Nideggen: Umweltverbände lehnen Kletterwald-Planung strikt ab

Nideggen: Umweltverbände lehnen Kletterwald-Planung strikt ab

Mit knapper Mehrheit hat der Bauausschuss am Dienstag beschlossen, einen „Informationskreis“ zu bilden, der das weitere Planungsverfahren zum Kletterwald bei Eschauel begleiten soll. „Gegner und Befürworter sollen sich in diesem Gremium auf Augenhöhe austauschen, um die verhärteten Fronten wieder aufzubrechen“, erklärte am Mittwoch Nideggens Kämmerin Carola Gläser.

Ursprünglich hatte die CDU einen Beirat beantragt. Gläser: „Der Informationskreis wird einen begleitenden Charakter haben und das Verfahren nicht verzögern.“

„Unser Ziel war, dass miteinander und nicht übereinander geredet wird“, betonte CDU-Fraktionsvorsitzender Markus Fischer. Trotz anfänglicher Bedenken sicherte am Mittwoch auch im Gespräch mit unserer Zeitung Investorin Yasmin Kalmuth-Büyükdere die Teilnahme an diesem Gremium zu: „Ich habe die Hoffnung, dass wir in dieser kleinen Runde erstmalig in einen vertrauensvollen Dialog treten können und wir es schaffen, die verhärteten Fronten aufzuweichen.“

Sammeleinwendungen

An der Zahl der Einwendungen gegen die Planung hat sich bis zum Ablauf der Frist nicht mehr viel geändert. „Es ist bei den etwas mehr als 100 Einwendungen geblieben“, erklärt Gläser. Allerdings seien auch Sammeleinwendungen von Befürwortern und Gegnern eingereicht worden. Gläser: „Zählt man nur die Unterschriften, liegt die Zahl natürlich wesentlich höher.“

Kritik an der Planung kommt von den Umweltverbänden. In einer naturschutzfachlichen Stellungnahme lehnen die Kreisgruppe des BUND, der Kreisverband des Nabu und der Arbeitskreis Fledermausschutz das Projekt ab. Kernaussage: Die Bauleitplanung widerspreche „den Zielen der Raumordnung und Landesplanung“ und sei bereits deshalb einzustellen. Gefährdet sehen die Verbände den geschützten Bestand des Traubeneichenwaldes, der von regionaler Bedeutung sei und „einen ökologisch besonders wertvollen und artenreichen Lebensraum“ darstelle.

In der Stellungnahme heißt es: „Der Wald würde durch die Nutzung als Kletterwald zwangsläufig umstrukturiert. Der entsprechende ökologische Verlust ist nicht ausgleichbar.“ Gutachter Hartmut Fehr sieht das in seinem Umweltbericht anders: Die Eingriffe zur Errichtung des Klettergartens würden relativ gering ausfallen: „Es müssen entweder keine oder nur sehr wenige Gehölze entnommen werden. Eine Befestigung größerer Flächen findet nicht statt, so dass es kaum zum direkten Verlust von Lebensraum kommt.“

Wenige Probleme sieht der Diplom-Biologe auch in einem anderen Punkt: „Auf geschützte und gefährdete Tierarten wird die Nutzung nur wenig Einfluss haben. An der Eignung als Jagdgebiet für die Fledermausfauna wird sich durch die auf den Tag beschränkte Aktivität im Klettergarten nichts ändern.“ Auch das bewerten die Umweltverbände anders. Beim Thema Fledermäuse halten sie das Gutachten „nicht für fachgerecht“.

So seien die Untersuchungszeiten unzureichend und es würde eine Methodik für akustisch schwer nachweisbare Arten fehlen. „Vor allem der hohe Ultraschallgeräuschpegel, unter anderem durch das ständige Reiben der Sicherungshaken während des gesamten Tagesbetriebs“, sei hier von Bedeutung. Grundsätzlich sieht man „unlösbare artenschutzrechtliche Konflikte vorprogrammiert“ und spricht gar davon, dass einzelnen Arten bei einer „Zunahme des Verkehrs einem erhöhten Tötungsrisiko ausgesetzt“ seien.

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