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Gemälde wieder in Düsseldorf: Von den Nazis gestohlen, jetzt zurück im Kunstpalast

Gemälde wieder in Düsseldorf : Von den Nazis gestohlen, jetzt zurück im Kunstpalast

Rund 20 000 als „entartet“ diffamierte Kunstwerke holten die Nazis 1937 aus den Museen. Die Werke sind heute verstreut in aller Welt. Ein Bild von Lovis Corinth kehrt nun nach Düsseldorf zurück.

Tausende Kunstwerke der Moderne plünderten die Nationalsozialisten 1937 in den Museen – 85 Jahre nach der Aktion „Entartete Kunst“ ist ein Gemälde von Lovis Corinth nun in den Düsseldorfer Kunstpalast zurückgekehrt. Generaldirektor Felix Krämer präsentierte das Blumenstillleben mit Flieder und Anemonen des deutschen Malers (1858-1925) am Montag erstmals wieder in Düsseldorf. Das Bild gehörte bis 1937 zum Bestand der Städtischen Kunstsammlungen.

Nach der Beschlagnahme wurde das Gemälde 1939 bei einer Auktion in Luzern von dem umstrittenen Schweizer Waffenfabrikanten und Kunstsammler Emil Bührle ersteigert. Seitdem befand es sich in der Sammlung Bührles und seiner Nachfahren. Den Rückkauf für einen mittleren sechsstelligen Betrag unterstützten die Ernst von Siemens Kunststiftung, das NRW-Kulturministerium und die Kulturstiftung der Länder.

„Dieses Stillleben von Lovis Corinth ist ein wichtiger Teil der Museumsgeschichte und von einer außerordentlichen malerischen Qualität“, sagte Krämer. Das expressionistisch geprägte Werk soll im Zuge der Neupräsentation der Kunstpalast-Sammlung im nächsten Jahr wieder gezeigt werden. Das 1925 entstandene Blumenstillleben zählt zu den Hauptwerken Corinths und war eines der letzten Gemälde des Künstlers, bevor er starb. Es wurde bereits kurz nach seiner Entstehung für die Düsseldorfer Sammlung erworben. Corinth hatte noch einen Monat vor seinem Tod die Stadt am Rhein besucht.

Allein aus den Düsseldorfer Städtischen Kunstsammlungen hatten die Nazis 113 Gemälde, zehn Skulpturen und 929 Arbeiten auf Papier geholt. Die Geschichte des Corinth-Werkes und die Präsentation seien ein Beitrag zur Aufarbeitung der Aktion „Entartete Kunst“, sagte Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen.

Mit dem Begriff „entartet“ diffamierten die Nazis unter anderem den Kubismus, Expressionismus, Dadaismus und die Neue Sachlichkeit. Ab August 1937 wurden die Museumsbestände moderner Kunst fast vollständig geplündert. Insgesamt wurden fast 20.000 Werke von rund 1400 Künstlern aus mehr als 100 Museen und Sammlungen geholt. Die Kunst wurde verkauft, versteigert oder zerstört. 1938 legalisierten die Nazis die Plünderungsaktion per Gesetz. Die Folgen des Aderlasses sind bis heute in den Museen zu spüren.

(dpa)