Aachen/Heinsberg/Düren: Trotz heftiger Böen: „Andrea” hält sich eher zurück

Aachen/Heinsberg/Düren: Trotz heftiger Böen: „Andrea” hält sich eher zurück

Das Sturmtief „Andrea” hat die Region weitgehend verschont. In Kelmis stürzte ein Baum auf einen wartenden Linienbus, in Aachen einer auf ein geparktes Auto. In Monschau fiel der Strom aus. Anders sah es in Belgien und Süddeutschland aus, wo es zwei Tote gab und Züge ausfielen.

„Andrea” verschoss ihr Pulver nach Einschätzung der Meteorologen in den Morgenstunden. Zwischen 7 und 10 Uhr zog eine Gewitterlinie mit starkem Regen und schweren Sturmböen über das Land. Der Wind erreichte Geschwindigkeiten von 100 Stundenkilometern. Meist blieb es aber bei Geschwindigkeiten um 80 km/h. Am Vormittag beruhigte sich die Lage. „Das Maximum ist durch”, sagte Stefanie Gärtner vom Deutschen Wetterdienst. Die Unwetterwarnungen wurden aufgehoben.

Generell zeigte sich das Sturmtief in der Region relativ harmlos. Im belgischen Kelmis stürzte gegen 9.30 Uhr an der Lütticher Straße ein Baum auf einen Bus der Linie 24 nach Aachen. Menschen kamen nicht zu Schaden. Das dem belgischen Unternehmen Sadar gehörende Fahrzeug der gemeinsam mit der Aseag betriebenen Buslinie musste abgeschleppt werden. „Unsere Busse mussten in dieser Zeit einen kleinen Umweg fahren”, sagte Aseag-Sprecherin Anne Linden.

Bis zum Mittag verzeichnete die Aachener Polizei insgesamt etwa 25 witterungsbedingte Einsätze. Die Anlässe waren zumeist umgestürzte Bäume, Verkehrsschilder, Mülltonnen und herabfallende Dachziegel. Am Kornelimünsterweg wurde ein Auto durch einen abgeknickten Baum total zerstört. Am Berliner Ring kam es an zwei Stellen zu Überflutungen, die von der Feuerwehr durch das Öffnen von Wasserabläufen beseitigt wurden. Die Schleidener Straße musste wegen eines umgestürzten Baumes gesperrt werden, ein weiterer Baum stürzte in Kornelimünster in die Inde.

In Teilen von Monschau fiel zeitweise der Strom aus. Ab Mittag gingen nur noch vereinzelte Meldungen über witterungsbedingte Schäden oder Störungen bei der Polizei ein.

Auch im Kreis Düren blieb es bei einigen wenigen Einsätzen. In der Nacht zum Donnerstag mussten in Bergstein und Leversbach umgestürzte Bäume beseitigt werden, von einem Haus an der Rurstraße in Düren löste sich eine Plastikklappe.

Auch in den zehn Städten und Gemeinden des Kreises Heinsberg wurden nur wenige Einsätze für die Feuerwehr ausgelöst. Wie die Leitstelle des Kreises im Erkelenzer Feuerschutzzentrum am Donnerstagnachmittag auf Anfrage mitteilte, seien insgesamt 18 Einsätze verzeichnet worden - allesamt wegen umgestürzter Bäume oder abgebrochener Äste. Personen seien nicht verletzt worden.

Im übrigen Nordrhein-Westfalen sah die Lage ähnlich aus.

Die Rheinpegel steigen unterdessen weiter. „Inzwischen ist die Hochwassermarke eins erreicht”, hieß es in der Kölner Hochwasserschutzzentrale. Schiffe dürfen nur noch in der Strommitte fahren. Erste Stege sind gebaut und tiefer gelegene Park- und Campingplätze gesperrt worden. Es laufen die Vorbereitungen, um ein großes Hubtor im Kölner Ortsteil Rodenkirchen hochzufahren und mobile Wände aufzustellen.

Der Höchststand wird am Sonntag oder Montag mit rund acht Metern erwartet. „Ab 8,30 Metern würde die Schifffahrt komplett eingestellt, und dann würden auch schon erste kleinere Ortsteile zu Inseln. Allerdings sehe ich das zurzeit noch nicht”, sagte der Leiter der Hochwasserzentrale, Reinhard Vogt.

Auch an der Ruhr und seinen Zuflüssen stiegen die Wasserstände nur leicht. „Es ist nichts dramatischen zu erwarten”, sagte Ulrich Windau vom Hochwasserwarndienst der Bezirksregierung Arnsberg.

Im restlichen NRW sorgte „Andrea” für etliche Zwischenfälle. Unzählige Bäume stürzten auf Straßen, einigen trafen Häuser, einige kippten auf Schienen und Autos. Häuser wurden von Blitzen getroffen, Im Münsterland bei Reken sprang ein Regionalzug aus den Schienen. Er war mit Tempo 70 gegen einen umgestürzten Baum geprallt. Verletzt wurde niemand. In Bayern starb eine Frau bei einem Autounfall, als ein Auto vom Wind auf die Gegenfahrbahn gedrückt wurde.

In Belgien störte „Andrea” die Thalys-Züge zwischen den Niederlanden und Brüssel. Bei Brüssel wurde ein 64-jähriger Mann von einer fünf Meter hohen Tür erschlagen, im ganzen Land gab es weitere Verletzte.

In der Nacht sollte das Unwetter abklingen - windig und regnerisch bleibt es aber auch in den kommenden Tagen.

Mehr von Aachener Zeitung