Städteregion: Viel Wasser, viel Arbeit für die Feuerwehr

Städteregion: Viel Wasser, viel Arbeit für die Feuerwehr

Die Städte in der Region sind für die Folgen des Tauwetters gerüstet. In Kornelimünster hat sich die Hochwasserlage stabilisiert, nachdem auch dort entlang der Inde in der Nacht einige Keller vollgelaufen waren und ein bisheriger Höchststand von 1,60 Meter erreicht worden war, danach stieg der Pegel nicht weiter. Ab 1,65 Metern wird es für den historischen Altstadtkern bedrohlich.

Die Feuerwehr musste einige Keller leer pumpen. Neun Einsatzstellen zählt Einsatzleiter Christof Koerentz später im Einsatzbericht. Auch ein paar Straßen im Südraum und in Richterich wurden überflutet.

Erste Erfahrungen mit steigenden Pegeln mussten am Donnerstagabend etliche Hausbesitzer im Aachener Stadtteil Haaren machen. Dort waren in kürzester Zeit 30 Keller vollgelaufen, weil ein unterirdisches Rückhaltebecken die Tauwassermengen nicht halten konnte - und regelrecht überschwappte. Die fließenden Gewässer in der Region schwillen mächtig an, aber bislang sei die Lage nicht kritisch.

Einzig der Stolberger Raum hatte in der Nacht erste Begegnungen mit den Wassermassen. Nach Auskunft des Aachener Polizeipräsidiums wurde die Strecke vom Atscher Dreieck bis zum Mühlener Ring in der Nacht gesperrt. Vor allem die Dreilägerbachtalsperre stößt an ihre Kapazitätsgrenzen. Das Resultat ist, dass vorne ebenso viel Wasser abgelassen wird, wie hinten reinläuft. Das führe, so heißt es, zu einem deutlichen Anstieg der Wassermassen im Vichtbach.

In Eschweiler war die Feuerwehr seit Donnerstagnachmittag im Dauereinsatz. Was am Donnerstag gegen 17 Uhr begann, fand erst 24 Stunden später sein (vorläufiges) Ende. 24 Stunden, in denen 98 Aktive der Eschweiler Feuerwehr an insgesamt 33 Einsatzstellen alle Hände voll zu tun hatten. Schwerpunkt des Geschehens: die Eisenmühlenstraße in Hücheln. Dort hatte gegen 5.20 Uhr ein Anwohner einen Blick in seinen Keller geworfen - und ihn überflutet vorgefunden. 15 weiteren Anwohnern ging es kurz darauf ähnlich.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat seine Unwetterwarnung für die gesamte Städteregion Aachen am Freitag erneuert. Bis Sonntagmorgen sei mit starkem Tauwetter zu rechnen. An Bächen und Flüssen könne sich Hochwasser bilden, Straßen könnten überflutet werden. Insgesamt sei bis Sonntagabend mit 20 bis 40 Litern Regen pro Quadratmeter zu rechnen.

Meteorologe: „Da braut sich was zusammen”

Am Rhein, dem größten Fluss in NRW, rechnen Experten in den kommenden Tagen mit einem rasanten Anstieg der Wassermassen. Meteorologen gehen von einer lang anhaltenden Hochwassersituation aus.

Das für den Rhein zuständige Hochwassermeldezentrum in Mainz erwartet in den kommenden Tagen einen schnellen Anstieg. In Köln müsse am Montag mit einem Pegel im Bereich über neun Meter gerechnet werden, hieß es. Am Freitagnachmittag zeigte der Kölner Pegel 4,44 Meter an. Auf der Mosel, deren Wassermassen bei Koblenz in den Rhein fließen, wurde bereits der Schiffsverkehr eingestellt. Für Samstag prognostiziert das Meldezentrum an der Mosel in Trier einen Pegelstand von neun Metern.

Mit gespanntem Blick betrachtet der Leiter der Kölner Hochwasserschutzzentrale, Reinhard Vogt, die Entwicklung an der Mosel. Dort herrsche derzeit eine Situation, „die mich ein kleines bisschen aus der Ruhe bringen lässt”. Innerhalb eines Tages sei der Pegel in Trier um 4,30 Meter gestiegen. Dabei handele es sich um einen „außergewöhnlichen Wert”. Dieses Wasser erreiche mit ein paar Tagen Verzögerung Köln.

Für das Wochenende wagt der Experte noch eine klare Prognose. So werde am Sonntagmorgen der Pegel in Köln bei etwa 7,50 Meter liegen. Für die Tage danach könnten nur noch vage Vorhersagen gemacht werden. Während ein Wasserstand von acht Metern „möglich” sei, könnten auch neun Meter nicht ausgeschlossen werden. „Noch bin ich entspannt - aber mit ängstlichen Blicken zum Himmel”, sagte Vogt.

Hochwasserschutztore werden geschlossen

Angesichts der Ungewissheit werden in der Kölner Altstadt bereits am Wochenende die ersten Schutzmaßnahmen getroffen. Voraussichtlich am Sonntag sollen die Hochwasserschutztore geschlossen werden. Darauf aufbauende mobile Schutzwände seien allerdings erst ab einem Pegel von 9,40 Meter nötig, sagte Vogt. Bis zu einem Wasserstand von 11,30 Meter sei die Altstadt dadurch sicher. Die Schifffahrt muss hingegen schon ab 8,30 Meter eingestellt werden.

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