Viele NRW-Kommunen verbannen Glyphosat von Pachtflächen

Herbizid-Verzicht als Pacht-Vorgabe : Viele NRW-Kommunen verbannen Glyphosat von ihren Pachtflächen

Glyphosat kommt nicht gut weg in der öffentlichen Wahrnehmung. Doch viele Bauern setzen weiter auf den behördlich zugelassenen Wirkstoff. Das zwingt immer mehr NRW-Rathäuser zum Handeln.

Der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat verliert in NRW auf kommunalem Grund an Bedeutung. Auf ihren Grünflächen verzichten viele Städte bei der Unkrautvernichtung schon seit langem auf das Herbizid. Zudem schreiben immer mehr NRW-Kommunen bei Verpachtungen von Äckern vor, kein Glyphosat einzusetzen. Entsprechende Vorgaben für Pachtflächen gibt es in Aachen, Düsseldorf, Dortmund, Siegen und Köln. Andere Städte wie Bonn. Münster und Leverkusen haben diese hingegen noch nicht.

Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte es als „wahrscheinlich krebserregend“ ein, andere Behörden und Studien betrachten es bei sachgemäßer Handhabung als sicher. 2017 verlängerten die EU-Staaten die Glyphosat-Zulassung bis Ende 2022.

In NRW wird auf Friedhöfen, Sportanlagen oder in Parks in der Regel schon seit langem auf das Herbizid verzichtet – in Aachen etwa schon seit 2013. Die Stadt schätzt, dass der Aufwand mindestens sechsmal höher ist als zu den Zeiten, als noch Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden.

In Münster wird nach Angaben der Stadt seit 1989 auf Pflanzenschutzmittel im gesamten Stadtgebiet verzichtet. In anderen Städten ist es ähnlich, teils mit Ausnahmen.

Anders ist die Lage auf den verpachteten Äckern. Das sind mitunter beträchtliche Flächen. Hier fahren die Städte – wohl auch wegen der öffentlichen Debatte über Glyphosat – einen schärferen Kurs als früher. So beschloss der Umweltausschuss der Stadt Dortmund Ende 2017 ein entsprechendes Verbot. In Siegen ist die Anwendung von Pestiziden auf Pachtflächen schon seit Mitte der 90er Jahre untersagt.

Aachen entschied sich aktuell, beim Abschluss von neuen Pachtverträgen „die Verhandlungen dahin zu führen, dass auf den Einsatz von Glyphosat auf städtischen Flächen verzichtet wird“. Die Stadt verpachtet rund 1400 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. In Köln sollen bei Neuverpachtungen Bauern „bevorzugt“ werden, die kein Glyphosat einsetzen.

Kritik am Anti-Glyphosat-Kurs vieler Kommunen kommt vom Deutschen Bauernverband. Er verweist darauf, dass Glyphosat zugelassen ist. „In Deutschland zugelassene und zulässige Pflanzenschutzmittel müssen gemäß der guten fachlichen Praxis auch eingesetzt werden können“, sagte Generalsekretär Bernhard Krüsken.

(dpa)
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