Aachen: Unterkünfte für bis zu 900 Flüchtlinge auf Vogelsang

Aachen: Unterkünfte für bis zu 900 Flüchtlinge auf Vogelsang

Die Bezirksregierung Köln plant, auf der früheren nationalsozialistischen Ordensburg Vogelsang im Nationalpark Eifel bis zu 900 Flüchtlinge unterzubringen. Das sei das Ergebnis mehrerer Ortsbesichtigungen während der vergangenen Tage, teilte die Bezirksregierung am Dienstag mit.

Noch im Juli hatte die Bezirksregierung auf Anfrage unserer Zeitung erklärt, Vogelsang sei wegen seiner belasteten Historie „politisch ungeeignet“ für die Einrichtung von Notunterkünften. Außerdem sei die Abgelegenheit Vogelsangs „schlecht für die Integration der Flüchtlinge“.

Die früheren Truppenunterkünfte, die nun renoviert und zu Notunterkünften umgebaut werden sollen, liegen etwa einen Kilometer vor dem noch im Bau befindlichen Besucherzentrum im Adlerhof. Die Bezirksregierung sei dabei, für die Baracken ein Brandschutzkonzept zu erstellen und zu prüfen, welche Bauarbeiten an den seit zehn Jahren leerstehenden Gebäuden notwendig sein werden, hieß es am Dienstag.

Gebaut werden soll in mehreren Abschnitten: „Nach Bezug der ersten Häuser erhalten die Bewohner die Möglichkeit, sich bei der Herrichtung der weiteren Häuser handwerklich einzubringen“, heißt es in einer Mitteilung der Bezirksregierung.

Das fünf Hektar große Vogelsang-Areal gehört über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) der Bundesrepublik. Besagte Baracken sollen nun dem Land Nordrhein-Westfalen vermietet werden. Die Ertüchtigung und die Renovierung der Unterkünfte soll von Bund und Land bezahlt werden. Wann die ersten Flüchtlinge auf Vogelsang untergebracht werden können, steht noch nicht fest.

Die frühere Ordensburg wird seit 2012 um- und ausgebaut, danach soll Vogelsang zum „touristischen und bildungspolitischen Leuchtturm der Region“ werden, wie Manfred Poth, Aufsichtsratsvorsitzender des Betreibers Vogelsang GmbH, erst Ende Juli betonte. Da war von Notunterkünften allerdings noch keine Rede.

Inwieweit Hunderte oder gar 900 Flüchtlinge auf Vogelsang das vorgesehene Nutzungskonzept beeinträchtigen werden, ist nicht ganz klar. Poth ließ eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung am Dienstag unbeantwortet. Thomas Fischer-Reinbach, Geschäftsführer der Standortentwicklungsgesellschaft Vogelsang (SEV), erklärte, es sei nicht absehbar, „ob durch die temporäre Unterbringung von Flüchtlingen in den Baracken, die Gesamtentwicklung eher beeinträchtigt wird oder sogar neue Impulse erhält“. Er stehe einer „temporären Nutzung (...) positiv gegenüber“.