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Umtausch alter Führerscheine

Umtausch alter Führerscheine : Viel Verkehr, aber kein Stau auf dem Amt

In vielen Straßenverkehrsämtern in NRW herrscht in diesen Wochen reger Betrieb – weil alte Führerscheine in ein EU-Dokument umgetauscht werden. In der Region allerdings läuft es relativ entspannt.

Den Auftakt machen die Jahrgänge 1953 bis 1958. Für Führerscheininhaber, die in diesem Zeitraum geboren wurden, endet die Frist bereits am 19. Januar 2022, also in 14 Tagen. Sonst droht bei Polizeikontrollen ein Bußgeld von zehn Euro – eigentlich.

Wegen der Coronavirus-Krise kommt es in manchen Behörden allerdings zu längeren Wartezeiten bei der Terminvergabe – und zu manchem Ärger. Die Verkehrsministerkonferenz hatte im Dezember ein Einsehen: Wer es wegen eingeschränkter Öffnungszeiten der Ämter nicht bis zum 19. Januar schafft, dem droht bis zum 19. Juli auch kein Bußgeld.

Hintergrund ist die EU-Richtlinie 2006/126/EG. Danach sollen alle Fahrerlaubnisse EU-weit bis 2033 einheitlich und fälschungssicher sein. Wer einen alten grauen oder rosafarbenen „Lappen“ oder einen bis einschließlich 18. Januar 2013 ausgestellten Scheckkartenführerschein besitzt, muss diesen in den kommenden Jahren eintauschen. Bundesweit stehen rund 15 Millionen Papier- und 28 Millionen Scheckkartenführerscheine zum Umtausch an. Allein in Nordrhein-Westfalen sind fast zehn Millionen Führerscheine betroffen.

„Viele Mitglieder berichten uns, dass es derzeit schwierig ist, die zuständigen Behörden für einen Termin zu erreichen. Entweder es ist dauerhaft besetzt oder es hebt niemand ab“, sagt Gabriele Schön vom ADAC Nordrhein. „Die Menschen haben Sorge, die Frist zu verpassen.“

Der Beratungsbedarf sei hoch. „Wir raten trotzdem dazu, sich bereits jetzt um einen Termin zu kümmern und die Führerscheinstelle bei Nicht-Erreichbarkeit schriftlich um einen Umtauschtermin zu bitten. Ansonsten verlagert man das Problem nur nach hinten“, empfiehlt Schön. „Wer bei seiner Behörde trotz tagelanger Versuche weder telefonisch noch online einen Termin bekommt, sollte die Führerscheinstelle auf dem Postweg mit Nachweis auffordern, einen Termin für den Umtausch zu benennen.“ Eine Kopie des Schreibens und den Postbeleg legen Autofahrer am besten griffbereit ins Handschuhfach. „So kann man im Falle einer Polizeikontrolle glaubhaft darlegen, dass man sich bereits gekümmert und alles getan hat, was gegenwärtig möglich war“, sagt die ADAC-Juristin.

Pkw- und Motorradfahrer benötigen für den Umtausch ihren Personalausweis oder Reisepass, ein biometrisches Passbild sowie den aktuellen Führerschein. Stimmt die ausstellende Behörde des alten Papierführerscheins nicht mit der des aktuellen Wohnsitzes überein, ist zusätzlich eine sogenannte Karteikartenabschrift erforderlich. Die kann per Post, telefonisch oder häufig auch online beantragt werden und wird an die neue Führerscheinstelle geschickt.

Der eigentliche Umtausch erfolgt bei der zuständigen Führerscheinstelle per Antragstellung und kostet circa 25 Euro zuzüglich der Kosten für das biometrische Lichtbild. Das neue EU-Dokument ist dann 15 Jahre lang gültig. Wichtig: Wer vor 1953 zur Welt gekommen ist, für den- oder diejenige gilt eine deutlich längere Umtauschfrist – sie endet erst am 19. Januar 2033, und das unabhängig vom Ausstellungsdatum.

In der Städteregion Aachen läuft die Umtauschaktion „ziemlich gut“, sagt Sprecher Detlef Funken auf Anfrage. Ende vergangenen Jahres sei die Nachfrage sogar eher schwach gewesen. Auf einen Termin für den Antrag muss man aktuell im Schnitt zweieinhalb Wochen warten. Bis der neue Scheckkartenführerschein aus der Bundesdruckerei dann fertig ist, vergehen zwischen vier und sechs Wochen, sagt Funken. Seit längerem ist dienstags in der Zeit von 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr ein Sonderschalter in der Eingangshalle des Straßenverkehrsamtes in Würselen, Carlo-Schmid-Straße 4, geöffnet. Eine vorherige Terminvereinbarung ist trotz Pandemie nicht erforderlich.

Auch im Kreis Heinsberg ist die Lage offenbar entspannt. Es gebe zwar viele Anträge. „Aber oft bekommt man noch am selben Tag einen Termin“, sagt Pressesprecher Michael Heckers, „ansonsten am nächsten Werktag.“ Was vielleicht daran liegt, dass man sich auch direkt an seine Stadt oder Gemeinde wenden kann. In der Gemeinde Selfkant ist das allerdings erst ab Anfang Februar möglich. Nur in Heinsberg selbst ist die Kreisverwaltung die einzige Anlaufstelle (Telefon 02452/133690). „Wir bieten nach einem persönlichen Antrag in der Regel den sogenannten Direktversand an, um den Bürgerinnen und Bürgern einen zweiten Weg zum Amt zu ersparen“, sagt Michael Heckers. „Der Führerschein wird dann von der Bundesdruckerei zugeschickt.“

Im Kreis Düren hat die Behörde hingegen alle Hände voll zu tun. „Kurz vor Toresschluss ist der Andrang groß“, sagt Sprecherin Laura Weinberger. Zwar werden zusätzliche Termine angeboten, auch in der Geschäftsstelle Jülich, Düsseldorfer Straße 6. „Aber es jetzt schon absehbar, dass es nicht reichen wird, um alle Anträge bis zum 19. Januar zu bearbeiten.“ Was nicht zuletzt daran liege, dass der bürokratische Aufwand für den Umtausch ziemlich hoch sei. Auch an der Hotline komme es wegen der hohen Nachfrage derzeit zu Wartezeiten, sagt Laura Weinberger.

Weitere Informationen, Umtauschtabellen und einen Führerschein-Umtauschrechner gibt es auf adac.de.