1. Region

Böller, Raketen, Wunderkerzen: Verkauf von Silvesterfeuerwerk hat begonnen

Böller, Raketen, Wunderkerzen : Verkauf von Silvesterfeuerwerk hat begonnen

Jubel, Trubel, Böllerei: Traditionell zieht es in der Silvesternacht Zehntausende vor die Tür. Das heißt Großeinsatz für die Polizei auf den großen Feiermeilen. Und auch wenn Umweltschützer dagegen mobil machen: NRW wird es beim Feuerwerk wieder krachen lassen.

Normalerweise ist der Verkauf von Feuerwerk erst ab dem 29. Dezember erlaubt. Weil dieser aber 2019 auf einen Sonntag fällt, beginnt der Feuerwerksverkauf bereits einen Tag früher. Geknallt werden darf aber erst ab dem 31. Dezember.

Das Thema Silvesterfeuerwerk sorgte in diesem Jahr für einige Diskussionen. So forderte beispielsweise die Deutsche Umwelthilfe (DUH), dass in bundesweit 98 mit Feinstaub besonders belasteten Städten nicht mehr geknallt werden dürfe.

In mehreren deutschen Städten gibt es in diesem Jahr wieder Böllerverbotszonen, allerdings zum Schutz der Bewohner und der Altstädte. So ist das Knallen unter anderem rund um den Kölner Dom und in Teilen der Altstadt verboten. Auch in Düsseldorf und Bielefeld werden Verbotszonen eingerichtet.

Zum ersten Mal verbannt auch Aachen Feuerwerk an einigen Stellen: Zum Schutz der historischen Bauten darf auf einer Fläche von rund 55 Hektar kein Feuerwerkskörper abgebrannt werden, der eine Höhe von mehr als zwei Metern erreichen kann.

Etwa 4800 Polizisten sollen in der Silvesternacht dafür sorgen, dass die Menschen in Nordrhein-Westfalen unbeschwert das neue Jahr begrüßen können. „Wir möchten, dass die Menschen in NRW sicher und fröhlich Silvester feiern können. Deshalb wird die NRW-Polizei vor Ort präsent und ansprechbar sein“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU).

Der Silvester-Erlass des Innenministeriums sehe ein offensives und konsequentes Einschreiten der Polizisten vor, wenn es zu Störungen der öffentlichen Sicherheit und zu Gewalttätigkeiten komme. Für die Betreuung bei Sexualdelikten seien besonders qualifizierte Beamtinnen eingesetzt. Reul betonte aber auch: „Hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben, aber die Polizistinnen und Polizisten werden alles tun, um sexuelle Übergriffe und Gewalt zu verhindern.“

Polarisiert ist in diesem Jahr die Debatte über Silvesterfeuerwerke geführt worden. Bereits seit den Sommermonaten hatten Umweltschützer verstärkt mobil gegen die Böllerei zum Jahreswechsel gemacht, weil sie Feinstaub und Müllberge verursache und gefährlich für Tiere und Kinder sei. Laut Umweltbundesamt werden durch das Abbrennen von Feuerwerk jährlich 4200 Tonnen Feinstaub freigesetzt, größtenteils in der Silvesternacht.

Das entspreche in etwa zwei Prozent der insgesamt freigesetzten Feinstaubmenge. Allerdings sei die Luftbelastung am Neujahrstag vielerorts so hoch wie sonst im ganzen Jahr nicht - von den Verletzungsrisiken etwa beim Zünden von Raketen mal abgesehen.

Der Umweltverband BUND mahnt daher ein Umdenken an. Es sei Zeit, „das Bewusstsein für ein zeitgemäßes Silvesterfeuerwerk zu wecken und Alternativen aufzuzeigen: Licht-Shows und öffentliche Pyro-Spektakel statt privates Böllern im Feinstaub-Dunst“, hieß es in einer Mitteilung. Einzelne Händler hatten mit ihrer Ankündigung, Silvesterböller aus dem Sortiment zu nehmen, für Aufsehen gesorgt. Branchenkenner glauben jedoch nicht, dass das den Jahresumsätzen der Pyroindustrie schade.

Entsprechend selbstbewusst verteidigt der Verband der pyrotechnischen Industrie Feuerwerk: Nicht Feuerwerk sondern dessen Missbrauch müsse verhindert werden. Zu einem besonderen Jahreswechsel gehöre für einen großen Teil der deutschen Bevölkerung das individuelle Silvesterfeuerwerk einfach dazu.

Die Deutsche Umwelthilfe hatte bereits im Sommer in vielen Städten ein Verbot privater Silvesterböllerei beantragt - stieß damit jedoch auf Ablehnung in den Kommunen. Zwar gibt es in einzelnen Großstädten auch dieses Jahr wieder Verbotszonen: Dahinter stecken aber Sicherheitsbedenken.

Neben der böllerfreien Zone plant Köln zum Jahreswechsel auch eine stärkere Beleuchtung in bestimmten Bereichen der Stadt, etwa am Bahnhofsvorplatz. Zudem soll es ein Fahrverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen und für Lkw mit Anhängern in der Innenstadt geben.

Besorgt sind Zoll und Ordnungsbehörden über einen anhaltenden Boom bei illegaler Pyrotechnik: 35 000 verbotene Feuerwerkskörper haben Zollfahnder 2018 in NRW sichergestellt. Dieser besonders hohe Wert geht laut Zollfahndungsamt vor allem zurück auf einen großen Fahndungserfolg vor mehr als einem Jahr: Ermittler stellten damals im Rahmen einer bundesweiten Aktion allein in NRW mehr als 18.500 Sprengkörper sicher. 2017 lag die NRW-weit sichergestellte Gesamtmenge etwa bei 7000 Stück, im Jahr davor waren es rund 2800.

Experten warnen regelmäßig vor den Gefahren durch verbotene Böller. Vor allem um den Jahreswechsel komme es immer wieder zu schlimmen Unfällen. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) rät, nur geprüftes Feuerwerk zu kaufen, das mit CE-Zeichen und BAM-Registriernummer gekennzeichnet ist.

(dpa)