Region: Vier schöne Dörfer in der Region des Herver Landes

Region: Vier schöne Dörfer in der Region des Herver Landes

Wer ist die Schönste im Ganzen Land? Die Wallonie hat viele schöne Ortschaften. Einige dürfen den Titel „schönstes Dorf“ tragen. Limbourg — zwischen Eupen und Verviers — zählt zu diesen eindrucksvollsten Dörfern Belgiens. Es hätte längst den Titel eines der schönsten Dörfer der Wallonie verdient. In diesem Jahr endlich wurde der Ort als 30. Mitglied in die Vereinigung aufgenommen.

Der Platz Saint-Georges, eingerahmt von Bürgerhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert, ist das Herzstück des Ortes. Die Tritte balancieren über das bucklige Kopfsteinpflaster. Jahrhundertealte Steine aus dem Flussbett der Weser sind hier verlegt.

soiron_rueR.Mind Foto: Rolf Minderjahn

Nichts scheint hier mit der Zeit gegangen zu sein. Eine Reihe wunderschöner Häuser aus typischer Melange von Bruch-, Kalk- und Backstein umrahmt die Kulisse, winkelig, wacklig, verschnörkelt mit Miniaturfenstern und -türen, die Fassaden an den Unebenheiten des Kopfsteinpflasters ausgerichtet. Die steinalte Kirche Saint Georges aus dem 15. Jahrhundert hat schon bessere Zeiten gehabt. Jetzt fehlt das Geld. Sie thront auf dem Rand des befestigten Felsens von Limbourg. Die Silhouette der Häuser und die Kirche Saint-Georges liegen wie ein Krähennest auf dem Fels über dem Tal. Limbourg ist stark befestigt, war immer ein umkämpfter Ort mit bewegter Geschichte. Bis 1288 war es Hauptstadt des bedeutenden Herzogtums Limburg.

SoironEtangdHansezRMinderjahn Foto: Rolf Minderjahn

Clermont-sur-Berwinne: Malerisch heben sich die Farben der Backsteinbauten und der silbergraue Schiefer der Häuschen von Clermont-sur-Berwinne vor dem prächtigen Grün der Obstwiesen und Weiden bei Aubel ab. Die blitzsauberen Fassaden im maasländischen Stil entlang der mit Pflastersteinen befestigten Hauptstraße umrahmen das Herzstück des Dorfs. Wie eine Brücke überspannt das schmucke Rathaus die Straße. Die hohen Mauern der Kirche Saint-Jacques-le-Majeur zeugen von ihrer einstigen Bedeutung als Zufluchtsort für die Bevölkerung im Mittelalter. Das Gotteshaus im spätgotischen und Renaissance-Stil stammt aus dem 16. Jahrhundert. Auf dem beeindruckenden kleinen Friedhof, der die Kirche umgibt, stehen viele Grabsteine aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Clermont ist wie ein offenes Buch über die Architektur seit dieser Zeit, nicht zuletzt wegen der vielen verschiedenen Steinarten der Region, die bei den Bauten verwendet wurden und heute den Operettencharme dieses Ortes versprühen.

Eindrücke aus Soiron mit mittelalterlichen Gassen, Natur, typischem Kopfsteinpflaster und Schlossanlage. Foto: Rolf Minderjahn

Soiron: Während Limburg und Clermont-sur-Berwinne schon eher bekannte Orte sind, darf man das Dorf Soiron bei Verviers zu den Geheimtipps zählen, die unbedingt eine Entdeckung wert sind. Auf den kleinen Serpentinen der Landstraße hinunter ins Tal nach Soiron zwischen Baumgruppen, Hecken und Wiesenhängen erblickt man schon von weitem die übermächtig wirkende Kirche im maasländischen Stil, die Türme der Schlossanlage und die vielen Häuser im typischen Kalkstein. Man befindet sich am Rande des Herver Landes, in der Gemeinde Pépinster, an einem versteckt gelegenen Ort. „Soiron ist über tausend Jahre alt“, sagt Francine Kalbusch, Gästeführerin aus dem Nachbarort Olne. „Bereits 1005 wurden Soiron und auch Olne gegründet. Beide gehörten durch den territorialen Erlass Kaiser Heinrichs II. zum Stiftskapitel Sankt Adalbert in Aachen.“

Die Hauptsehenswürdigkeit in Soiron ist das Schloss, das Château de Soiron, in seinem weitläufigen Park an der Straße nach Xhendelesse gelegen. Es gibt auch noch ein zweites Schloss auf der Höhe zwischen Soiron und Wegnez. Es nennt sich Château de Sclassin (auch als Château du Thier bezeichnet). Das Schloss von Soiron ist im Privatbesitz und gehört der Familie des Barons de Woelmont, die noch heute hier wohnt. Sein Vorfahre, Baron Nicolas-Ignace de Woelmont, baute das Schloss 1747.

