Würselen: Unfälle mit Kindern im Aquana-Spaßbad werfen Fragen auf

Würselen: Unfälle mit Kindern im Aquana-Spaßbad werfen Fragen auf

Der 13 Monate alte Junge, der am Sonntag im Würselener Spaßbad Aquana reanimiert werden musste, liegt noch im Aachener Klinikum. Nähere Auskünfte über seinen Gesundheitszustand gab es am Dienstag nicht. Noch am Sonntagabend eilte der Aufsichtsratsvorsitzende des Bades, Arno Nelles (SPD), zum Aquana. Würselens Bürgermeister bescheinigte den Mitarbeitern eine sehr „kompetente und hoch professionelle Reaktion“.

Sekunden nachdem der spanische Vater seinen kleinen Sohn leblos im Kleinkinderbecken entdeckte, hätten die geschulten Kräfte erfolgreich mit der Herzmassage begonnen. Der Rettungsdienst wurde um 16.51 Uhr informiert. „Als die Notärztin fünf Minuten später eintraf, war der 13 Monate alte Junge bereits von den Mitarbeitern des Schwimmbades wiederbelebt worden“, sagt Claus-Bert Lennartz, der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes der Städteregion. Der Kleine wurde später mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht.

Es ist bereits der zweite Zwischenfall innerhalb weniger Tage. Am Wochenende zuvor war ein Achtjähriger ertrunken. Nelles spricht von einer „unglücklichen Verkettung“, aber auch davon, dass das Euregio-Freizeitbad nicht gefährlicher als andere Anlagen sei. In einer Stellungnahme nach dem Tod des Jungen hatte er nicht nur der Familie kondoliert. Er hatte auch darum gebeten, vorschnelle Schlüsse zu vermeiden und das Ereignis nicht weiter zu kommentieren.

Den geschockten Mitarbeitern wurde umgehend psychologische Betreuung angeboten. In der letzten Woche blieb das Bad zwei Tage lang geschlossen. „Es gehört zu unserer Fürsorgepflicht, unseren Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, das Erlebte zu bewältigen“, sagt Geschäftsführer Claus Nürnberg, der diese Aufgabe Anfang des Jahres übernommen hat.

Naturgemäß hat die Staatsanwaltschaft Aachen die Ermittlungen nach dem Tod des Achtjährigen wegen „fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt“ aufgenommen. Hinweise auf Versäumnisse liegen bislang nicht vor, sagt die Behördensprecherin Katja Schlenkermann-Pitts. Im aktuellen Fall wurde kein Verfahren eröffnet.

Fachangestellte für Bäderbetrieb

Zum Zeitpunkt des Unglücks am Sonntag waren neben den vier Rettungskräften auch „zwei Fachangestellte für Bäderbetriebe“ vor Ort. Einer mehr, als die Bäderverordnung vorsieht. „Wir reagieren damit auf die besucherstarken Tage“, sagt Nürnberg.

Er verweist aber auch darauf, dass eine 100-prozentige Kontrolle nicht möglich sei. „Die Aufsichtspflicht besonders bei den Nichtschwimmern liegt eindeutig bei den begleitenden Erwachsenen“, sagt er. „Sie haben die Pflicht, die Kinder zu beobachten“, sagt auch Arno Nelles. Eröffnet wurde das Freizeitbad im Dezember 1998, bislang hat es drei Todesfälle gegeben, betroffen waren immer Mädchen und Jungen.

Die Gästezahlen verbesserten sich in den letzten Jahren deutlich. Jährlich besuchen zwischen 280.000 und 300.000 Badegäste das Aquana. Für 2018 wird ein Rückgang erwartet, da das Spaßbad wegen Sturmschäden Anfang des Jahres zeitweise geschlossen werden musste.

Die Zukunft der defizitären Anlage ist politisch umstritten, Würselens CDU-Fraktion will die Einrichtung auf den Prüfstand stellen. Bundesweit sind laut DLRG 2016 genau 19 Menschen in öffentlichen Bädern ertrunken. Die Gefahr, auf dem Hin- oder Rückweg zu verunglücken, sei ungleich höher, sagt Joachim Heuser, der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen.