Aachen: TV-Reporter angeklagt: Fragwürdiges Foto im Klinikum

Aachen : TV-Reporter angeklagt: Fragwürdiges Foto im Klinikum

Die Aachener Staatsanwaltschaft hat in Zusammenhang mit einem im Aachener Klinikum entstandenen Foto einen ZDF-Reporter angeklagt. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung.

Der ZDF-Reporter hatte am 17. Oktober in der Notaufnahme des Klinikums einen dunkelhäutigen Patienten ohne dessen Einwilligung fotografiert. Wenige Tage darauf erschien das Foto zunächst im Onlineauftritt einer Boulevardzeitung, einen Tag darauf in der Printausgabe. Die Überschrift lautete: „Ebola-Verdächtiger wartet 40 Minuten im Klinik-Flur“.

Der ZDF-Reporter hatte dieses Foto damals auch unserer Zeitung zur Veröffentlichung angeboten. Unsere Recherchen hatten jedoch ergeben, dass der Patient keine Symptome einer Ebola-Infizierung gezeigt hatte, sondern zur Behandlung schwerer Rückenschmerzen ins Klinikum gefahren war. Die Veröffentlichung des Fotos hatte unsere Zeitung daher abgelehnt.

Am Donnerstag nun bestätigte die Staatsanwaltschaft unsere damaligen Recherchen, der Patient hatte in der Tat unter Rückenschmerzen gelitten, wie die Ermittlungen ergeben haben. Der ZDF-Reporter sei daher wegen der „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“ angeklagt worden. Auf Anfrage erklärte der ZDF-Reporter Donnerstag, das Thema „Ebola“ sei im Herbst „von erheblichem öffentlichen Interesse“ gewesen, was die Veröffentlichung des Fotos gerechtfertigt habe. Er habe sich nichts vorzuwerfen und gehe nicht davon aus, dass es zum Prozess kommt.

In der Tat muss nur das Amtsgericht Aachen prüfen, ob die Anklage zugelassen werden kann, erst dann würde es zu einem Prozess kommen. Entscheidend könnte die Frage sein, ob der Bereich, in dem der ZDF-Reporter den Patienten fotografiert hatte, nämlich die Anmeldung der Notaufnahme, ein besonders geschützter Raum ist. Nach der Rechtsprechung etwa des Oberlandesgerichts Düsseldorf ist zum Beispiel ein ärztliches Behandlungszimmer ein solch besonders geschützter Raum. Ob das auch auf den Anmeldebereich der Notaufnahme zutrifft, hat bislang noch kein deutsches Gericht entscheiden müssen.

Doch selbst wenn es zum Prozess käme, hätte der ZDF-Reporter keine hohe Strafe zu befürchten: Die „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“ wird mit Geldstrafe oder einer Haftstrafe zu einem Jahr geahndet — die dann wohl zu Bewährung ausgesetzt würde.

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