Debatte in Köln: Ungünstiger Standort der Messanlage als Auslöser für Fahrverbot?

Debatte in Köln: Ungünstiger Standort der Messanlage als Auslöser für Fahrverbot?

Vor einem Urteil zu möglichen Fahrverboten in Köln hat die regionale Handwerkskammer scharfe Kritik am Landesumweltamt geäußert. Da die Behörde falsch messe, seien die Schadstoffwerte zu hoch, sagte Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln, am Mittwoch in der Domstadt.

Seine Institution habe eigene Messungen unweit der amtlichen Anlagen durchgeführt und deutlich niedrigere Werte ermittelt.

An der Kölner Hauptverkehrsstraße Clevischer Ring steht die Messstation mit den höchsten Stickstoffdioxid-Werten in NRW, 2017 waren es dort laut Landesumweltamt im Schnitt 62 Mikrogramm pro Kubikmeter. Das liegt über dem EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm. Es ist möglich, dass das Kölner Verwaltungsgericht auf Basis dieser Werte am Donnerstag ein Urteil fällt und Köln zu Fahrverboten verdonnert.

Handwerksvertreter Weltrich findet das zum Haareraufen. Es sei unverständlich, warum die Behörde zum Beispiel am Clevischen Ring nicht zwei Messanlagen aufstelle, sagte Weltrich. „Wenn man zum Arzt geht und eine ernsthafte Diagnose bekommt, geht man doch auch noch zu einem anderen Arzt und holt sich eine zweite Meinung ein.“

Nach Auffassung der Handwerkskammer ist die Messanlage falsch konzipiert, etwa weil Bäume zu nah an der Station stehen und dadurch der Luftstrom beeinflusst wird. Zudem sei das eine extrem ungünstige Stelle, die nicht repräsentativ sei für einen ganzen Straßenabschnitt. Nach Messung der Handwerkskammer lag der Durchschnittswert in den vergangenen drei Monaten aber nur bei 51 Mikrogramm. Das wäre noch deutlich über dem EU-Grenzwert.

Viel Verkehr: Autos und eine Straßenbahn teilen sich die Straße auf dem Clevischen Ring. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

„Wir haben ein Problem am Clevischen Ring, unzweifelhaft“, räumte Weltrich ein. Dieses Problem könne aber mit besserer Ampelschaltung, klimaschonender Technik im Nahverkehr und anderen Maßnahmen gelöst werden. Er warnte vor Fahrverboten - zwar wäre das Handwerk wohl ausgenommen, aber viele Mitarbeiter könnten dann nicht mehr ihr privates Auto auf dem Weg zur Arbeit benutzen.

Das Landesumweltamt wies die Vorwürfe zurück. Externe Gutachter hätten die Messstationen mit hoher Schadstoffbelastung überprüft und nichts zu beanstanden gehabt. „Die Messwerte sind für die Luftreinhalteplanung eine belastbare Datengrundlage“, sagte eine Sprecherin der Behörde.

Guter Vorsatz: „Saubere Luft für NRW“ steht auf diesem Aufkleber an der Messstation. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Bei der Gerichtsverhandlung am Kölner Verwaltungsgericht geht es auch um Bonn - auch dort könnten Verbote verhängt werden. Allerdings ist die Situation dort weniger gravierend als in Köln. In der früheren Bundeshauptstadt wurden nach Behördenangaben 48 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen, also 8 höher als erlaubt. Im Gegensatz zu Köln hat Bonn bereits einen neuen Luftreinhalteplan vorgelegt, der zum Beispiel verbilligte Nahverkehr-Jahrestickets und häufigere Einsätze von Bussen und Bahnen vorsieht.

(dpa)
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