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Unwetter: Die Dauerregen-Lage in NRW

Lage in NRW : Vollgelaufene Keller und überflutete Straßen durch Dauerregen

Das ist nicht gerade Ferienwetter: In der Nacht zum Mittwoch gibt es so heftigen und andauernden Regen, dass Keller voll laufen und Straßen in NRW überschwemmt werden. Hotspot ist Hagen.

Geschlossene Kitas, ein evakuiertes Seniorenheim, von Wassermassen eingeschlossene Autofahrer und einige kaum erreichbare Ortsteile: Nach starken Regenfälle in der Nacht zu Mittwoch in viele Teilen Nordrhein-Westfalens hat es die Ruhrgebietsstadt Hagen besonders schwer getroffen. Ein Altenheim mit 76 Bewohnern wurde am Mittwoch wegen einströmender Wassermassen evakuiert. „Das Seniorenheim ist sehr stark betroffen und unbewohnbar geworden“ sagte ein Stadt-Sprecher.

Auch in anderen Teilen des Landes wurden Bäche zu reißenden Strömen. Es kam zu Erdrutschen, Straßen wurden überspült, Keller liefen voll und der Bahn- und Straßenverkehr war gestört. Eine Mitarbeiterin eines Seniorenheims in Mettmann nahe Düsseldorf wurde von einem umstürzenden Baum schwer verletzt und wäre beinahe ertrunken. Ein Helfer habe den Kopf der Frau über Wasser halten können, bis Feuerwehrleute die eingeklemmte Frau befreit hatten, teilte die Feuerwehr mit.

In Hagen wurden Eltern gebeten, ihre Kinder nicht in die Kita zu schicken und auch die Ferienbetreuung an den Grundschulen nicht zu nutzen. „Wir wollen so wenig Fahrten durch das Stadtgebiet haben wie möglich“, betonte der Sprecher. Es gebe auch Schäden in einigen Kitas nach den starken Regenfällen in der Nacht. Eine verschüttete Person sei leicht verletzt gerettet worden. Mehrere Fahrer seien aus ihren von Wassermassen eingeschlossenen Autos befreit worden. An mehreren Stellen seien durch die Wassermassen zum Teil Wände von Gebäuden eingestürzt. Der Krisenstab der Stadt tagte. Es gab mindestens 200 Einsatzorte. 440 Feuerwehrleute und weitere Retter waren im Einsatz.

Besonders stark getroffen war der Süden von Hagen mit vier Stadtteilen, die zum Teil nicht mehr zu erreichen seien. Der Ortsteil Dahl sei praktisch abgeriegelt – außer für Einsatzkräfte, auch Ärzte könnten im Notfall durchkommen. So sei ein Unimog, der auch Geröll überwinden könne, als Rettungswagen ausgerüstet worden, um eine notärztliche Versorgung absichern zu können. Hänge rutschten ab, überflutete Fahrbahnen wurden gesperrt. Hunderte Notrufe gingen bei der Feuerwehr ein. Die Polizei appellierte an die Bevölkerung, Zuhause zu bleiben. Externe sollte nicht in die Stadt einfahren.

In Düsseldorf rückte die Feuerwehr zu rund 330 Einsätzen aus. Auch die Tiefgarage des Rheinmetall-Konzerns war betroffen – dort stand das Wasser 40 Zentimeter hoch. Es mussten 1,6 Millionen Liter aus der Tiefgarage des Unternehmens gepumpt werden. Um Kunstwerke im Wert von rund fünf Millionen Euro in einer Galerie zu schützen, waren Feuerwehrleute stundenlang im Einsatz.

In Erkrath nahe der Landeshauptstadt mussten etwa 100 Bewohner eines Wohnheims weichen. Die Unterkunft für Geflüchtete befinde sich in einem alten Schulgebäude, dort sei der Keller und die Sporthalle voll Wasser gelaufen, hieß es bei der Stadt. Anwohner wurden über die Sozialen Medien aufgerufen, möglichst „kein weiteres Abwasser zu produzieren und möglichst nur noch die Toilette zu nutzen“. Demnach sollen „Duschen, Waschen und die Nutzung der Spülmaschine“ unterlassen werden, „um die Situation nicht zu verschärfen“. Die Abwasserkanäle seien stark überfüllt.

