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Protest gegen „Umweltsau“-Lied: Verfahren gegen Auflage eingestellt

Protest gegen „Umweltsau“-Lied : Verfahren gegen Auflage eingestellt

Ein Strafprozess wegen einer Protestaktion gegen das „Umweltsau“-Lied des WDR ist am Freitag in Köln gegen Geldauflage eingestellt worden.

Der 20 Jahre alte Angeklagte hatte am 5. Januar mit vier Mittätern per Leiter das Dach des WDR-Funkhauses erklommen und ein Plakat mit der Aufschrift: „WDRliche Medienhetze stoppen! GEZ sabotieren!“ entrollt. Zudem warfen die Männer Flugblätter.

Der Angeklagte, dem Hausfriedensbruch und Verstoß gegen das Versammlungsgesetz vorgeworfen wurden, räumte beim Kölner Amtsgericht eine Teilnahme an der Aktion ein. Dabei habe es sich um eine Reaktion auf den „Aufschrei“ gegen das sogenannte „Umweltsau“-Lied des WDR-Kinderchors gehandelt. In dem satirisch gemeinten Lied hatte der Kinderchor auf die Melodie von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ unter anderem „Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau“ gesungen. Um die Jahreswende 2019/2020 rief das Lied einen Shitstorm in den sozialen Medien hervor und führte zu Kundgebungen gegen und für den Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Köln.

Der 20-Jährige bekannte sich vor Gericht zu seiner Mitgliedschaft bei der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingeschätzten Bewegung der „Identitären“. Weil der Azubi im Landmaschinenbau noch bei seiner Mutter lebt, regte die Jugendgerichtshilfe die Anwendung von Jugendstrafrecht an. Der Einschätzung schloss sich die Staatsanwaltschaft nur widerwillig an und stimmte schließlich einer Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage zu. Ansonsten wären umfangreiche Nachermittlungen zum Reifegrad des 20-Jährigen notwendig gewesen. „Ich will das Verfahren hier nicht unnötig aufblähen“, sagte der Staatsanwalt.

Wie ein Sprecher des Amtsgerichts auf dpa-Nachfrage mitteilte, sind drei weitere Verfahren gegen Erwachsene wegen der Aktion am Amtsgericht anhängig, deren Verhandlungsdatum aber noch nicht feststeht. Gegen einen weiteren ebenfalls heranwachsenden Beschuldigten sei das Verfahren abgetrennt und an die für dessen Wohnsitz zuständige Staatsanwaltschaft Stuttgart abgegeben worden.

(dpa)