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Düsseldorf: Unseriöse Lockvogel-Angebote am Internet-Pranger

Düsseldorf : Unseriöse Lockvogel-Angebote am Internet-Pranger

Im Kampf gegen unlautere Lockvogel-Angebote hat Deutschlands größte Verbraucherzentrale enttäuschten Schnäppchenjägern ein Beschwerdeforum im Internet geschaffen.

Egal ob Kindershorts zum Sparpreis, unschlagbar günstige Notebooks oder extrabillige Rasenmäher - Schnäppchenangebote locken Kunden oft schon lange vor Ladenöffnung in Warteschlangen vor die Geschäfte. Häufig sind die Produkte innerhalb weniger Stunden ausverkauft.

Die Verbraucherzentrale (VZ) Nordrhein-Westfalen meldet eine Flut von Beschwerden über solche Lockangebote. Die Verbraucherschützer fordern klarere gesetzliche Regeln, die Unternehmen zu größeren Vorräten verpflichten oder dazu, das Produkt aus der Werbung zum genannten Preis zu beschaffen. Ein Beschwerdeforum auf den Internetseiten der Verbraucherzentrale solle helfen, die schwarzen Schafe unter den Anbietern zu entlarven, kündigten die Verbraucherschützer am Mittwoch in Düsseldorf an.

„Viele Verbraucher fahren auf der Suche nach den Sonderangeboten von einer zur nächsten Filiale, nur um festzustellen, dass das Produkt überall ausverkauft ist”, sagte Theo Wolsing von der Verbraucherzentrale NRW. „Da staut sich selbstverständlich Frust auf.” Im neuen Beschwerdeforum könnten Verbraucher ihre vergeblichen Kaufversuche ab sofort melden - mit genauen Angaben zu Unternehmen, Produkt, Werbung und den Reaktionen der Verkäufer.

Von dem Pranger im Internet erhoffen sich die Verbraucherschützer vor allem einen Öffentlichkeitseffekt. Es könne keinem Anbieter daran gelegen sein, im Internet-Forum als unseriöser Lockvogel geoutet zu werden, sagte VZ-Vorstand Klaus Müller. Bislang könnten die Verbraucherverbände Händler zwar wegen irreführender Werbung abmahnen, erläuterte VZ-Rechtsexperte Wolfgang Schuldzinski. Das gelte aber immer nur für einzelne Produkte. „Das Instrument greift ins Leere.”

Die Verbraucherzentrale NRW zählte 2006 mehr als eine Million Menschen, die persönlich, schriftlich oder telefonisch Rat bei den 54 Beratungsstellen im Land suchten - ein Rekord in der 49-jährigen Geschichte der Einrichtung. 3,8 Millionen Menschen hätten sich zusätzlich auf den Internetseiten der Verbraucherschützer informiert.

Unseriöse Lockangebote sind nach Angaben der Verbraucherschützer nur ein Thema, das die Verbraucher im vergangenen Jahr besonders beschäftigte. Besonders viele Anfragen habe es auch wegen gestiegener Gaspreise und ungebetener Telefonwerbung gegeben.

Allein 10 000 Beschwerden über unerwünschte Werber am Telefon hätten die Beratungsstellen im vergangenen Jahr entgegengenommen. „Es ist ein Skandal, dass die Politik bei dem Thema Telefonwerbung nicht in die Puschen kommt”, sagte Müller. Der Vorschlag von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD), solche Fälle mit einem Bußgeld zu ahnden, sei unzureichend. Auch hier brauche es schärfere gesetzliche Regeln.

In Zukunft will die Verbraucherzentrale zur eigenen Finanzierung neue Wege gehen, wie Müller ankündigte. Die Zuschüsse des Landes seien in den vergangenen Jahren mehrfach gekürzt worden. Die Verbraucherzentrale wolle nun versuchen, Anbieterverbände und Unternehmen zur finanziellen Unterstützung von Projekten zu gewinnen.

Es gebe bereits eine Pflegehotline, die die Verbraucherzentrale mit der Hilfe des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen (BKK) betreibt. Trotz der neuen Finanzierungswege bleibe es weiter vorrangiges Ziel, die Neutralität und Unabhängigkeit der Verbraucherzentrale zu bewahren, sagte Müller: „Das ist eine schmale Gratwanderung.”