Vollgelaufene Keller und verstopfte Gullys riefen die Feuerwehr in Wuppertal und Solingen auf den Plan. In Altena im Sauerland kämpften Einsatzkräfte gegen Wasser-, Erd- und Geröllmassen, wie ein Feuerwehrsprecher berichtete. Von den umliegenden Hängen seien an mehreren Stellen größere Wassermengen auf die Stadt herabgestürzt, es sei zu „massiven Abrutschen“ gekommen. Bisher habe es keine Verletzten gegeben.

Wegen eines überfluteten Tunnels nach dem heftigen Starkregen ist die A44 bei Düsseldorf am Mittwoch auf einem Abschnitt in beide Fahrtrichtungen gesperrt. Wie die Autobahn GmbH mitteilte, soll die Sperrung bis zum Donnerstag bestehen bleiben. Der Verkehr werde im Autobahnkreuz Düsseldorf-Nord abgeleitet und könne über den Flughafentunnel ausweichen, hieß es. In beide Richtungen bildeten sich mehrere Kilometer Stau.

Auch auf weiteren Autobahnabschnitten sorgten nach den unwetterartigen Regenfällen überschwemmte Fahrbahnen für Verkehrsbehinderungen. So war es nach Angaben der Autobahnniederlassung Rheinland am Mittag nicht möglich im Kreuz Köln-Süd von der A555 auf die A4 nach Aachen zu fahren. Auf einer überfluteten Fahrbahn der A4 zwischen Weisweiler und Langerwehe konnte das Wasser nach dem Einsatz der Autobahnmeistereien dagegen schnell wieder abfließen. Von einer Baustelle auf der Autobahn 46 in Richtung Wuppertal wurde Kies weggespült, was zeitweise Vollsperrung bedeutete.

Die Feuerwehr in Köln meldete 180 unwetterbedingte Einsätze. Der kräftige Regen lässt auch den Rhein weiter steigen. Der Pegelstand lag in Köln am Mittwochmorgen bei 5,47 Metern – mit langsam steigender Tendenz, wie eine Sprecherin der Stadtentwässerungsbetriebe sagte. Für Donnerstagmorgen erwarte man 5,70 Meter. „In Teilen des Rheineinzugsgebiets ist Dauerregen vorhergesagt.“ Voraussichtlich am Freitagmorgen würden die sieben Meter überschritten. „Und am Wochenende können wir zum jetzigen Zeitpunkt die acht Meter nicht ausschließen“, sagte die Sprecherin.

 Der Rhein bei Köln schwappt im Regen an das Ufer.
Der Rhein bei Köln schwappt im Regen an das Ufer. Foto: dpa/Oliver Berg

Der Hydrologe Jan Böhme vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein sagte, für den Bereich Bonn bis Köln seien Schifffahrtseinschränkungen nicht auszuschließen. Die Marke dafür liege bei 8,30 Metern. Der Scheitel des Hochwassers werde für Anfang nächster Woche erwartet.

Der Starkregen sorgte bei der Bahn im Regionalverkehr rund um Hagen für Beeinträchtigungen. In Essen wurde die Weiße Flotte durch den Regen ausgebremst. Auf dem Baldeneysee und der Ruhr sei aufgrund des hohen Pegelstandes in Hattingen die Schifffahrt komplett untersagt worden, teilte die Weiße Flotte Baldeney-GmbH mit.

Die anhaltenden starken Regenfälle haben nach Angaben von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zu einer „außerordentlich schwierigen Lage“ in einigen Regionen des Landes geführt. „Die weitere Entwicklung ist derzeit nicht mit Sicherheit absehbar“, sagte Reul am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

Seit Dienstag hätten landesweit rund 3900 Kräfte fast 2100 Einsätze bewältigt. „Viele von ihnen sind ehrenamtlich tätig und arbeiten gerade unermüdlich, um die Wassermassen zu bewältigen“, so der Minister. Ihnen und allen anderen Helfern und Einsatzkräften in den betroffenen Regionen sei er sehr dankbar, sagte Reul.

Trockenere Zeiten sind vorerst nicht in Sicht. Für weite Teile des Landes galt am Mittwoch die höchste Warnstufe, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte. Bis in die Nacht soll gebietsweise Starkregen fallen. In der Nacht zum Donnerstag verlagert sich der Starkregen dann auf die Westhälfte.

(dpa)