Aachen: Verdienste um die Kunstgeschichte: Trauer um Professor Hans Holländer

Aachen: Verdienste um die Kunstgeschichte: Trauer um Professor Hans Holländer

Der längjährige Inhaber des Lehrstuhls für Kunstgeschichte an der RWTH Aachen, Professor Hans Holländer, ist mit 85 Jahren in Berlin gestorben. Der promovierte Kunsthistoriker hatte den Lehrstuhl von 1971 bis zu seiner Emeritierung 1997 inne.

Am sogenannten Reiff-Museum, dem Gebäude der Architekturfakultät, wo der Lehrstuhl für Kunstgeschichte heute noch beheimatet ist, galt Holländer über Jahrzehnte als Institution, der zahllosen Aachener Architektur- und Kunstgeschichtsstudenten die Finessen der Bildbetrachtung beibrachte. Die Detailfreude, die der gebürtige Hamburger dabei an den Tag legte, war legendär. Immer wieder lenkte er dabei den studentischen Blick auf die „figura serpentinata“, die Darstellung einer dynamischen, in sich gedrehten Figur — das Stilmittel der Spätrenaissance.

Hans Holländer war 1959 an der Universität Tübingen promoviert worden. Zeitgleich mit seinem Ruf an die RWTH Aachen wurde er auch Direktor der Sammlung Reiff-Museum, eine Kopiensammlung nach Alten Meistern. Holländers Spezialgebiet war die Kunst des Mittelalters, 1975 verfasste er ein Standardwerk über „Hieronymus Bosch. Weltbilder und Traumwerk“. Weitere Forschungen galten Paul Wunderlich und Rudolf Hausner.

Holländer war ein leidenschaftlicher Wissenschaftler und brillanter Lehrer, der es verstand, Studenten und Kollegen für die Schnittstelle zwischen Kunst, Literatur und Philosophie, Technik und Naturwissenschaften zu faszinieren. Der Bildgeschichte von Naturwissenschaften und Technik widmete er diverse Studien.

Nach seiner Emeritierung zog Hans Holländer nach Berlin, wo er unter anderem über den ältesten Berliner Schachklub („Schadows Schachklub“) forschte. Als passionierter Schachspieler befasste er sich auch mit Schachhistorie und Schach in der Kunst, widmete sich unter anderem den Schachfiguren im Berliner Bode-Museum. Bis zuletzt galt sein besonderes Interesse der Geschichte dieses Spiels.

Mehr von Aachener Zeitung