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Vor Rückkehr zur Präsenzlehre: Universitäten und Hochschulen in NRW fordern Impfkampagne

Vor Rückkehr zur Präsenzlehre : Universitäten und Hochschulen in NRW fordern Impfkampagne

Zum Wintersemester sollen Lehrende und Studierende in den Präsenzbetrieb zurückkehren. So will es die Politik, und so wollen es auch Hochschulen und Unis – vorausgesetzt, der Großteil genießt dann vollen Impfschutz.

Laut Mitteilung der Landesrektorenkonferenz NRW wünschen sich die Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaft (HAWen) in Nordrhein-Westfalen nichts sehnlicher, als Lehrende und Lernende ab Herbst auf den Campussen vor Ort wieder akademisches Leben erfahren zu lassen. Damit dies jedoch im Bereich des Möglichen bleibe, fordern sie von den politisch Verantwortlichen unmittelbare und wirksame Weichenstellungen.

Konkret heiße das laut den Vorsitzenden der Landesrektorenkonferenzen, Prof. Lambert T. Koch und Prof. Marcus Baumann, „dass alle Mitarbeitenden und Studierenden bis Anfang, spätestens Mitte August flächendeckend ein verbindliches Impfangebot erhalten haben müssen“. So könne man davon ausgehen, dass Anfang Oktober, pünktlich zum Start des Semesters, ein vollwirksamer Impfschutz erreicht werde.

Gehe man weiterhin von zwei notwendigen Impfungen gegen das Coronavirus aus, einem Abstand zwischen den Impfungen von sechs Wochen sowie einer Zeit von weiteren 14 Tagen bis zur vollen Wirksamkeit nach der zweiten Impfung, müssten alle rund 750.000 Studierenden in Nordrhein-Westfalen sowie alle Mitarbeitenden noch in der ersten Augusthälfte das erste Mal geimpft sein.

Mit Blick auf die Frage, wann die Hochschulimpfkampagne starten sollte, müsse das Land entscheiden, wie viele Studierende pro Tag geimpft werden können. Begänne man beispielsweise Anfang Juli, was jetzt schon organisatorisch kaum mehr möglich sei, müssten unter der Annahme, dass aktuell noch bis zu 60 Prozent dieser Gruppe gar nicht geimpft sind, bis August in den verbleibenden vier bis fünf Wochen an jedem Werktag mehr als 15.000 Studierende geimpft werden, sind sich die LRK-Vorsitzenden einig.

Wenn dies nicht gelänge, würden die Verantwortlichen nicht umhinkommen, den Hochschulen weiterhin Abstandsregeln bei der Nutzung der Hörsäle aufzuerlegen. Bei einem derzeit geltenden 1,50-Meter-Abstand könnten angesichts knapper Raumressourcen rein rechnerisch dann nur ca. 20 Prozent der Studierenden zurück in die Hochschulen kommen. Dies sei den jungen Menschen, die nun schon drei komplette Semester von zu Hause aus studieren müssten, nicht mehr zuzumuten.

Die Impfung sei aber auch deshalb dringend nötig, weil aktuell schon über 50 Prozent der Neu-Infizierten in die Gruppe der jungen Menschen fielen. Studierende sind zusätzlich gefährdet, weil sie jeden Tag in völlig unterschiedlich zusammengesetzten Lehrveranstaltungen sitzen und im Personennahverkehr teils weite Strecken zurücklegen.

Die Anstrengungen vieler Universitäten und Hochschulen, teilweise in Kooperation mit ihren Uni-Kliniken und den Hochschulärzten, Impfkampagnen zu organisieren, reichten allein bei weitem nicht aus, um rechtzeitig den vollen Impfschutz sowohl für bereits eingeschriebene Studierende als auch die kommenden Erstsemester zu erreichen.

Sollte es der Politik nicht gelingen, eine umfassende Hochschulimpfkampagne auf die Beine zu stellen, erwarten die Hochschulen eine klare Rückendeckung dafür, dass sie zum Schutz ihrer Mitarbeitenden und Studierenden die bisherige Praxis einer weitgehenden Online-Lehre auch im Wintersemester fortsetzen müssten.

(red)