Schlachthof Düren: Vom Skandal- zum Vorzeigebetrieb?

Schlachthof Düren : Vom Skandal- zum Vorzeigebetrieb?

Wer die verdeckten Videoaufnahmen aus dem Dürener Schlachthof Ende 2017 gesehen hat, ist wohl nicht davon ausgegangen, dass selbiger Schlachthof rund ein halbes Jahr später als Vorzeigebetrieb betitelt wird. So zumindest sieht es der Landrat des Kreises Düren, Wolfgang Spelthahn (CDU).

Er hätte gerne, dass die Politiker im NRW-Landtag und auch die im Berliner Bundestag das neue Kontrollsystem in Düren als Schablone für alle anderen Schlachthöfe anerkennen und als Standard einführen — eine entsprechende Resolution ist in der Vorbereitung.

Zum Wohle des Tierschutzes natürlich, betonen Spelthahn und die Leiterin des Kreisveterinäramtes, Dr. Mounira Bishara-Rizk. Und aus einem anderen Grund: Da im Dürener Betrieb weniger geschlachtet, mehr kontrolliert und Geld in verschiedene Maßnahmen gesteckt worden ist, kostet die Fleischproduktion deutlich mehr. „In Düren ist das Schlachten etwa 25 Prozent teurer als in anderen Betrieben“, betont Spelthahn. „Im Sinne des Tierschutzes bekommt der Dürener Schlachthof vielleicht einen Orden, aber wirtschaftlich ist er anderen nicht gewachsen.“

Dauerüberwachung eingeführt

Konkret geht es darum, dass das Veterinäramt als eine Konsequenz nach den Enthüllungen der Soko Tierschutz eine tierärztliche Dauerüberwachung beim Betäubungsprozess eingeführt hat. Vorher waren Stichproben üblich, weil die Veterinäre auch andere Bereiche des Betriebs kontrollieren. „In diesem harten Metier kann man Mängel nur mit Dauerkontrollen ausschließen“, sagt Spelthahn. Der Kreis hat auch 1,5 weitere Tierarztstellen besetzt, die in Kürze ihre Arbeit aufnehmen werden.

Der Schlachthofbetreiber Frenken lässt über seine Anwälte mitteilen, dass der Unternehmer „erhebliche personelle, bauliche als auch verfahrenstechnische Änderungen und Modifikationen“ vorgenommen hat. Alles sei in Absprache mit dem Veterinäramt und dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz geschehen. Unter anderem sei das Personal in den „Schlüsselpositionen, bevor das Tier wirklich tot ist“ (Bishara-Rizk) ausgetauscht worden. Die Belegschaft generell sei nachgeschult worden, und die Subunternehmer, die in Frenkens Auftrag schlachten, würden strenger kontrolliert. Landrat, Veterinäramt und Betreiber betonen, dass alle Maßnahmen über die gesetzlichen Forderungen hinausgehen würden. Dazu zählt auch, dass der Betrieb einen Professor aus Hannover als externen Gutachter für Lebensmittelhygiene und -sicherheit hinzugezogen hat.

Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz, der die verdeckten Videoaufnahmen öffentlich gemacht hat, verfolgt die Geschehnisse in Düren weiterhin. Er weiß, dass viel Geduld gefragt ist, bis sich nachhaltige Verbesserungen einstellen. Er schießt aber weiter hart gegen den Kreis: „Das Veterinäramt hat einen Kniefall vor dem Betreiber hingelegt. Ein direkter Schlachtstopp wäre der ehrliche Weg gewesen, um dann in Ruhe über die Zukunft zu entscheiden.“

Dezentral schlachten

So ist es auch kürzlich in Tauberbischofsheim passiert, nachdem die Soko Tierschutz dort erhebliche Verstöße festgestellt hatte. Oder vorher in Aachen und Eschweiler. „Das Problem ist nicht, dass zu wenige Augen vor Ort sind. Das Problem ist, dass das Veterinäramt kein Interesse an Sanktionen hat.“ Für Mülln sei Düren mit all seiner Erfahrung aus der Vergangenheit das schlechteste Beispiel, ein „Armutszeugnis“.

Dass der Dürener Betrieb nie temporär geschlossen worden ist, verteidigt Landrat Spelthahn. „Was hätte das gebracht im Sinne des Tierschutzes? Für mich ist es ein ungeheurer Frevel, Tiere Hunderte Kilometer durch die Gegend zu fahren“, sagt er. „Wir brauchen dezentrale Schlachthöfe. Wenn wir schließen, bekommen Großbetriebe Exklusivrechte. Was wir jetzt praktizieren, kann jeder tun — es ist nur etwas mehr Aufwand.“

Auch die Staatsanwaltschaft Aachen beschäftigt sich mit dem Betrieb, wobei das Ergebnis offen ist. Die Ermittlungen „sind noch am Anfang“, wie Staatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts auf Anfrage mitteilt. Ein externer Sachverständiger überprüft, welche Verstöße überhaupt zu ahnden seien. Dazu muss er das zehnstündige Videomaterial der Soko Tierschutz anschauen. „Mit einer Auswertung ist nicht bis Sommer zu rechnen“, sagt Schlenkermann-Pitts. Auch deshalb sei bislang erst einer von vier Beschuldigten vernommen worden; es handelt sich um die Betreiber der Schlachthöfe Düren und Eschweiler sowie Leiter der Subunternehmen.

Sind die Aufnahmen analysiert, gehen die Vernehmungen weiter, und die Mitarbeiter der Schlachterkolonnen müssen noch ermittelt werden. „Vor Jahresende ist nicht mit einem Abschluss zu rechnen“, erklärt die Staatsanwältin. Die Frage, ob denn, wie Friedrich Mülln behauptet, der Betreiber Frenken selbst auf den Aufnahmen zu sehen sei, also von den Vorgängen gewusst haben müsse, kann die Staatsanwältin nicht beantworten. „Die weiteren Ermittlungen sind abzuwarten.“