Versuchter Mord am Urftsee im April: Anklage erhoben

Anklage gegen zwei Männer : Am Urftsee fast zu Tode geschleift

An einem Freitag im April treffen sich drei Männer in einem Gartenhaus in Euskirchen. Am nächsten Morgen wird einer von ihnen mit lebensgefährlichen Verletzungen und halbnackt im Nationalpark Eifel gefunden. Was ist in der Zwischenzeit passiert?

Am Morgen des 6. April, einem Samstag, fand ein Spaziergänger am Rande des Urftsees im Nationalpark Eifel einen Mann auf der alten Kreisstraße 7, die direkt zur Urftstaumauer führt. Er lag dort ganz allein, kein Auto in der Nähe, kein Fahrrad, kein Begleiter. Er war nur halb bekleidet, schwer verwundet und mehr tot als lebendig.

Der Spaziergänger rief sofort einen Rettungswagen, da war es etwa 9.30 Uhr. Kurze Zeit später brachte ein Notarzt den gefundenen Mann ins Krankenhaus, er musste sofort notoperiert werden, es bestand Lebensgefahr.

Es dauerte einige Tage, bis die Ermittler eine Ahnung davon bekamen, was passiert war. Am 12. April, also knapp eine Woche, nachdem der Mann am Urftsee gefunden worden war, verhaftete die Polizei zwei Männer, sie sitzen seitdem in Aachen in Untersuchungshaft.

Diese Woche nun hat die Aachener Staatsanwaltschaft diese beiden Männer angeklagt, der Hauptvorwurf lautet versuchter Mord. Das bestätigte das Landgericht Aachen am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung. Die beiden Angeklagten sind 36 und 37 Jahre alt, einer kommt aus Euskirchen, der andere aus Meckenheim bei Bonn.

Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatten sich der 36-Jährige, der 37-Jährige und deren späteres Opfer, ein 39 Jahre alter Mann aus Euskirchen, am Abend vor der Tat zum Trinken verabredet. Mit zuvor gekauften Alkoholika fuhren sie in ein Gartenhaus in Euskirchen und begannen zu trinken.

Mit Holzlatten und Baumstämmen

Irgendwann will der 36-Jährige bemerkt haben, dass ihm im Laufe dieses Abends Geld gestohlen worden sein muss und verdächtigte den 39-Jährigen, wie Thomas Birtel am Freitag sagte, Sprecher des Aachener Landgerichts. Daraufhin hätten der 36-Jährige und der 37-Jährige begonnen, mit einer Holzlatte auf den 39-Jährigen einzuschlagen und ihn mit Tritten zu malträtieren.

In den frühen Morgenstunden des 6. April hätten sie den 39-Jährigen auf die Ladefläche eines Kleintransporters geschafft und seien mit ihm 40 Kilometer bis zum Urftsee gefahren, sagte Birtel weiter. Zwischen 4.30 und 5.15 Uhr sollen die Männer dort angekommen sein. Die alte Kreisstraße 7 ist für den Verkehr gesperrt und wird nur noch von Nationalpark-Förstern, Mitarbeitern des Bauhofs und dem Betreiber des Ausflugslokals am Urftsee benutzt.

Die beide Angeklagten sollen den 39-Jährigen aus dem Kleintransporter geholt, ihn mit einem 20 Zentimeter dicken Baumstamm verprügelt, ihn weiter getreten und ihm seine Kleidung und vor allem seine Brille weggenommen haben, steht in der Anklageschrift der Aachener Staatsanwaltschaft.

„Sonst kriegen wir Dich“

Danach hätten sie ein Tau um seinen Oberkörper gebunden und das Ende des Taus am Kleintransporter befestigt. Die beiden Angeklagten seien dann in den Transporter gestiegen, hätten Vollgas gegeben und den 39-Jährigen etwa 500 Meter die K7 entlanggeschleift. Einen Teil der Bekleidung hätten die Männer ihrem Opfer zurückgegeben und ihm gesagt, er solle nicht die Polizei rufen, sagte Birtel weiter. „Sonst kriegen wir Dich.“

So ließen die beiden Angeklagten den 39-Jährigen dort liegen und fuhren laut Anklage davon. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits im April erklärt, dass die Männer dem 39-Jährigen unter anderem Geld und Handy abgenommen hätten.

Gerichtssprecher Birtel sagte, dass weder der 36-Jährige noch der 37-Jährige die Tat bislang gestanden hätten. Sollte die Schwurgerichtskammer des Landgerichts die Anklage zulassen, könnte der Prozess gegen die beiden Männer noch in diesem Jahr beginnen.