Unwetter sorgen für Hochwasser und Unfälle im Kreis Heinsberg

Region : Unwetter sorgen für Hochwasser und Unfälle im Westen

Zum dritten Mal innerhalb einer Woche trafen schwere Unwetter den Westen des Kreises Heinsberg. Während die Gemeinde Gangelt diesmal verschont blieb, traf die Gemeinde Selfkant das Unwetter mit voller Wucht. Zudem waren die Einsatzkräfte auf der A46 zwischen Mönchengladbach und Heinsberg gefordert.

Um kurz nach drei Uhr nachmittags wurden die ersten Einheiten der Feuerwehr Selfkant zur Beseitigung von Unwetterschäden alarmiert. Hierbei wurden die Einsatzkräfte der Feuerwehr insbesondere in dem stark betroffenen Ortsteil Schalbruch, aber auch in Millen und Havert eingesetzt. Binnen weniger Minuten drangen große Wassermassen in Schalbruch ein und überfluteten Straßen und Keller.

„Die Hochstraße war ein reißender Fluss,“ sagt Selfkants Ordnungsamtschef Frank Bienwald. Teilweise standen die Kellerräume der Wohnhäuser bis zur Kellerdecke unter Wasser. Um 16.19 Uhr wurden die Einheit Gangelt sowie die Bauhofstaffel der Feuerwehr Gangelt zur Unterstützung angefordert.

Zwanzig Einsatzkräfte der Feuerwehr Gangelt unter der Leitung des stellvertretenden Kreisbrandmeisters Günter Paulzen eilten ihren Kameraden im Selfkant zur Hilfe. Zudem stellte die Einheit Stahe-Niederbusch sowie die Drehleiterbesatzung der Feuerwehr Gangelt den Grundschutz für das Gemeindegebiet Selfkant sicher.

Die Einheit Gangelt wurde zunächst zur Bundesstraße 56 neu (B56n) beordert. Dort stand kurz vor der niederländischen Grenze die Fahrbahn der Bundesstraße mehrere Zentimeter hoch unter Wasser. Die Feuerwehr sicherte die Einsatzstelle auf der stark befahrenen Straße und beseitigte die Gefahr. Durch die Wassermassen kam es zu erheblichen Behinderungen im Feierabendverkehr auf der Bundesstraße.

In Schalbruch unterstützte die Bauhofstaffel der Feuerwehr Gangelt währenddessen die Feuerwehr Selfkant. Gemeinsam befreiten die Einsatzkräfte die Räume einer sehr großen Kellerwohnung von den Wassermassen. In einem Gebäude hatte sich das Wasser von hinten durch die Terrassentür über das Wohnzimmer bis zur Straße seinen Weg gebahnt.

Wasser aus Wohnung pumpen

Mit vier Pumpen gelang es den Einsatzkräften, dass Wasser weitestgehend aus der Wohnung zu befördern. Zur Versorgung der Einsatzkräfte mit Getränken und Nahrung wurde gegen 18 Uhr die 1. Einsatzeinheit NRW des Deutschen Roten Kreuzes alarmiert. Diese sorgte für eine Stärkung der Einsatzkräfte im Feuerwehrgerätehaus Schalbruch-Havert. Gegen 21 Uhr konnten die Einsatzkräfte der Feuerwehr Gangelt ihren Heimweg antreten. Anschließend wurden die Fahrzeuge wieder einsatzbereit gemacht, um für den nächsten Einsatz gewappnet zu sein.

Insgesamt waren rund 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr und DRK unter der Leitung von Gemeindebrandinspektor Josef Dahlmanns (Selfkant) zunächst von etwa 15 Uhr bis Mitternacht im Einsatz. Doch auch am Mittwoch waren die Arbeiten längst nicht beendet. Mit zwei Hochdruckwasserkehrmaschinen mussten die Straßen vom Schlamm gereinigt werden, und in der Nähe des prall gefüllten Überlaufbeckens Im Heidfeld mussten Gebäude mit Sandsäcken gesichert werden, wie Frank Bienwald auf Nachfrage berichtete.

