Amsterdam/Aachen: Überfallserie: 29-Jährige wird ausgeliefert

Amsterdam/Aachen: Überfallserie: 29-Jährige wird ausgeliefert

Die mutmaßliche Bankräuberin Lianne Zwanenberg (29) wird nach Deutschland ausgeliefert. Das hat am Donnerstag ein Gericht in Amsterdam entschieden, wie die Aachener Staatsanwaltschaft unserer Zeitung mitteilte. Die Niederländerin soll der linksextremen Hausbesetzerszene Barcelonas angehören und am 8. Juli 2013 Anführerin einer dreiköpfigen Bande gewesen sein, die eine Filiale der Aachener Bank ausgeraubt hatte.

Die Ermittler schreiben den Anarchisten auch den Überfall auf die Pax-Bank 2014 und den Überfall auf eine weitere Filiale der Aachener Bank 2012 zu. Alle drei Banken liegen wenige Hundert Meter voneinander entfernt in der Aachener Innenstadt.

Solidaritätsbekundungen

Zwanenberg war bereits 2015 an der griechisch-bulgarischen Grenze verhaftet und nach Deutschland gebracht worden. Das Aachener Landgericht hob den Haftbefehl gegen die Niederländerin jedoch wieder auf. Als der Prozess gegen sie beginnen sollte, war sie bereits nach Holland geflohen. Das Oberlandesgericht Köln erließ erneut einen Haftbefehl.

Niederländische Zielfahnder spürten sie am 6. Juli mit Unterstützung des Bundeskriminalamtes in Amsterdam auf. Seitdem sitzt sie wieder im Gefängnis. Der Termin für ihre Auslieferung stehe noch nicht fest, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Im Zusammenhang mit der Bankraubserie sitzen bereits zwei weitere Mitglieder der Hausbesetzerszene Barcelonas in Untersuchungshaft: die 35-jährige Austro-Italienerin Lisa Dorfer und der 58 Jahre alte Portugiese Aderito Soares Neto. Beide sollen am Überfall auf die Pax-Bank am 19. November 2014 beteiligt gewesen sein. Alle drei Verdächtigen wurden mit Hilfe von DNA-Spuren ermittelt.

In einigen europäischen Städten hat es Solidaritätsbekundungen für die drei mutmaßlichen Bankräuber gegeben. In Hamburg wurden wiederholt Geldautomaten beschädigt, in Erfurt wurden Fensterscheiben einer Filiale der Pax-Bank eingeworfen, außerdem wurde der Vorraum verwüstet. An den Tatorten wurden Plakate zurückgelassen, auf denen gegen die Verhaftung der drei Verdächtigen protestiert wurde. In Bristol, Berlin und Nijmegen wurden Plakate aufgehängt, auf denen zur Solidarität „mit den Anarchisten“ aufgerufen wird, „die wegen der Banküberfälle in Aachen verfolgt werden“.