Aachen: USA wollen den Jülicher Atommüll

Aachen: USA wollen den Jülicher Atommüll

Die USA sind bereit, die 152 Castoren mit hoch radioaktivem Müll aus Jülich aufzunehmen. Das geht aus der Umweltverträglichkeitsstudie hervor, die das amerikanische Department of Energy in der Nacht zum Freitag veröffentlicht hat.

Nach Ansicht der Behörde stellen die ehemaligen Brennelemente des Jülicher Hochtemperaturreaktors keine Gefahr für Mensch und Umwelt dar, wenn sie im US-amerikanischen Zwischenlager Savannah-River-Site in South Caroline untergebracht sind.

Damit bringen die Amerikaner überraschend wieder eine Zukunftsvariante für den Jülicher Atommüll ins Spiel, die von vielen Experten abgeschrieben worden war. Die Verschiffung der Castoren nach Übersee galt vielen als unrealistische Variante, weil das Verfahren juristisch umstritten ist. Zudem ist man auf den guten Willen der amerikanischen Regierung angewiesen. Dennoch wurden die Planungen dafür nie aufgegeben. Mit der nun offiziellen Bereitschaft der USA, den Müll tatsächlich anzunehmen, ist ein großes Hindernis beseitigt.

Oliver Krischer aus Düren, stellvertretender Fraktionschef der Grünen im Bundestag, warnt davor, die USA-Option für den Jülicher Atommüll weiter zu verfolgen. Der Export von deutschem Atommüll ist aus seiner Sicht seit der Verabschiedung des Standortauswahlgesetzes, das die Suche nach einem Endlager regelt, verboten. „Wenn es nun tatsächlich die Bemühungen geben würde, die Jülicher Castoren in die USA zu transportieren, stünde der große Konsens, den alle Parteien auf der Suche nach einem Endlager in Deutschland erzielt haben, wieder infrage“, sagte Krischer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen JEN bewertet die rechtliche Lage wohl anders. In einer Stellungnahme teilt das Unternehmen mit, dass es noch technische Fragen zu klären gebe, bevor über den Export der Brennelemente entschieden werden könne. Es würden nun alle weiteren Schritte in die Wege geleitet, um die USA-Option verfolgen zu können.

Material stammt ursprünglich aus den USA

Im Jahr 2014 hatten deutsche und amerikanische Behörden eine gemeinsame Vereinbarung unterzeichnet, mit dem Ziel die Jülicher Brennelemente in die USA zu transportieren. Dazu besteht die grundsätzliche Möglichkeit, weil das hoch angereicherte Uran in den Brennelementen ursprünglich aus den USA stammt.

In Jülich lagern insgesamt 152 Castorbehälter mit knapp 300.000 alten Brennelementen. Eigentlich dürfte der Atommüll gar nicht mehr in Jülich stehen, da die Betriebserlaubnis für die Einrichtung bereits Mitte 2013 abgelaufen ist. Obwohl die Atomaufsicht-NRW 2014 eine Räumungsanordnung erlassen, hat ist immer noch unklar, wie es mit den Castoren weitergeht.

Drei Varianten werden schon seit Jahren geprüft: Der Bau eines neuen Zwischenlagers in Jülich, der Transport ins Zwischenlager Ahaus und der Transport in die USA. Bleibt abzuwarten, ob die Signale aus den USA Bewegung in die Planungen bringt.