Auch auf der Autobahn A46 von Mönchengladbach nach Heinsberg mussten Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst zu mehreren Einsätzen wegen des Starkregens ausrücken. Ein Autofahrer hatte die Kontrolle über seinen Wagen verloren und war in die Leitplanke geschleudert. Der Sicherheitsgurt und die Airbags verhinderten Schlimmeres, so dass der Mann nur leichte Verletzungen erlitt.

Die Kontrolle verloren

Dieser Unfall löste durch Schmutz und Autoteile, die auf die Gegenfahrbahn geschleudert wurden, einen weiteren Unfall aus. Wie die Erkelenzer Feuerwehr berichtet, verlor ein Autofahrer auf der A46 in Richtung Düsseldorf im Regen die Kontrolle über seinen Wagen und kam nach rechts von der Fahrbahn ab. Dort landete das Auto im Feld. Der Fahrer wurde ebenfalls leicht verletzt.

Die Feuerwehr kontrollierte anschließend den Bereich bis zur Anschlussstelle Jüchen und die Autobahn A61, stellte aber keine Gefahrenstellen oder Unfälle fest.

In Höhe des Parkplatzes Herrather Linde ereignete sich anschließend ein dritter Unfall. Dort fuhr ein Auto auf ein anderes auf. Auch hier wurde nur ein Fahrer leicht verletzt und vom Rettungsdienst zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Die Feuerwehren aus Rheydt und Mönchengladbach waren im Einsatz.

Das Unwetter hat auch in den benachbarten Niederlanden größere Schäden angerichtet. Besonders Sittard-Geleen und Munstergeleen wurden hart getroffen, auch rund um Meerssen und Ulestraten musste die Feuerwehr wiederholt zu Einsätzen ausrücken. Nach Angaben der Feuerwehr ging es vor allem um undichte Dächer, vollgelaufene Keller und Straßen, die bis zu einem halben Meter unter Wasser standen und sich mancherorts in reißende Fluten verwandelten.

Wegen der Vielzahl der Einsätze richtete die Feuerwehr zwei Krisenzentren ein. In Schinnen bei Sittard sind zwei Häuser für unbewohnbar erklärt worden. Dutzende weitere haben mehr oder weniger große Schäden davongetragen. Eins Schlammlawine habe sich wie ein Tsunami die Dorfstraße hinuntergewälzt, berichtet eine Anwohnerin.

Die Wetterstation des Flughafens Maastricht Aachen in Beek verzeichnete einen Temperaturabfall von 22 auf elf Grad, in einer halben Stunde fielen 47 Millimeter Niederschlag. Im gesamten Mai kommen sonst 66 Millimeter nieder, meldet die Zeitung „De Limberger“. Die Unwetter, aus denen auch große Hagelkörner herabregneten, verharrten lange an Ort und Stelle, weil wenig Wind herrschte. Auch auf den niederländischen Autobahnen kam es zu Verkehrsbehinderungen.

Im Rest von Nordrhein-Westfalen war außerdem der Raum Duisburg, Düsseldorf, Mönchengladbach, das Sieger- und Sauerland und die Eifelregion um Bad Münstereifel betroffen. Dort blieb das Unwetter aber zunächst ohne größere Auswirkungen. In Mechernich musste die Feuerwehr einige Kanäle von Schlamm befreien, damit die Straßen nicht zu stark überfluten. Es blieb Dreck auf den Straßen zurück.

Am vergangenen Mittwoch hatte ein Tornado bei Viersen für Chaos,abgedeckte Dächer, beschädigte Autos und etliche umgeknickte Bäume gesorgt. Die Regenmassen hatten Keller und Straßen im Kreis Heinsberg überflutet. Besonders betroffen waren Karken, Kirchhoven, Dremmen, Porselen sowie Teile der Gemeinden Waldfeucht und Gangelt.

(jas/hau)
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