Aachen: Von blinder Wut übermannt

Aachen: Von blinder Wut übermannt

Verhandlungstag vier im Mordprozess gegen Denis B. (24) aus Eschweiler: Endlich kommt das Geständnis zu der brutalen Messerattacke auf seine erst 19-jährige Ehefrau auf den Tisch der Aachener Schwurgerichtskammer.

Tamara B. überlebte die Tat am Morgen des 22. Dezember 2009 nicht, obwohl sie im Auto unmittelbar neben dem Würselener Krankenhaus lag und schnellstens vom Notarzt versorgt wurde. Denis B. brach sein Schweigen und schilderte in einer persönlichen Erklärung, wie es zu dem Drama kam, eine übermächtige Liebesbeziehung sei das gewesen. Sicher, er war sehr eifersüchtig, sie jedoch mindestens in gleicher Weise, beschrieb er die bereits seit 2005 andauernde Beziehung des Paares.

Vor Weihnachten hatten sich für ihn die Anzeichen dafür gemehrt, dass die schöne junge Frau auch andere Männer hatte. Immer, wenn sie im Streit von ihrer Würselener Wohnung zu ihren Eltern nach Eschweiler ging, habe er gewusst, dass wieder ein anderer im Spiel war. So vermutete er auch an jenem Wochenende, dass etwas faul sei.

Am Montagmorgen, so hatten sie es ausgemacht, holte er sie bei den Eltern ab, sie hatte dort geschlafen. Er kam aus der Wohnung in Würselen und war noch todmüde von der nächtlichen Grübelei, sie wollten beide zur Arbeit, er ließ sie ans Steuer und legte sich auf die Rückbank des Corsa. Wieder in Würselen, hieß es in dem Geständnis, hielt sie plötzlich auf einem Parkplatz an, stieg aus und gestand ihm, ihn zweimal betrogen zu haben.

Sie gab auch eine Sache zu, die ihn auf der Stelle völlig ausrasten ließ. An ihrem Hochzeitstag, dem 24. Juni, sei sie nach der Trauung kurzfristig nach Stolberg zu ihrem Ex-Liebhaber gefahren, im Hochzeitskleid. „Für mich brach eine Welt zusammen”, verlas der Anwalt das Geständnis. Dann griff er im Handschuhfach nach einem „gemeinsames Küchenmesser” und stach außer sich vor Wut zu, immer wieder, 18 Mal laut Anklage. Sie sei kopfüber in den hinteren Fußraum des Wagens gefallen. Erst da habe er begriffen, was er seiner Liebe angetan hatte: „Die Lippen bewegten sich noch, sie hat gesprochen.” Er sei hinters Steuer gesprungen und habe den Wagen zum Krankenhausparkplatz gefahren, dann die Notrufnummer gewählt. „Begreifen, dass sie tot ist, kann ich immer noch nicht”, erklärte der 24-Jährige.

Zuvor hatte der Stolberger Ex-Liebhaber der Getöteten vor Richter Gerd Nohl eingeräumt, er habe „drei bis viermal” Sex mit Tamara gehabt, das sei aber vor der Hochzeit gewesen. Der 23-jährige Zeuge beschrieb sie als ein hübsches und allgemein beliebtes Mädchen, das den vorbestraften Denis B. eigentlich gar nicht heiraten wollte. Das sei nur gewesen, um ihm eine mildere Strafe für eine Messerstecherei aus dem März vergangenen Jahres zu beschaffen. Denis B. versicherte, die beiden hätten aus tiefer Liebe geheiratet.

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