Aachen/Übach-Palenberg: Urteil im Eifersuchtsdrama: Tragische Unfallfahrt war kein Mordversuch

Aachen/Übach-Palenberg : Urteil im Eifersuchtsdrama: Tragische Unfallfahrt war kein Mordversuch

Richter Roland Klösgen hat so etwas wie Stolz auf die Justiz empfunden. Durchaus zu Recht, wie der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht in der Urteilsverkündung feststellte, sei der Fall des 27-jährigen Thomas M. zunächst als versuchter Mord angeklagt worden. Verurteilt aber wurde er am Donnerstag wegen gefährlicher Körperverletzung, Drogenhandel, Waffenbesitz, Bedrohung, Unfallflucht und wegen eines „gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“ — zu vier Jahren Haft.

„Nach einer langwierigen Beweisaufnahme ergab sich zweifelsfrei ein anderes Bild“, stellte Klösgen sachlich fest, ein „Klassiker“ eines Strafverfahrens sei das.

Laut Staatsanwaltschaft sollte der Angeklagte rasend vor Eifersucht am 11. Dezember 2017 nach 20 Uhr unter Alkohol- und Drogeneinfluss auf der Alten Poststraße in Übach-Palenberg seinen vermeintlichen Nebenbuhler angefahren und schwer verletzt haben. Das Opfer flog nach dem Aufprall am rechten Kotflügel hoch in die Luft, schlug mit dem Kopf gegen ein vorstehendes Dach, danach knallte der Körper auf die Straße, der Mann erlitt zahllose Knochenbrüche und ein Hirntrauma. Er wurde in die Aachener Uniklinik eingeliefert und überlebte den Zusammenstoß knapp.

Der Angeklagte M. hatte kurz zuvor von seiner Freundin den Laufpass bekommen. Ilona W. wohnte in Übach-Palenberg mit ihrem Kleinkind. Der laut Gericht ebenso drogen- wie alkoholabhängige Angeklagte wollte die Trennung nicht wahrhaben, verstieg sich in krankhafte Eifersuchtsfantasien und stieß wiederholt Drohungen sowohl gegen den Vater des Kindes seiner Ex-Freundin wie auch gegen einen weiteren Mann aus, den er für einen Nebenbuhler hielt.

Als er seinen Drohungen an jenem Abend Taten folgen ließ, wusste er nicht, dass unter einer ins Gesicht gezogenen Kapuze eines Mannes vor der Wohnung der früheren Freundin nicht der verhasste Nebenbuhler steckte, sondern sein bester — und einziger — Freund. Der wollte nur die Katze von M. dort bei der Ex abholen.

Aus vorherigen und späteren Telefonaten des Angeklagten und nach Zeugenaussagen schloss das Gericht, dass M. zwar rasend eifersüchtig war, in diesem Moment jedoch eben nicht bewusst Gas gegeben hatte, um seinen vermeintlichen Nebenbuhler mit dem Auto zu töten.

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