Stolberg: „Turbo, Traffic, Transport“: Neue Dauerausstellung im Zinkhütter Hof

Stolberg: „Turbo, Traffic, Transport“: Neue Dauerausstellung im Zinkhütter Hof

Das älteste noch funktionstüchtige Automobil der Aachener Marke Cudell, Baujahr 1901, wird erst am Eröffnungstag angeliefert. Während das wichtigste Exponat der neuen Dauerausstellung „Turbo, Traffic, Transport“ im Industriemuseum Zinkhütter Hof in Stolberg also noch fehlt, stehen die Motor- und Fährräder schon an ihrem Platz.

Die Ausstellungsstücke werden den Besuchern ab Sonntag, 17. Juni, die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Mobilität in der Region Aachen erzählen.

Die neue Ausstellung hat auf einer Fläche von rund 400 Quadratmetern genügend Platz für große Exponate, wie einen Lkw der Marke Mannesmann-Mulag mit Baujahr 1911. „Von denen gibt es nur noch vier Stück auf der Welt“, sagt Museumsleiter Sebastian Wenzler. Direkt daneben stht ein Prototyp eines Streetscooter-Pkw mit Elektroantrieb.

Besonders stolz ist der Museumsleiter auf vier Motorräder, die vom Künstler Ernst Neumann-Neander gebaut wurden.

Aber auch kleine Ausstellungsstücke können große Geschichten erzählen, wie etwa ein Päckchen mit Fafnir-Speichen beweist. 1894 wurden die Fafnir-Werke in Aachen zur Produktion von Nähmaschinennadeln gegründet. Später produzierten sie Speichen für Fahrräder, deren Erfindung grundlegend für alle folgenden Fahrzeuge war, bevor Fafnir selbst Motoren und eigene Automobile herstellte.

Mobilität betrifft jeden

Die Ausstellung soll Besucher aller Altersstufen ansprechen. „Das Thema Mobilität betrifft jeden. Wir behandeln das Thema Elektromobilität und Antrieb durch Wasserstoffzellen, aber wir betrachten auch die Ursprünge der technischen Entwicklung, die etwa 120 Jahre zurückliegen“, sagt Wenzler. Dabei liegt der Fokus bei den Exponaten deutlich auf der Region Aachen. Bei der Entwicklung der Mobilität von morgen nimmt sie mit E.Go, Streetscooter und Co. eine Vorreiterrolle ein.

Weniger bekannt ist, dass die Region beim Thema Mobilität schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine ähnliche Rolle gespielt hat. „Schon zu Pionierzeiten der Automobilentwicklung haben sich bedeutende Fahrzeugproduzenten wie Cudell, Scheibler, Fafnir und Mannesmann-Mulag weltweit einen Namen gemacht“, sagt Wenzler. Zwar hätten alle diese Firmen im Zuge der Weltwirtschaftskrise ihre Produktion eingestellt. „Aber der Geist ist an den hier ansässigen Hochschulen erhalten geblieben,“ sagt Wenzler. Der Forschung zu Energie und Kraftstoffen ist daher eine eigene Station im Museum gewidmet.

Die neue Dauerausstellung ist für das Stolberger Museum ein Alleinstellungsmerkmal. „So etwas gibt es in der Form in keinem anderen Museum in NRW“, sagt Wenzler. Eine derart große Ausstellung zu dem Thema gebe es nur im Deutsche Technikmuseum oder bei den großen Automobilherstellern in Wolfsburg, Stuttgart, München oder Berlin.

Wenzel selbst ist großer Oldtimer-Fan. Über sein privates Netzwerk ist er an einige seltene Ausstellungsstücke gelangt. Andere Exponate seien ihm eher zufällig in die Hände gefallen, sagt er, oder er habe im Internet danach gesucht. Zusammen mit einem Expertengremium wurde dann ein Ausstellungskonzept erstellt. Im Erdgeschoss können Fahrräder, Motorräder und Autos betrachtet werden sowie verschiedene Motoren- und Reifentypen. Das Obergeschoss ist den Themen, Autorennen, Sicherheit, Kunst und Arbeitswelt gewidmet. Eine Station befasst sich mit dem Thema Frauen und Mobilität. Alles steht für die Besucher bereit. Jetzt fehlt nur noch der Cudell.

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