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Unwetter in NRW: Starkregen, Gewitter und Tornado möglich

Tornado-Gefahr besteht : Schwere Gewitter und Starkregen in der Region

Auf die sonnigen Tage in NRW folgen heftige Gewitter. Die Menschen müssen mit Sturmböen und schweren Schauern rechnen. Auch Tornados sind laut Wetterdienst möglich.

Das Wetter in Nordrhein-Westfalen wird am Donnerstag und Freitag ungemütlich – und womöglich sogar gefährlich. Die Menschen im Südwesten wurden am Donnerstag als erste im Land von Gewittern und Sturm getroffen. Bereits am Mittag zog das Gewitter über die Städteregion Aachen, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Auch für den Kreis Düren und den Kreis Heinsberg hatte der DWD am Donnerstag eine amtliche Unwetterwarnung vor schwerem Gewitter der Stufe 3 von 4 herausgegeben. Die Warnung für die Region wurde um 16.30 Uhr wieder aufgehoben.

Für den Rest des Landes gilt die Warnung weiter: Dabei besteht die Gefahr von heftigem Starkregen zwischen 25 und 40 Litern pro Quadratmeter in kurzer Zeit. Zudem können Sturmböen oder schwere Sturmböen zwischen 80 und 100 Kilometern pro Stunde auftreten, lokal auch Orkanböen um 120 Stundenkilometer. Örtlich ist auch größerer Hagel mit einem Durchmesser von mehr als 2 Zentimetern wahrscheinlich. Bis 22 Uhr kann es weiter ungemütlich bleiben.

Die Feuerwehr Aachen hat die Lage stets im Blick. Sie weist darauf hin, nicht in vollgelaufene Straßensenken zu fahren oder überflutete Gehbereiche zu durchqueren. Dort bestehen Gefahren beispielsweise durch hochgespülte Gullydeckel und offene Kanalschächte. Auch von Flüssen und Bächen können Überschwemmungen ausgehen.

Auch der Aachener Stadtbetrieb ist mit dem Bereich Baumpflege in Bereitschaft und wird in Absprache mit der Feuerwehr im Einsatz sein. „Man sollte sich nicht unter Bäumen aufhalten“, betont Andreas Schulz, Teamleiter Baumpflege des Stadtbetriebs. Schon Windstärke 9 reiche bei belaubten Bäumen aus, um Äste zu brechen, die willkürlich herunterfallen können. Gleiches gilt für den Aachener Wald: Auch dort sollte in den nächsten Tagen auf Spaziergänge verzichtet werden. Äste können abbrechen und zu einer Gefahr werden.

Die Stadt Köln bittet die Bevölkerung ebenfalls, am Donnerstagnachmittag Waldgebiete, Parkanlagen, Friedhöfe und Alleen zu meiden. Der Düsseldorfer Wildpark und der Zoo Dortmund wurden wegen des angekündigten Unwetters bereits am Nachmittag geschlossen. Die Tiere des Zoos seien vorsorglich in die Innengehege gebracht worden, teilte eine Sprecherin in Dortmund mit. Am Freitag werde entschieden, ob der Zoo wieder öffnen könne.

Der ADAC ruft Autofahrer dazu auf, besonders vorsichtig zu fahren. „Die Geschwindigkeit deutlich reduzieren, den Sicherheitsabstand vergrößern und vorausschauend fahren, ist bei starkem Regen das A und O“, sagte der ADAC-Verkehrsexperte Roman Suthold.

Die Gewitterfront hat sich am Mittag über Belgien und den Niederlanden gebildet und bewegt sich von dort aus in Richtung Westen. In Belgien wurde der „Code Gelb“ zur Wetterlage ausgerufen, wie das Grenzecho berichtet. Das Innenministerium hat die Rufnummer 1722 für nicht lebensbedrohliche Notfälle freigeschaltet. Damit soll die Notrufnummer 112 im Falle eines Unwetters entlastet werden.

Nach DWD-Angaben erreicht die Lage mit Blitz und Donner am Freitag mit dem Durchzug eines Gewittertiefs ihren Höhepunkt. In der Nacht zum Freitag lassen die Schauer und Gewitter vorübergehend nach, leben am frühen Morgen aber vor allem im Süden neu auf, teils mit starken Gewittern.

Auch im Tagesverlauf besteht nach Angaben des DWD deutlich erhöhtes Gewitter- und Unwetterpotenzial. Wie am Donnerstag kann es erneut zu teils heftigem Starkregen, Hagel sowie schweren Sturmböen, vereinzelt auch zu orkanartigen Böen kommen. Die Höchstwerte liegen zwischen 24 und 28 Grad. An diesem Tag gebe es in NRW eine höhere Wahrscheinlichkeit für vereinzelte Tornados als gewöhnlich. Ob, wo und wann die schlauchartigen Stürme über das Land fegen könnten, lasse sich noch nicht vorhersagen. „Wir können nur kurzfristig vor einem Tornado warnen, etwa fünf bis sechzig Minuten vorher“, so der Tornado-Experte Andreas Friedrich vom DWD. Sehe man eine schwarze Wand auf sich zukommen, sollte man schnell Schutz in fensterlosen Innenräumen oder Kellern suchen. Im vergangenen Jahr hatte es in Deutschland zwischen 40 und 80 Tornados gegeben.

Andy Holz von Hürtgenwaldwetter warnt für Freitag vor Hagelschlag, der zwischen 3 und 5 Zentimetern liegen kann. Auch er verweist auf die erhöhte Tornado-Gefahr in der Region. Aufgrund der Dynamik sei dies aber noch unsicher.

Der Grund für die Gewitterlage ist eine warme und zunehmend sehr feuchte Luftmasse, die mit einer südwestlichen Strömung nach NRW geführt wird. Die Niederschlagswerte während der Flutkatastrophe 2021 seien aber deutlich höher gewesen, so ein Meteorologe. Damals habe es sich um einen „Dauerregen-Zustand gehandelt, der eine extrem große Fläche eingenommen hat.“

In der Nacht zu Samstag ziehen Schauer und Gewitter nach Osten ab. Es bleibt überwiegend trocken mit Tiefstwerten zwischen zwölf und acht Grad.

Der Samstag wird voraussichtlich wechselnd bewölkt. Am Vormittag werden nördlich der Ruhr vereinzelt Schauer erwartet, ansonsten bleibt es laut DWD überwiegend niederschlagsfrei. Es wird deutlich kühler mit Höchsttemperaturen zwischen 18 und 22 Grad und um die 16 Grad im Bergland. Im Nordosten des Landes kann es aber immer noch zu starken Böen kommen. Die Nacht zu Sonntag bleibt wohl niederschlagsfrei.

(dpa/red)