita getötet worden. Der 76-Jährige wurde bei einem Raubüberfall in einem Einkaufszentrum erschossen. Der Deutsche war auf einer Kreuzfahrt und befand sich gerade auf einem Landgang.

(heck/disch/g.s./dpa)