Der Bau ist ein prächtiges Domizil im Stil Louis XV. „Es hat zwei vollständig gleiche, harmonische und schöne Fassaden“, betont Francine Kalbusch, „oft ist es ja so, dass die Schlösser eine schöne Frontseite haben und die Rückseite nicht ganz so ansehnlich ist.“ Zum Schloss gehört eine Remise, die von zwei mächtigen Türmen flankiert ist.

Der ehemalige Bauernhof des Schlosses bietet in der ehemaligen Scheune (Séchoir à chardons) eine weitere Besonderheit. Hier wurden früher Distelgewächse getrocknet, die für die Wollproduktion im nahen Verviers verwendet wurden. Die vielen schmalen Luftschlitze in den Mauern zeugen davon. In der Dorfmitte thront die Sankt-Rochus-Kirche. Ihr mächtiger Turm im romanischen Stil hebt sich vom Rest des Gebäudes ab. Er ist im maasländischen Renaissance-Stil errichtet worden. „Eine solch große Kirche für ein solch kleines Dorf hat seinen Grund darin, dass sie früher das Gotteshaus für gleich drei Gemeinden war“, erklärt die Fremdenführerin.

Beeindruckender Hochaltar

Das Innere der Kirche ist allerdings nur bei den Gottesdiensten oder mit einer Führung zu besichtigen. Das Tabernakel und das Taufbecken stammen aus dem 12. Jahrhundert. Der beeindruckende Hochaltar kommt aus der Zisterzienser-Abtei Boneffe bei Namur. Er war viel zu groß, so dass man das neue Gebäude der heutigen Kirche im 18. Jahrhundert (1723) entsprechend höher baute. Am Platz vor der Kirche fallen viele herrliche Gebäude aus typischem Sand- und Kalkstein ins Auge sowie die schönen Fenster- und Türeinfassungen aus Blaustein.

Die meisten Häuser in Soiron wurden im 17. und 18. Jahrhundert erbaut. Francine Kalbusch weist auf eine besondere Art von Fuge zur Verstärkung der Fassaden hin. Sie ist aus rot-braunem Zement aus Eisenspänen, den Rückständen der hier ansässigen Eisenindustrie — vor allem der Produktion von Nägeln. Im Dorfkern steht das alte, restaurierte Waschhaus, im dem noch heute das Wasser aus einer nahen Quelle fließt. Gegenüber plätschert der Bach Bola, der in die Weser mündet. Überhaupt spielte Wasser hier eine große Rolle. Der Name Soiron soll sich von „Suron“ und dieses wiederum von „sur eau“ (am Wasser) ableiten.

Olne: Nur wenige Minuten von Soiron entfernt gelangt man nach Olne. Olne hat architektonisch nicht so viel zu bieten wie Soiron. Es verdankt diesen Titel vor allem seinen Wanderwegen und den wunderschönen Weilern ringsum auf den Höhen über den Tälern der Weser und der Magne. Hier erleben Wanderer Ausblicke über das Relief der Hügel, Senken und Wiesengründe bis hinüber ins Hohe Venn über Spa. Insgesamt zehn ausgeschilderte Wege gibt es hier. Saint-Hadelin, Gelivaux, Hansez, Vaux-sous-Olne und Bois d’Olne heißen diese Ardenner Dörfer, deren Bruchsteinarchitektur bildschön und harmonisch ist. Hansez verfügt über ein Biotop und Panoramaausblicke tief hinein ins Wesertal.

Saint-Hadelin: Saint-Hadelin mit seiner kleinen, romantischen Kirche auf einem Felsvorsprung überragt das Tal der Magne. Das einschiffige religiöse Bauwerk wurde 1676 in Bruchstein erbaut und 1830 vergrößert. Früher war dieses kleine Gebiet mit nur einem Dutzend Häuser rund um die Kirche und das Pfarrhaus ein Lehen der Abtei von Stavelot. Um 1700 wurde es Olne zugeteilt. Eine schon mehrere Jahrhunderte alte Linde ist als Nagelbaum bekannt, der besondere Heilkräfte haben soll und auch jungen Mädchen zu einem Ehemann verhelfen kann. Das alte Gerichtshaus und das Pfarrhaus stellen bemerkenswerte architektonische Elemente innerhalb eines Ensembles von epochalen Gebäuden dar.